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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 26.09.2015

Alternsforscher Björn SchumacherWarum altern wir?

Moderation: Klaus Pokatzky

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Zwei Senioren sitzen an einem kleinen Teich. (picture alliance / dpa-ZB / Soeren Stache)
Ist das Älterwerden unvermeidlich? (picture alliance / dpa-ZB / Soeren Stache)

Warum werden manche Menschen 95 Jahre, obwohl sie rauchen? Warum leben Frauen länger als Männer? Warum altern wir überhaupt? Unser Gast berichtet über die größten Rätsel des Älterwerdens – und wie wir gesünder alt werden.

Wir werden immer älter. Bereits heute sind 30 Prozent aller Bundesbürger über 60 Jahre, 4,5 Millionen sind älter als 85 Jahre – Tendenz steigend. Die meisten wollen auch gerne alt werden; alt sein ist dagegen weniger attraktiv, zu oft ist es mit Krankheiten und anderen Beschwernissen verbunden.

Wie können wir gesünder alt werden und bleiben?
Warum altern wir überhaupt?
Welches sind die größten Geheimnisse des Alterns?

"Nur wenn wir den Alterungsprozess verstehen, wird es uns gelingen, Alterskrankheiten wirksam zu verhindern und ein gesundes Altern zu ermöglichen", sagt Prof. Dr. Björn Schumacher. Der Alternsforscher ist geschäftsführender Direktor des CECAD Forschungszentrums in Köln. Dort erforschen internationale Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen das Altern und die Krankheiten, die damit verbunden sind – wie Krebs, Demenz, Herzerkrankungen oder Diabetes. Ihr gemeinsames Ziel: "Die einzige Chance ist, diese Krankheiten zu verhindern, anstatt sie zu therapieren."

Noch gibt das Altern große Rätsel auf: Warum werden manche Menschen 95 – obwohl sie rauchen? Andere leben vorbildlich und sterben mit 40. Warum leben Frauen länger als Männer? Diesen Fragen geht Björn Schumacher auch in seinem aktuellen populärwissenschaftlichen Buch nach, sein Titel: "Das Geheimnis des Alterns", erschienen im Blessing-Verlag.

Schäden im Erbgut lassen uns altern

"Menschen altern vor allem deshalb, weil sich Schäden in ihrem Erbgut anhäufen", erklärt der Biologe. Deshalb setzt er große Hoffnungen in die Genforschung: "Wir wissen heute, welche Gene unsere Lebensdauer begrenzen, und auch, warum die Fehlfunktion eines einzelnen winzigen Proteins eine Krankheit wie Alzheimer auslöst."

Seine Mahnung: "Vor 150 Jahren lag die Lebenserwartung bei circa 30 Jahren, sie hat sich heute verdoppelt – ohne, dass sich unsere Gene verändert haben. Wie wir altern hängt davon ab, wie wir vorher gelebt haben – und wir können sehr viel machen: Wir können versuchen, uns gesund zu ernähren, uns zu bewegen – und dadurch die Risikofaktoren zum Beispiel für Bluthochdruck und Herzerkrankungen zu senken."

Enormer Wissenszuwachs

Eine "Wunderpille", die ewiges Leben ohne Leid und Krankheiten ermöglicht, werde es auf absehbare Zeit nicht geben, aber der medizinische Fortschritt sei enorm:

"Wir wissen erst seit 20 Jahren, dass es Gene gibt, die das Altern bestimmen – und wir haben einen solchen Wissenszuwachs, dass es wirklich dazu kommen kann, dass wir Krankheiten besiegen können, dass wir alternsbedingten Erkrankungen wirksam vorbeugen können. Aber es ist nichts garantiert; es erfordert sehr viele Anstrengungen und sehr viele Investitionen. Aber wir können es schaffen, dass wir eine gesund alternde Gesellschaft werden."


 

Die Geheimnisse des Alterns – darüber diskutiert Klaus Pokatzky heute von 9:05 Uhr bis 11:00 Uhr mit Björn Schumacher. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de und auf Facebook und Twitter.

Informationen über Björn Schumacher: http://schumacher.cecad-labs.uni-koeln.de/Home.66.0.html

Literaturhinweis:

Björn Schumacher: Das Geheimnis des menschlichen Alterns. Die überraschenden Erkenntnisse der noch jungen Alternsforschung
Blessing-Verlag, München 2015
288 Seiten, 19,99 Euro

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