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Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.01.2021

Analyse der Inauguration BidensEin Programm für alle Amerikaner

Marion Müller und Falk Richter im Gespräch mit Britta Bürger

Lady Gaga bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden (picture alliance /  AP Photo / Andrew Harnik)
Ein Zeichen, dass die Vielfalt der US-Gesellschaft künftig wieder im Fokus stehen soll: Lady Gaga singt die Nationalhymne bei Bidens Inauguration. (picture alliance / AP Photo / Andrew Harnik)

Die USA haben einen neuen Präsidenten. Joe Bidens Start nennt die Politologin Marion Müller würdevoll. Der Theatermacher Falk Richter betont Bidens Absicht, der Präsident aller Amerikaner zu sein und die Folgen von Hass und Hetze zu heilen.

Der Beginn von Joe Bidens Präsidentschaft ist nach Ansicht der Politologin Marion Müller rundum gelungen. Die Zeremonie zur Amtseinführung sei eine der würdevollsten gewesen, die sie je bei der Inauguration eines Präsidenten miterlebt habe, so Müller. Die Deutsch-Amerikanerin ist in den USA geboren und Professorin für Medienwissenschaften an der Universität Trier.

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Der Druck zuvor sei enorm gewesen, sagt Müller: "Das ist so ähnlich wie im Theater auch: Wenn die Premiere versagt, dann ist das ein sehr schlechtes Omen für die restliche Amtszeit von Biden. Und ich würde sagen, das ist sehr gut gelungen."

Die Erwartungen an Bidens Rede, in der Präsidenten in der Regel das Programm für ihre Amtszeit skizzieren, seien sehr hoch gewesen. Der eigentliche Erfolg und das historische Moment sei die Wiederholung und das Erfüllen des Versprechens gewesen, einen Zustand wiederherzustellen, der als ur-amerikanisch gilt:

"Nämlich die Zusammenführung und die Zusammenarbeit aller Regierungsgewalten: der Exekutive, Legislative und der Judikative, die alle präsent sind. Und dass dieses Ritual trotz der Obstruktion des ehemaligen Präsidenten reibungslos funktioniert."

Überwindung von Spaltung und Hass

Für Falk Richter hatte die Rede auch noch andere Schlüsselmomente: Biden habe sich ganz klar gegen Spaltung, Hass und Rassismus ausgesprochen. Richter ist Theatermacher und hat auch in den USA gelebt: "Er hat sich als eine Art Heiler nach Trump inszeniert oder gezeigt - und das war wichtig."

Bidens Haltung sei auch durch das Beiprogramm der Zeremonie deutlich geworden, bei dem Lady Gaga, Ikone der queeren Community, die Nationalhymne gesungen habe. Als Zeichen der Vielfalt seien dann auch noch Jennifer Lopez für die Latinos, der Country-Musiker Garth Brooks als Vertreter der konservativen Amerikaner und die schwarze Lyrikerin Amanda Gorman aufgetreten:

"Er hat sich bemüht, sehr inklusiv zu wirken und zu zeigen, dass er der Präsident ist, der alle Teile Amerikas zusammenbringen will und nicht Hetze, Hass, Spaltung, Rassismus, White Supremacy als Politik fahren will - wie Donald Trump das jahrelang gemacht hat."

Ergreifend sei auch die Vereidigung der Vizepräsidentin Kamal Harris gewesen, so Richter: "Das war der Moment, bei dem man gesehen hat: Es kann auch eine Frau und eine Woman-of-Color Vice-President werden."

Alle gehören dazu

Das habe allen Menschen, die unter Trump gelitten hätten und in seiner Amtszeit verfolgt und benachteiligt worden seien, gezeigt, dass sie wieder dazugehörten.

Und auch der Beitrag der jungen Lyrikerin Amanda Gorman habe Symbolcharakter gehabt, sagt Marion Müller. Denn auch sie habe – wie Biden – das Stottern überwunden:

"Daran sieht man, was für eine maximale Inklusion der neue amerikanische Präsident erzielen wollte." Er habe möglichst vielen Gruppen signalisieren wollen: "Ich bin auch euer Präsident", betont die Politologin. "Und wieder denke ich, das ist sehr gut gelungen."

(mle)

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