Montag, 21.06.2021
 

Rang I | Beitrag vom 13.02.2021

Anne Tismer über "Name Her"Eine Würdigung vergessener oder übersehener Frauen

Anne Tismer im Gespräch mit Susanne Burkhardt

Szene aus dem Stück "Name Her" am Ballhaus Ost in Berlin. (Lea Hopp)
Sieben Stunden allein auf der Bühne: Anne Tismer würdigt in ihrer Performance "Name Her" 150 Frauen. (Lea Hopp)

Viele Frauen haben wichtige Beiträge zu Kultur und Wissenschaft geleistet, ohne dass man sie kennt. Die Regisseurin Marie Schleef hat eine Performance inszeniert, in der 150 von ihnen gewürdigt werden. Anne Tismer stellt sie dar - sieben Stunden lang.

Die Performerin Anne Tismer ist mit der Performance "Name her – Eine Suche nach den Frauen+" zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen. Es ist das erste Mal, dass die von ihr mitbegründete Off-Bühne Ballhaus Ost Berlin zum Theatertreffen eingeladen ist.

In der Produktion "Name her – eine Suche nach den Frauen+" steht Performerin allein sieben Stunden auf der Bühne. Streift singend, tanzend, sprechend 150 Biografien unbekannter, vergessener oder übersehener Frauen. Von der Erfinderin der Kantate Barbara Strozzi bis zur Rapperin aus Togo Flash Marley.

Angstfrei arbeiten

Entstanden ist die Koproduktion mit dem Kosmos-Theater Wien und den Münchner Kammerspielen als Idee und in der Regie von Marie Schleef. Zum zweiten Mal arbeitet Anne Tismer mit ihr zusammen. Bei ihr, so Tismer, könne sie "angstfrei" arbeiten.

Bei der Auswahl für die Lecture-Performance war es Anne Tismer besonders wichtig, dass viele Wissenschaftlerinnen vorkommen: "Ich denke immer, ich als weibliche Person bin nicht so intelligent, weil das Meiste was ich lerne, und was ich lerne und was ich lesen kann, ist unter männlichen Namen publiziert. Ich habe einfach immer den Komplex: Oh Gott – ist das weibliche Gehirn so, dass ich nie irgendwas rausfinden kann?"

Ein Versuch, Namen zurückzuholen

30 Jahre lang sammelte Tismer daher Informationen zu Frauen, die in der Wissenschaft von Bedeutung sind – viele Ordner hat sie inzwischen. Gemeinsam mit der jungen Regisseurin Marie Schleef wurde dann aus diesem Material, gemeinsam mit vielen anderen Namen von Frauen, die siebenstündige Performance. Ein Versuch, damit die Namen in den "aktiven Wortschatz" zurückzuholen.

Derzeit versucht sich Anne Tismer umzuschulen: "Ich versuche gerade, mich auf ein Physikstudium vorzubereiten." Dafür schaut sie zur Vorbereitung Online-Vorlesungen und nimmt Nachhilfe.

"Name Her - Eine Suche nach den Frauen+"
Idee, Konzept, Text und Regie: Marie Schleef
Mit Anne Tismer

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