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Im Gespräch | Beitrag vom 12.09.2020

Anglizismen, Emojis, GendersternchenSprachvielfalt oder Sprachverfall?

Moderation: Vladimir Balzer

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Auf einer Ausgabe des Duden formen Buchstaben das Wort Gender mit einem Gendersternchen am Ende. (Imago Images)
Wie viel Einfluss verträgt die deutsche Sprache? (Imago Images)

Lockdown, Shishabar, Gendersternchen – 3000 neue Wörter hat der Duden in seine aktuelle Auflage aufgenommen. Für die einen ist es Ausdruck des Sprachreichtums, für andere des Sprachverfalls. Diskutieren Sie mit uns am "Tag der deutschen Sprache".

Wir holen uns im Coffeeshop einen Latte macchiato, erledigen den Download der neuesten Songs auf unserem Smartphone. Auf WhatsApp verabreden wir uns zum Shoppen mit Freunden – gern garniert durch einen Smiley oder ein anderes Emoji.

Anglizismen und die bunten Online-Bildchen begleiten uns durch den Tag. Es fließen auch ständig neue Wörter in unseren Sprachschatz ein, jüngst zum Beispiel durch die Coronapandemie. Wer sprach schon vorher von Lockdown, Reproduktionszahlen oder Social Distancing? Alle drei Begriffe finden sich im neuen Duden, der im vergangenen Monat herausgekommen ist.

Wie viel Einfluss verträgt die deutsche Sprache? Wie viel Bereicherung von außen benötigt sie, um lebendig zu bleiben? Und was macht eine lebendige Sprache aus?

Sprache bestimmt Weltbilder

"Ich verstehe Sprache als eine große Schatzkiste, in der sehr viel menschliches Wissen abgespeichert ist", sagt die Schriftstellerin Ulrike Draesner. "Sprachen verändern sich, sie sind immer in Bewegung. Sprache ist wie ein riesengroßes, sich wandelndes Wesen." Einflüsse von außen führten nicht zu Sprachverfall. "Die deutsche Sprache wird auch nicht untergehen, wenn wir `downloaden´ sagen."

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Die Lyrikerin ist eine Verfechterin des Gendersternchens. "Der Streit erinnert mich an die Diskussion um die Rechtschreibreform – das sind Gewohnheiten." Wir hätten uns gesellschaftlich auf die männlich dominierten Sprachformen geeinigt, das könne man auch ändern.

"Ich bin überzeugt, dass Sprache die Welt verändert und dass Sprache auch Weltbilder bestimmt."

"Ich bin Sprachoptimist"

"Nicht nur Kleider machen Leute, sondern auch die Wortwahl", sagt Murtaza Akbar, Geschäftsführer einer Neu-Isenburger Kommunikationsagentur, die er ausgerechnet "Wortwahl" genannt hat.

"Die Kraft und die Macht der Worte werden maßlos unterschätzt." Man könne mit Sprache wertschätzen, aber auch verletzen. Sprache könne manipulativ eingesetzt werden und auch als Waffe. Das vermittelt er in seinen Seminaren nicht nur Vorständen von Dax-Unternehmen, sondern auch Auszubildenden.

Seine Maxime: "Ich bin kein Sprachbewahrer und kein Sprachhüter – ich bin Sprachoptimist. Unsere Sprache ist so groß, im Duden allein stehen 135.000 Stichwörter. Wir nutzen viel zu wenig davon. Und das ist meine Mission: Nutzt die Sprache, der deutsche Wortschatz ist ein Traum!"

Anglizismen, Emojis, Gendersternchen – Sprachvielfalt oder Sprachverfall?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit der Schriftstellerin Ulrike Draesner und dem Kommunikationsexperten Murtaza Akbar. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

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