Sonntag, 05.07.2020
 

Fazit | Beitrag vom 28.05.2020

Anna Viebrock über Irm HermannEine starke Frau mit freiem Geist

Anna Viebrock im Gespräch mit Britta Bürger

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Zu sehen ist die Schauspielerin Irm Hermann, die auf einer Theaterbühne steht. Sie trägt ein Kleid und hält die Hände vor ihrem Körper. (Picture Alliance / dpa / Claudia Esch-Kenkel )
Das Publikum habe die Schauspielerin Irm Hermann geliebt - auch für ihr Lachen, sagt die Bühnenbildnerin Anna Viebrock. (Picture Alliance / dpa / Claudia Esch-Kenkel )

Die Bühnenbildnerin Anna Viebrock hat über Jahre mit Irm Hermann zusammengearbeitet. Sie erinnert sich an Produktionen mit Christoph Marthaler, wo sich Hermann auch auf die absurdesten Szenen einließ und den Regisseur mit ihrem Lachen verzückte.

"Ich war immer schon so begeistert, dass man überhaupt mit ihr arbeiten darf, weil man sie aus den Filmen kannte", sagt Anna Viebrock über die verstorbene Schauspielerin Irm Hermann, die unter anderem bei Rainer Werner Fassbinders Film "Berlin Alexanderplatz" mitwirkte. Viebrock begleitete viele Jahre als Bühnenbildnerin Produktionen von Christoph Marthaler und Christoph Schlingensief, dabei hat sie Hermann aus nächster Nähe kennengelernt und Kostüme für die Schauspielerin entworfen. 

Mutige Schauspielerin

Beeindruckt habe sie unter anderem das Spiel Hermanns mit ihrer sehr speziellen Figur und besonderen Stimme. Auch der Mut der Schauspielerin habe sie beeindruckt, nach den Rollen in Fassbinder Filmen Neues zu wagen:

"Das finde ich großartig, was sie für ein freier Geist war. Wenn man denkt - aus doch ziemlich engen Verhältnissen - wie sie sich da freigespielt hat. Da muss man einfach sagen, da war sie extrem ungewöhnlich und hat auch ganz ungewöhnlich gedacht."

Ob in platinblonder Perücke oder zu engem Marlene-Dietrich-Kleid: Immer habe sich Hermann "schön bewegt" – und dabei habe sie oft "Würdevolles" und gleichzeitig "Anrührendes" ausgestrahlt.

Markante Sprache

Besonders in den teils chaotischen Inszenierungen von Schlingensiefs "Berliner Republik" oder Marthalers Hórvath-Inszenierung "Glaube, Liebe, Hoffnung" an der Berliner Volksbühne habe sie Hermann als "unglaublich stark" erlebt, erinnert sich Viebrock. Ihre Art zu sprechen - mit rollendem R – habe zu dieser Art der Bühnenkunst hervorragend gepasst: "Der Dialekt, die Sprache von Horváth - sie hat dann eigentlich das ganze Klima dadurch vorgegeben, wie sie spricht."

Viebrock erwähnt eine zentrale Stelle in der Inszenierung "Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter" von Marthaler: "Da gibt es eine ganz lange Szene, wo sie nur lacht. Weil Christoph das so liebte, ihr Lachen. Aber das Lachen war auch so, wenn man dann überhaupt nicht aufhört, dann weiß man nicht, ist das jetzt ein Weinen oder ist es hysterisch. Das hat sie so lange gemacht - und die Leute haben sie dafür im Theater geliebt."

Große schauspielerische Bandbreite

Wie Hermann war auch der Schauspieler und Autor Harry Baer fasziniert von Fassbinder. Sie habe ihm zu Füssen gelegen, sei ihm regelrecht "hörig" gewesen, erinnert sich Baer an gemeinsame Produktionen aus den 60er- und 70er-Jahren. Dass sie die Schikanen des Regisseurs aushalten konnte, habe gezeigt "wie zäh sie war". 

Unglaublich sei die schauspielerische Bandbreite von Hermann gewesen, die "irgendwie alles" habe spielen können: "von der Mutter über die Liebenswerte bis zur Bösartigen".

Hier können Sie das vollständige Interview mit Harry Baer zu Irm Hermann hören:

(mle)

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