Amateurfußball in der Pandemie

    Hoffnung auf die Rückkehr zum Spielbetrieb

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    Blick auf ein leeres Fussballfeld, durch ein zusammengerafftes und mit einem Schloss versehenes Tornetz.
    Keine Kicker beim Training: Der Fußball im Amateurbereich findet seit Monaten nicht mehr statt. © picture alliance / Eibner-Pressefoto / Koehler
    Von Heinz Schindler · 11.04.2021
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    Der Amateurfußball leidet unter den Coronamaßnahmen. Dass die Vereine an die Sportverbände Beiträge abführen sollen, sorgt für Unmut, denn finanziell sieht es momentan schlecht aus. Ein offener Brief brachte die Sorgen auf den Punkt.
    Der Spielbetrieb ruht beim Bezirksligisten VfB Günnigfeld aus Bochum-Wattenscheid, das Training der unter 14-Jährigen ist erneut eingestellt worden. Und dann kommt noch eine Nachricht vom Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen wegen des Einzugs der Beiträge, die die Vereine an ihn entrichten müssen. Im Fall des Achtligisten knapp 1.000 Euro. Vorsitzender Frank Scheffler machte sich in einem offenen Brief Luft:
    "Ist das Ignoranz oder was steckt dahinter? Gewiss nicht die Unterstützung des Amateurfußballs", schrieb Scheffler. Die Resonanz war groß, viele Vereine fanden sich in diesen Worten wieder.

    Gefahr für Gemeinnützigkeit

    Der Landesverband reagierte prompt. Präsident Gundolf Walaschewski entschuldigte sich in einem ebenso offenen Brief für die so wörtlich "nicht sehr sensible Art". Und weiter: "Dass wir mit unserem Vorgehen Ihre Motivation angegriffen haben könnten, tut mir außerordentlich leid."
    Der Verband bietet nun Ratenzahlungen und Stundungen an. Auf die Beiträge verzichten kann er nicht, obwohl die Saison schon lange ruht und auch kaum wiederaufgenommen wird. Denn Fußballlandesverbände sind juristisch eingetragene Vereine und würden ihre Gemeinnützigkeit gefährden, würden sie ihren Mitgliedern die Beiträge erlassen.
    Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen mit einer schwarzen Schutzmaske.
    Nach einem offenen Brief hat sich Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, entschuldigt.© imago / Dünhölter SportPresseFoto
    Dasselbe gilt natürlich auch für jeden einzelnen Fußballverein gegenüber seinen Mitgliedern, erklärt Eckhardt Böhm, Kassierer beim TuS Henrichenburg aus dem Fußballkreis Recklinghausen.
    Um Beitragshöhen zu ändern, braucht es eine Mitgliederversammlung, die in Coronazeiten nicht einberufen werden kann. Wer also als Mitglied in Kategorien von Beitrag und Gegenleistung denkt, dem bleibt nur der Austritt. Mitgliedsbeiträge sind ein Ausdruck der Solidarität, und so zahlt auch der Kreisligist in Henrichenburg seinen Beitrag an den Verband.

    Absprachen mit Sponsoren

    Etwas anderes ist es bei den Nutzungsgebühren für die städtische Sportanlage, die man von der Stadt Castrop-Rauxel erlassen bekommt. Ähnlich verfährt der Verein wiederum mit seinen Sponsoren.
    "Wir nehmen eine Zusage, die pandemiebedingt nicht mehr eingehalten werden kann, nicht zum Anlass zu sagen: Interessiert uns nicht, gib uns trotzdem die Kohle", sagt Böhm. "Wir sagen: Okay, treffen wir uns später noch mal wieder, wenn es uns allen wieder besser geht."
    So handhaben es viele Amateurvereine. Denn im überschaubaren Umfeld kennt man sich und pflegt Fair Play in schwierigen Zeiten. Ob nun in Henrichenburg oder in Günnigfeld. Wie überall hoffen sie auf die neue Saison und eine Rückkehr zum gewohnten Vereinsleben.
    Doch schon heute zeigt sich: Wer solide gewirtschaftet hat, hat eine größere Chance die Zeit zu überstehen. Und wenn manche Mitglieder ihr Anspruchsdenken durch Gemeinsinn ersetzen, wäre das mal eine angenehme Nebenwirkung der Coronazeit.
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