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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 19.09.2019

Alte und neue "Maschinenstürmer"Technologiekritiker wollen die Kontrolle zurück

Von Christian Conradi

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Das Bild zeigt eine historische Ilustration von 1812: Zwei Textilarbeiter zerstören mit Hämmern einen Webstuhl. (Picture Alliance /AP - Illustration von 1812, Künstler und Fotograf unbekannt)
Schon Anfang des 19. Jahrhunderts fühlten sich englische Textilarbeiter durch die aufkommende Maschinentechnik bedroht. (Picture Alliance /AP - Illustration von 1812, Künstler und Fotograf unbekannt)

Die Skepsis gegenüber technischen Entwicklungen ist nicht neu. Englische Arbeiter zerschlugen um 1810 sogar Maschinen in den Fabriken. Dies als Fortschrittsfeindlichkeit abzutun, greift aber viel zu kurz. Das zeigt auch die Kritik an neuen Technologien.

In den Jahren 1811 bis 1812 drangen englische Arbeiter in Fabriken ein und zerschlugen Papier-, Web-, und Spinnmaschinen. Die Zerstörung der Maschinen war ein Aufbegehren im Kampf gegen drohende Arbeitslosigkeit, gegen Lohnkürzungen und für die eigene Standesehre. Denn Handarbeit wurde durch Maschinenarbeit ersetzt – vor allem in der Textilbranche.

Historische Bewegung falsch interpretiert 

Heute halten viele diese sogenannten "Maschinenstürmer" für rückständige Technikfeinde. Und so wurde der Begriff auch oft verwendet, wenn es darum ging, eine Skepsis gegenüber technischen Entwicklungen auszudrücken. Eine Fehlinterpretation, denn der historischen Bewegung ging es gerade darum, die Kontrolle über die Technologie in ihrer Arbeits- und Lebenswelt zurückzugewinnen.

Mangelndes Verständnis von Technologien

Auch bei heutigen Entwicklungen in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Nano-, Bio- und Gentechnologie entstehen komplexe Forschungsfelder, deren Regeln, Gesetze, Gefahren und Potenziale kaum jemand versteht. Wo liegt die Grenze des Einsatzes von Technologie? Welche Bedingungen diktiert sie uns und wie gehen wir heute um mit der Kritik und den Kritikern dieser Technologien?

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