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Wortwechsel | Beitrag vom 27.12.2019

Angst vor dem AbstiegWas ist dran an der Krise der Mittelschicht?

Moderation: Annette Riedel

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Menschen stehen und warten auf einer Rolltreppe am Stachus in München. (imago/ Thomas Koehler)
Die Hoffnung auf den Aufstieg treibt die Mittelschicht an. (imago/ Thomas Koehler)

Zur Mittelschicht gehört in Deutschland rund jeder zweite Haushalt. Wie es diesen Millionen Menschen geht, wirtschaftlich und gefühlsmäßig, ist also relevant für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Wirtschaft und die Politik.

Seit den Wahlerfolgen der AfD stellt sich die Frage: Wer sind diese Protestwähler, was bewegt sie? Besteht zwischen der Befindlichkeit der Mittelschicht und dem Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland ein Zusammenhang?

Sicher ist: Die Mittelschicht hat politisch die Nase vorn, denn zu ihr zählt mehr als die Hälfte der fast 83 Millionen Deutschen. Wer dazu gehört, das bestimmt zunächst die Höhe des Einkommens: So zählt beispielsweise ein alleinstehender Verdiener dazu, der zwischen 1120 und 3740 Euro pro Monat ausgeben kann.

Aufstieg ist ihr Lebenselixier

Aber die Mittelschicht zeichnet sich auch durch gemeinsame Werte aus. Zu ihrem Lebenselixier gehört der Aufstieg. Mehr Geld und mehr Status – das treibt sie an und macht sie zu Leistungsträgern der Gesellschaft. In der Vergangenheit bot vor allem der öffentliche Sektor Karrieremöglichkeiten für die Mittelschicht. Wer sich anstrengte, wurde Lehrer oder Polizist mit angenehmem Wohlstand und gesichertem Einkommen im Alter. Aber dieser traditionelle Wohlfahrtsstaat ist ins Wanken geraten.

Mittelschicht verspürt Abstiegsängste

Die öffentlichen Kassen sind leer und die Sparmaßnahmen rigide. Gepaart mit der Globalisierung führt das zu Ängsten, aber auch zu finanziellen Konsequenzen. Minijobs, Teilzeitverträgen, Leiharbeit und befristeten Stellen einerseits, mehr private Ausgaben für die eigene Gesundheit und die Altersvorsorge andererseits lassen den finanziellen Spielraum der Mittelschicht schrumpfen. Soziale Absicherung ein Leben lang – das wird zum Wunschtraum, während andere von der globalisierten Digitalwelt profitieren. Das macht unzufrieden und führt zu Wut.

Wer sind die heutigen Verlierer, wer die Gewinner der Mittelschicht? Wie wichtig ist ihr Sicherheit, welche Ängste bewegen sie? Was erwartet die Mitte unserer Gesellschaft von den politischen Eliten? Welche Rolle nimmt die Mittelschicht in einer aktiven Zivilgesellschaft ein?

Im "Wortwechsel" diskutieren:

Judith Niehues, Leiterin der Forschungsgruppe Mikrodaten und Methodenentwicklung beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Daniel Goffart, Chefkorrespondent Hauptstadtredaktion Focus Magazin 
Steffen Mau, Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
Paul Nolte, Publizist und Historiker für Neuere Geschichte / Zeitgeschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin

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