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Thema / Archiv | Beitrag vom 17.04.2007

Altes aus Mittelerde

J.R.R. Tolkiens "Die Kinder Húrins"

Von Walter Bohnacker

Der britische Autor J.R.R. Tolkien im Jahr 1967 (AP)
Der britische Autor J.R.R. Tolkien im Jahr 1967 (AP)

Was der Vater liegen ließ, hat der Sohn jetzt zu Ende geführt. Nach jahrzehntelanger Arbeit vollendete Christopher Tolkien eines der wichtigsten Projekte seines Vaters, des Oxforder Fantasy-Spezialisten J.R.R. Tolkien (1892-1973): die eigenständige Buchausgabe der Abenteuer Túrins im Kampf gegen die Macht des bösen Morgoth. Tolkien-Senior hatte die im Ersten Zeitalter von Mittelerde spielende Geschichte bereits 1918 begonnen, später jedoch aufgegeben. Aus einem riesigen Handschriften- und Notizenkonvolut stellte der Junior die Erzählungen zu einer Leseausgabe neu zusammen - und ergänzte sie "entsprechend dem Vermächtnis seines Vaters".

J.R.R. Tolkiens größter Wunsch war es, seine 1918 begonnene und immer wieder unterbrochene Saga von den Húrin-Kindern als Einzelband und geschlossenen Lesetext veröffentlicht zu sehen. Dieses Ende aber hat der Mythen- und Weltenschöpfer aus Oxford nicht mehr erlebt. Christopher Tolkien, dritter Sohn und Nachlassverwalter des Baumeisters der Mittelerde, hat jetzt aufgeräumt und die Húrin-Bausteine erstmals zusammengefügt. Zu einem harmonischen, schlüssigen Ganzen, wie man uns versichert.

In den "Ältesten Tagen" spielen die Abenteuer von Húrin und seinen Kindern: im "Ersten Zeitalter von Mittelerde", also noch lange vor der "Herr der Ringe"-Trilogie. Auch die Hobbits lagen da noch in ferner Zukunft.

Erzählt wird die Geschichte von Húrin und seinem Kampf gegen den bösen Morgoth, dessen Macht sich immer weiter nach Beleriand ausbreitet. Der Drache Glaurung und Horden von Orks bedrohen seine Bewohner. Während Húrin von Morgoth gefangen gehalten wird, ergreift sein tapferer Sohn Túrin das Schwert und zieht in die Schlacht gegen das Böse. Wie die ausgeht, kann man sich vorstellen. Nur so viel: Ohne edles, grandioses Scheitern geht's diesmal nicht ab.

Was hier den eingefleischten Tolkien-Fans und allen, die es vielleicht noch werden wollen, präsentiert wird, sind tatsächlich zwei Tolkiens, wieder mal. Schon den anderen Großbaustein in Tolkiens England-Mythologie, "Das Silmarillion" von 1977, hatte Tolkien jr. postum ediert. Und wer genau nachliest, stößt auch dort auf Spuren der Hurín-Erzählungen. Aber wo im Gesamtwerk gibt es die nicht?

Der Filius gab sich alle Mühe, uns die fantastische Zeit-Rückreise so angenehm wie möglich zu machen. Er hat versucht, das Kaleidoskop der Figuren und komplizierten Handlungsstränge zu einer lesbaren Einheit zusammenzuführen. Aber: Das muss schon ein ausgesprochener Tolkien-Experte sein, der in der Neuordnung der verschiedenen Textfassungen die gekitteten Risse in den Blöcken erkennt.

Wer sich mit dem Zugang zum großen Tolkien-Haus schwer tut oder zum ersten Mal vor dem Mythen-komplex steht, müsste ganz zurück zu den Quellen. Nur dort würde man erfahren, wie der tote Dichter sich "Die Kinder Húrins" wirklich gewünscht hat und ob diese Nachlieferung tatsächlich seinem Vermächtnis entspricht.

Tollkühn wäre es, hier den Ur-Tolkien zu vermuten. Ein wirklich spannender "Big Bang" ist das Werk leider auch nicht. Und außerdem: Gegen Harry Potter, den Siebten - er kommt im Juli - werden Tolkiens "Kinder" sowieso kaum eine Chance haben. Wären sie doch nur schon früher erschienen.

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