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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 21.12.2017

Anruf im JemenIhr Hörerwunsch gegen das Wegschauen

Von Ellen Häring und Andre Zantow

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Ein Mädchen liegt im Jemen in einem Krankenhausbett und weint. (AFP / Mohammed Huwais)
Ein Kind im Jemen wird mit Verdacht auf Cholera im August im Krankenhaus behandelt. (AFP / Mohammed Huwais)

Wir hatten Sie gefragt, aus welcher Region Sie sich eine Weltzeit wünschen: Viele haben nach dem Jemen gefragt. Laut Vereinten Nationen spielt sich dort die größte humanitäre Krise der Welt ab, aber kaum jemand berichtet. Wir haben angerufen.

Laut Oxfam sind sieben Millionen Menschen im Jemen akut vom Hungertod bedroht. "Eine Familie mit fünf Kindern in unserer Nachbarschaft ist verhungert", bestätigt Aenne Rappel diese dramatischen Zahlen. Die 82-Jährige Bayerin hilft seit rund 30 Jahren Menschen im Land.

Über ihren Verein "Jemenhilfe Deutschland" sammelt sie Spenden, finanziert ein kleines Krankenhaus und eine Kinderhilfe in Taizz.

Das 10-köpfige Team des kleinen Krankenhauses der "Jemenhilfe Deutschland" in Taizz steht vor dem schäbigen Steinhaus. (Aenne Rappel)Das Team des kleinen Krankenhauses der "Jemenhilfe Deutschland" in Taizz. (Aenne Rappel)

Taizz liegt im Südwesten des Landes, hat knapp 500.000 Einwohner und ist direkt von den Kämpfen betroffen. Immer mehr Kinder kommen derzeit, weil sich herum gesprochen hat, dass es bei der "Deutschen" noch was zu Essen gibt. Schon wenige Euro aus Deutschland retten im Jemen Menschenleben.

In einem Krankenzimmer der "Jemenhilfe Deutschland" in Taizz liegt ein Kind auf dem Bett. (Aenne Rappel)Ein Krankenzimmer der "Jemenhilfe Deutschland" in Taizz. (Aenne Rappel)

Spendenkonten für den Jemen von verschiedenen großen Hilfsorganisationen listet die Tagesschau auf.

Desolate humanitäre Lage

Es fehlt an allem: 14,5 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Auch Lebensmittel, Benzin, Strom und Medikamente werden immer knapper und teurer. Dazu zerbombte Krankenhäuser, Schulen und fast eine Million Cholera-Fälle – die schlimmste Epidemie dieser Art, die es je gab. Knapp drei Millionen Binnenflüchtlinge irren inzwischen durch das Land, manche haben Glück und werden in Lagern notdürftig versorgt, andere verhungern. Die wenigen Hilfsorganisationen, die noch gelegentlich oder ständig vor Ort sind, senden alarmierende Berichte aus dem ohnehin ärmsten Land des Nahen Ostens.

Anjali Sed vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ist in Sanaa derzeit:

"Das ist alles so traurig, wir sehen uns als Anwälte der Jemeniten. Wir klagen das an. Wir sind doch hier vor Ort und sehen wie schlimm die Lage ist. Es ist so wahnsinnig wichtig, dass die Welt davon erfährt. Es kann nicht sein, dass dieser Konflikt unter ferner liefen abgehandelt wird. Das hier hat absolute Priorität. Frauen und Mädchen sind dabei besonders betroffen. Frauen kommen beim Essen als letzte dran, sie kriegen weniger. Und sie sind für die Versorgung der ganzen Familie zuständig."

Aber ein Aufschrei weltweit bleibt bisher aus. Viele Hörer hatten uns deshalb gebeten, den Jemen in dieser Wunsch-Weltzeit vor Weihnachten zu thematisieren.

Ein jemenitisches Mädchen in einem verarmten Dorf vor den Toren der Stadt Hodeidah am 23. Juli 2017. In der Gegend herrscht akuter Wassermangel. (AFP / Abdo Hyder)Ein jemenitisches Mädchen vor den Toren der Stadt Hodeidah im Juli 2017. (AFP / Abdo Hyder)

Kaum Berichterstattung über den Jemen

Westliche Journalisten kommen nicht in den Jemen. Sie erhalten kein Visum und eine illegale Einreise in das unübersichtliche Kriegsgebiet kann tödlich sein. Auch unsere Korrespondenten, die es immer wieder versuchen in den Jemen einzureisen, erhalten bisher nur Absagen. So bleibt der Konflikt ein weißer Fleck und wir sind angewiesen auf Aussagen der Kriegsparteien, die schwer nachzuprüfen sind.

Huthi-Kämpfer vor den Ruinen eines Hauses in Sanaa, das angeblich durch Luftangriffe der saudischen Koalition zerstört wurde.  (AFP / Mohammed HUWAIS)Huthi-Kämpfer vor den Ruinen eines Hauses in Sanaa, das angeblich durch Luftangriffe der saudischen Koalition zerstört wurde. (AFP / Mohammed HUWAIS)

Huthi-Rebellen gegen Saudi-Arabien-Allianz

Seit Kriegsbeginn 2014/2015 sind Tausende Menschen getötet worden. Angefangen hat es als die schiitischen Huthi-Rebellen den Westen des Landes besetzen, die machtlose Regierung wandte sich an den Nachbarn Saudi-Arabien und so entstand eine Zehn-Staaten-Allianz, die nun vor allem aus der Luft gegen die Huthi-Rebellen vorgeht. Deren Truppen sind bisher am Boden überlegen und konnten ihre Gebiete im bergigen Westen des Landes verteidigen. Um Waffenlieferungen an die Huthi-Rebellen zu verhindern, blockiert Saudi-Arabien alle See- und Luftwege. Dadurch kommen aber auch keine oder nur noch wenige Hilfsgüter ins Land.

"Friedensgespräche wird es erst geben, wenn Saudi-Arabien die stärkere Partei ist, was derzeit nicht der Fall ist. Deshalb werden die Saudis erstmal die Machtverhältnisse am Boden verändern, um nicht als Verlierer aus diesem Krieg zu gehen. Wir merken das auch schon, dass die Truppen der Allianz wieder mehr Boden zurück gewinnen und das wird erstmal so weitergehn."

So prophezeit es Mareike Transfeld, Jemen-Expertin und Doktorandin an der Graduate School Muslim Cultures and Societies der Freien Universität Berlin. Das vollständige Interview mit allen Hintergründen auch über deutsche Waffenlieferungen an Saudi-Arabien hören Sie in der Sendung.

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