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Buchkritik | Beitrag vom 14.01.2020

Amitav Ghosh: "Die Inseln"Mystische Reise in die Gegenwart

Von Johannes Kaiser

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Eine Königskobra windet sich verschlungen über das Cover des Buches "Die Inseln" von Amitav Ghosh. (Karl Blessing Verlag/Collage: Deutschlandradio)
Archivar Deen kämpft in Amitav Goshs "Die Inseln" mit Mystik, Rätseln - und einer Königskobra. (Karl Blessing Verlag/Collage: Deutschlandradio)

Antiquar Deen Datta sucht in den indischen Sunderbans nach einem mysteriösen Schrein. Die Inschriften geben ihm Rätsel auf - und führen ihn geradewegs in die Gegenwart. Amitav Gosh zeigt auch mit "Die Inseln" sein großes Recherche- und Unterhaltungstalent.

Deen Datta ist Antiquar in Brooklyn und verkauft online seltene Bücher. Wenn es in New York bitterkalt wird, flieht er in seine Heimatstadt Kalkutta. Bei seinem aktuellen Besuch trifft Deen Datta eine alte Bekannte, die eine wichtige Wohltätigkeitsorganisation gegründet hat. Sie bittet ihn, nach einem Schrein in den Sundarbans zu suchen, dem riesigen Gangesdelta mit zahllosen kleinen Inseln - daher auch der Titel von Amitav Goshs Roman "Die Inseln".

Mit Hilfe des Fischersohns Rafi und des IT-Cracks Tipu findet Datta schließlich den Schrein. Tipu wird unvermittelt von einer Königskobra gebissen. In einer dramatischen Aktion gelingt es, ihn zu retten.

Archivar Deen erlebt unerklärliche Phänomene

Aufgeschreckt geht Deen nun auf die Suche nach Erklärungen für die Symbole und Inschriften im Schrein. Dabei hilft ihm Cinta, eine italienische Freundin, Historikerin und Spezialistin für die Geschichte Venedigs. Deen kommt einer uralten Geschichte aus dem Mittelalter auf die Spur, die nach Venedig führt.

Die Suche des Archivars wird von merkwürdigen Zufällen begleitet. Er sieht Schlangen aus dem Himmel fallen, entgeht knapp tödlichen Bedrohungen durch Tiere, die an den Orten, an denen er sich aufhält, eigentlich nicht vorkommen dürften. Die sich häufenden bedrohlichen Vorfälle jagen ihm Angst ein.

Amitav Ghosh lässt bis zum Ende des Buches offen, ob dies nur Zufälle sind. Das gibt dem Roman einen Hauch Irreales, ein typisch indisches Phänomen, das Softwareentwicklung und Götterverehrung problemlos miteinander verbindet.

Historiker Amitav Ghosh auf Rechercheschnitzeljagd

Der Schriftsteller, selbst Historiker, ist ein begnadeter Rechercheur, wie seine vorherigen historischen Romane bewiesen haben. So macht es Spaß, seiner Spurensuche und deren Entschlüsselung zu folgen, bis alle Schreinrätsel gelöst sind. Der Roman ist ein Musterbeispiel dafür, wie aufregend eine historische Rechercheschnitzeljagd sein kann.

Der Roman, vom Archivar selbst erzählt, folgt abwechselnd den Spuren seiner Protagonisten. Von ihm erfahren wir, wie sie alle, jeder auf seine Weise, zur Lösung des Geheimnisses der Schlangengöttin beitragen.

In Rückblicken erfahren wir von den Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung auf das Meeresleben in den Sundarbans und von den Flüchtlingsschicksalen heute. Ein spannender Abenteuerroman vor historischem Hintergrund mit aktuellen Bezügen und etwas Mystikzauber.

Amitav Gosh: "Die Inseln"
Aus dem Englischen von Barbara Heller und Rudolf Hermstein
Blessing Verlag, München 2019
368 Seiten, 22 Euro

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