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Interview | Beitrag vom 15.07.2020

Amerikanistin über die Zusammenarbeit von NASA und Hollywood"Ideologisch durchtränkt"

Alexandra Ganser im Gespräch mit Dieter Kassel

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Anne Hathaway und Wes Bently in 'INTERSTELLAR', beide tragen Raumfahrtausrüstung. (imago / Cinema Publishers Collection / Melinda Sue Gordon)
Die NASA war stark in die Produktion des Films "Interstellar" involviert, sagt Alexandra Ganser. (imago / Cinema Publishers Collection / Melinda Sue Gordon)

Schon seit Jahrzehnten arbeitet Hollywood mit der NASA zusammen. Gemeinsam wird am Mythos Raumfahrt gestrickt - und ein kolonial geprägter Pioniertypus beschworen, der sich durch die gesamte US-Geschichte zieht.

Wenn in Hollywood Science-Fiction-Filme produziert werden, greifen die Filmfirmen gern auf wissenschaftliche Beratung durch die NASA zurück. Zum Beispiel bei "Interstellar" von 2014, in dem ein Team von Wissenschaftlern und Pionieren verzweifelt versucht, einen Planeten zu finden, auf dem die Menschheit überleben kann.

Dieser Film, der als "Hard Science Fiction" gelobt wurde - also als auf tatsächlichen Forschungsergebnissen basierend - hat die Amerikanistin Alexandra Ganser dazu veranlasst, sich näher mit den Verflechtungen zwischen Hollywood und der NASA zu beschäftigen.

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Die NASA sei stark in die Produktion von "Interstellar" involviert gewesen, sagt Ganser: "Es gab einen technische Berater, und vice versa hat die NASA diesen Film auf ihrer Website promotet und verschieden Apps eingerichtet."

Wernher von Braun kooperierte mit Disney

Neu sei diese Art von Kooperation nicht, betont die Amerikanistin, die an der Universität Wien lehrt. Schon Wernher von Braun habe beispielsweise vor Jahrzehnten mit Disney zusammengearbeitet.

"Da gab es in den frühen Sechzigern sogenannte Lehrfilme, die dann alle amerikanischen Kinder sehen konnten oder sehen sollten. Dort findet man schon die ganz enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Filmproduktion."

Für die NASA sind solche Kooperationen durchaus lohnenswert, meint Ganser. "Das Ganze fließt wieder zurück, indem dann vor allem Jugendliche und Kinder für die Raumfahrt begeistert werden." Je mehr Weltraum-Fans, umso einfacher ist es, die Kosten der Raumfahrt zu legitimieren.

Die Zukunft als Deckmantel

Science-Fiction-Filme als Propaganda-Instrument der NASA zu begreifen, geht der Amerikanistin zu weit. Doch auf jeden Fall sei "das Ganze ideologisch durchtränkt und hat auch ein gewisses Ziel". Dabei würden US-amerikanische Mythen und auch ein kolonial geprägter Pioniertypus fortgeschrieben - "und dann aber unter dem Deckmantel der Zukunft der Menschheit verkauft".

(uko)

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