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Fazit | Beitrag vom 07.10.2019

Amman Design Week in JordanienMit Tradition in die Moderne

Von Cornelia Wegerhoff

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Die jordanische Königin Rania (m.) bei ihrem Besuch beim deutsch-jordanischen Design-Projekt (Goethe-Institut / Farras Ouran)
Die jordanische Königin Rania (M.) bei ihrem Besuch beim deutsch-jordanischen Design-Projekt, links neben ihr steht Möbel-Designer Yacob Sughair. (Goethe-Institut / Farras Ouran)

In Jordanien findet noch bis zum 12. Oktober die Amman Design Week statt, ein Branchentreffpunkt der Kreativen aus dem gesamten Nahen Osten - und mit königlichem Zuspruch. Königin Rania setzt sich für die Wirtschaftsförderung der Branche ein.

Wochenlang hat Designer Yacob Sughair an den Entwürfen gefeilt. Jetzt geht seine Idee in Serie:

"Hier wird gerade ein Tisch aus meiner neuen Kollektion hergestellt. Nach dem Zuschnitt werden die einzelnen Elemente zusammengesetzt, geklebt und verzapft."

Yacob Sughair steht in seiner eigenen Schreinerei. Jordanisches Design soll jordanische Arbeitsplätze schaffen, so seine Devise. Und auch seine aktuelle Kollektion zeigt, dass er sich mit seiner Heimat verbunden fühlt. Die anthrazitfarbenen Hochglanz-Tische zum Beispiel sind in sachlich wirkenden, klaren Linien zugeschnitten, aber die Tischplatten sind verziert mit uralten orientalischen Mustern.

"Diese Einrichtungsstücke erinnern an die Epoche der Sassaniden, ein persisches Großreich des Altertums aus der Zeit etwa zwischen 250 bis 600 nach Christus. Ich habe dekorative Elemente verwendet, mit denen sie damals ihre Teppiche gewebt haben. Dieses Design soll eine Brücke zu unserem kulturellen Erbe schlagen, zu den Menschen, die in den Wüsten und kleinen Dörfern im Nahen Osten leben."

Pop-Up-Ausstellung des Goethe-Instituts

Teile seiner Kollektion präsentiert Yacob Sughair jetzt auch auf der Amman Design Week: in einer Pop-Up-Ausstellung des Goethe-Instituts. Das deutsche Kulturinstitut will nämlich zusammen mit der Amman Design Week die noch junge jordanische Kreativwirtschaft unterstützen, mit "Takween".

"Takween" heißt kreieren, erschaffen, entwickeln. Das erklärt Laura Hartz, die Direktorin des Goethe-Instituts in Amman. Sie besucht gerade den Co-Working-Space, einem Arbeitsplatz, der im Frühjahr in der Nähe der Altstadt von Amman eröffnet wurde. Hier werden Designer gezielt gefördert:

"Zum einen durch ein intensives Lernprogramm, aber eben auch durch diesen kreativen Space, indem wir uns jetzt hier befinden, ein Ort, der ein Netzwerk-Ort werden soll für die verschiedenen Interesse und Bedarfe der Design-Industrie."

Business-Plan für wirtschaftlichen Erfolg

Im Konferenzraum hängen die Wände voller Skizzen und Notizen. 15 Designerinnen und Designer nehmen hier gerade an einem Qualifizierungsprogramm teil. Sie sollen nicht nur bei ihrer künstlerischen Arbeit gefördert werden, sondern zum Beispiel auch einen Business-Plan erstellen, um wirtschaftlich erfolgreich zu werden. Vier Jordanierinnen und Jordanier haben sogar ein Residenzstipendim bekommen, darunter auch der Möbeldesigner Yacob Sughair.

Mit 48 ist er zwar der älteste in der Runde, aber der Austausch mit den jungen Kolleginnen und Kollegen bringe auch seine Arbeit voran, erklärt er.

"Ein Teil von Takween zu sein, gibt mir eine neue Perspektive für meine Arbeit. Vor allem dadurch, dass wir ein Netzwerk aufbauen."

Pop-Up-Exhibition des GI auf der Amman Design Week. (Goethe-Institut)Das Goethe-Institut will zusammen mit der Amman Design Week die noch junge jordanische Kreativwirtschaft unterstützen, mit "Takween". (Goethe-Institut)

Zu diesem Netzwerk gehört in Jordanien sogar die Landesmutter persönlich. Königin Rania ist Schirmherrin der Amman Design Week und engagiert sich das ganze Jahr über für jordanische Designprojekte. Vor zwei Wochen war sie zu Gast bei "Takween". Dabei stellte auch Zeid Hijazi der Königin seine Entwürfe vor. Der 22-Jährige ist Modedesigner, hat bereits in London studiert, ist aber nach Amman zurückgekommen. Er will zwar international sein, möchte aber ebenfalls seine kulturelle Identität einbringen:

"Ich denke, wir sollten stolz auf unser Erbe sein, aber wir sollten es nehmen und damit spielen. Ich hab mich zum Beispiel mit der Beduinenkleidung beschäftigt. Die haben solche weiten Jacken. Manchmal denke ich, die Beduinen würden am liebsten dieser modernen Welt entfliehen. Bei meinen letzten Entwürfen habe ich deshalb Raumanzüge und Beduinenkleidung kombiniert."

Schuhe als Zukunftsperspektive

Bodenständiger - im wahrsten Sinne des Wortes - sind da die Schuhe, die Farah Ajlouni, ebenfalls Stipendiatin des deutsch-jordanischen "Takween"-Projektes, auf den Markt gebracht hat. Dabei ist sie Journalistin, nicht Designerin.

"Durch meine Arbeit als Journalistin bin ich oft in den Flüchtlingslagern hier in Jordanien, um über die Lage dort zu berichten. Dabei habe ich festgestellt, dass viele dieser Menschen, die dort leben müssen, große Begabungen haben, aber nicht wissen, wie sie diese nutzen können, um damit Geld zu verdienen. Ich wollte dabei helfen, eine Plattform zu schaffen, über die sie ihre Schuhe verkaufen können."

Schon die erste Kollektion war ein Erfolg: farbenfrohe, leichte Slipper mit traditionellen Stickereien der syrischen Flüchtlingsfrauen.

"Wir hatten mehr Nachfrage als Ware. Wir haben gerade die neue Kollektion herausgebracht, die Qualität wird immer anspruchsvoller. Die Erfahrungen, die ich bei Takween mache, helfen uns jetzt dabei, mit größeren Mengen umzugehen und wir lernen, wie wir noch bessere Netzwerke schaffen können."

Noch bis zum 12. Oktober zum Beispiel, zusammen mit dem Goethe-Institut bei der Amman Design Week.

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