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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.12.2017

Angst vor AttentatenZwischen Daueralarm und Sorglosigkeit

Werner Greve im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Ein Polizeifahrzeug fährt am 01.12.2017 auf einer Straße an einen Weihnachtsmarkt in der Innenstadt von Potsdam (Brandenburg). An dem Markt haben Bombenentschärfer am Freitag ein verdächtiges Paket unschädlich gemacht. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Bombenalarm auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Seit in der Nähe des Potsdamer Weihnachtsmarkts ein verdächtiges Paket aufgetaucht ist, ist die Terrorangst wieder da. Zu Recht? Ein Gefühl für Gefahr sei gut, sagt der Psychologe Werner Greve. Doch ein gewisser Verdrängungsmechanismus sei ebenso wichtig.

Ein unbekanntes Paket auf einem Weihnachtsmarkt. Eine Bombe? Es handelte sich, wie man mittlerweile weiß, um einen Erpressungsversuch gegen den Paketzusteller DHL. Aber wir sind durch zahlreiche schlimme und tödliche Ereignisse in der Vergangenheit  konditioniert, sofort an islamistische Bombenattentate – an den worst case -  zu denken.

Kann das auf Dauer gesund sein – immer auf der Hut, immer in Sorge vor dem Schlimmsten?

Ist ständige Angst auf Dauer gesund?

Gefühlte Gefahren seien gar nicht so schlecht, meint Werner Greve, Professor für Psychologie an der Universität Hildesheim. Denn: "Diejenigen unserer Vorfahren, die sich vor gar nichts gefürchtet haben, wurden von niemandem Vorfahren." Als Gefahrensensor sei Angst deshalb gut zu gebrauchen.

Allerdings greife in unserer im allgemeinen sehr sicheren Gesellschaft ein gesunder Verdrängungsmechanismus, der uns nicht fortwährend an mögliche Gefahren auf Weihnachtsmärkten denken ließe. Hinzu komme ein "Jetzt erst recht"-Gefühl – auch dies diene dazu, Angst als Waffe zu entschärfen.

Sich vor lauter Angst "einzuigeln", sein jedenfalls keine Lösung. Über seine Ängste zu reden dagegen schon.

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