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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.02.2013

Anklagen statt Dankesreden

Schauspieler kritisieren bei den "Premios Goya" die spanische Sparpolitik

Von Wolfgang Martin Hamdorf

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Der spanische Regisseur Pablo Berger mit dem Goya für den besten Film, den er für "Blancanieves" erhielt. (picture alliance / dpa / Ballesteros)
Der spanische Regisseur Pablo Berger mit dem Goya für den besten Film, den er für "Blancanieves" erhielt. (picture alliance / dpa / Ballesteros)

In Madrid wurden zum 27. Mal die "Premios Goya" verliehen, die wichtigsten spanischen Filmpreise. Den Hauptpreis gewann der Stummfilm "Blancanieves" - auf deutsch: Schneewittchen - von Pablo Berger. Die Prämierten nutzten ihre Bühne zur Abrechnung mit der spanischen Regierung.

Javier Bardem : "Y el Goya para la mejor pelicula es para Blancanieves."

Der Schauspieler Javier Bardem verkündet den Preis für den besten Film: "Blancanieves" (Schneewittchen) galt bereits im Vorfeld als Favorit. Insgesamt acht Jahre hatte der 51-jährige Regisseur Pablo Berger an seinem zweiten Spielfilm gearbeitet:

"2005 begann ich das Drehbuch gezielt Produzenten vorzulegen. Auf der ersten Seite stand bereits: Das ist ein Stummfilm, in schwarz-weiß mit Musik von Anfang bis zum Ende. Das war sieben Jahre bevor 'The Artist' herauskam, und die Produzenten hielten mich für komplett verrückt, auch deswegen, weil aus dem Drehbuch schon hervorging, dass mein Film nicht nur schwarz-weiß und stumm, sondern auch sehr teuer werden würde."

Mit Zwischentiteln und beeindruckenden Schwarz-Weiß-Bildern überträgt der Film das Märchen der Gebrüder Grimm in ein archaisches Spanien der 1920er Jahre. Die sieben Zwerge sind kleine Toreros, die für skurrilen Spaß auf Volksfesten sorgen und Schneewittchen selbst wird zur erfolgreichen Stierkämpferin.

"Blancanieves" ist ein Feuerwerk an grotesken und brillanten Einfällen und Anspielungen auf die europäische Stummfilmgeschichte. Zwar ging der Regiepreis an den in englischer Sprache gedrehten Katastrophenfilm "The Impossible" über die Tsunamikatastrophe von 2004 von Juan Antonio Bayona, aber "Blancanieves" war der große Sieger des Abends: Er wurde in zehn Kategorien ausgezeichnet. Unter anderem erhielt Hauptdarstellerin Macarena Garcia den Preis für die beste Nachwuchsschauspielerin, Maribel Verdú wurde für die Rolle der bösen Stiefmutter als beste Schauspielerin ausgezeichnet und den widmete sie in ihrer Danksagung den Opfern der Finanz- und Wirtschaftskrise:

"Diesen Goya möchte ich all denen in diesem Land widmen, die ihre Wohnungen verloren haben, ihre Träume, ihre Hoffnungen, ihre Zukunft und teilweise auch ihr Leben. All das durch die Schuld eines angeschlagenen ungerechten und überflüssigen Systems, das den Reichen die Freiheit gibt, die Armen auszuplündern, wie der große Costa Gavras in seinem letzten Film sagt. Ihnen allen widme ich diesen Preis." (Applaus)

Die dreistündige Gala war durchsetzt mit Anklagen und Anspielungen auf die Sparpolitik der konservativen Regierung. José Ignacio Wert, der spanische Erziehungs- und Kulturminister saß dabei mit stoischem Gesicht im Zuschauersaal, als etwa Schauspielerin Candela Peña den Goya für die beste Nebendarstellerin entgegennahm:

Candela Peña: "Ich habe drei Jahre lang nicht gearbeitet. In diesen drei Jahren habe ich gesehen, wie mein Vater in einem staatlichen Krankenhaus gestorben ist, es gab keine Decken, es gab kein Wasser, das mussten wir alles selbst mitbringen. In diesen drei Jahren habe ich auch ein Kind bekommen und ich weiß nicht, welches staatliche Erziehungssystem es noch erwarten kann. In diesen drei Jahren habe ich auch gesehen, wie sich die Leute umbringen, weil sie keine Wohnung mehr haben. Trotzdem lasse ich mir diesen Abend von niemandem verderben, ich bitte Euch nur, gebt mir Arbeit, ich muss noch ein Kind ernähren."

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte der Präsident der Akademie, der spanische Produzent und Verleiher Enrique Gonzalez Macho dazu aufgefordert, die Veranstaltung nicht zu einem Anklageforum zur allgemeinen politischen Situation zu machen, wie etwa vor zehn Jahren bei den Protesten gegen den Golfkrieg. Er selbst beklagte in seiner Eröffnungsrede kulturpolitische Eingriffe der Regierung, wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Kinokarten von acht auf 21 Prozent und unzureichenden Maßnahmen gegen die Videopiraterie:

"2012 war das beste Jahr für den spanischen Film in den letzten 27 Jahren. Da können wir uns gratulieren, müssen aber auch sagen, dass alle diese Filme bereits vorher produziert wurden. Die Filme, die unter den neuen politischen Verhältnissen produziert wurden, kommen ab März in die Kinos und ich würde mich gerne irren, wenn ich sage, die Ergebnisse werden weniger brillant sein als im vergangenen Jahr."

Ein nüchterner Blick in die Zukunft. 120 spanische Filme kamen 2012 in die spanischen Kinos. 2013 werden es mit Sicherheit weniger sein. Aber deutlich wurde bei den gestrigen "Premios Goya" auch, dass spanischen Filmemacher neue Wege suchen, stilistisch inhaltlich, aber auch mit auswärtigen Koproduktionspartnern und Drehorten jenseits der Pyrenäen.

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