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Konzert / Archiv | Beitrag vom 08.08.2018

Alte Musik Festival PragBaskisch-Iranische Harmonien

Moderation: Volker Michael

Das Euskal Barrokensemble und Kiya Tabassian im Troja-Schloss Prag (Petra Hajská/Český rozhlas )
Das Euskal Barrokensemble und Kiya Tabassian im Troja-Schloss Prag (Petra Hajská/Český rozhlas )

Enorm weit ist der musikalische Raum, den das baskische "Euskal Barrokensemble" und der iranische Setar-Virtuose Kiya Tabassian bei ihrem Gastspiel beim Prager Alte-Musik-Festival erschlossen haben.

Was haben der rumänisch-osmanische Barockmusiker Dimitrie Cantemir, das andalusische Komponist Manuel de Falla, die iranische Langhalslaute Setar und die traditionelle Musik des Baskenlandes gemeinsam? Sie bilden die Grundlage eines Musikprogramms, das das Euskal Barrokensemble und der iranisch-kanadische Musiker Kiya Tabassian beim 19. Internationalen Musikfestival Prag auf dem Troja-Schloss gespielt haben. Und all diese so verschiedenartigen Musikstile haben am Ende ganz viel gemeinsam, wenn sie durchgehend mitreißend interpretiert werden wie von dieser baskisch-persischen Formation.

Barock und mediterrane Tradition

Traditionelle Musik des westlichen und östlichen Mittelmeerraums und Barockmusik sind sich einander erstaunlich ähnlich, nicht nur in klanglicher Hinsicht. Improvisation war auch zu Zeiten Scarlattis und Bachs noch ein ganz wichtiger Bestandteil des Musizierens, darüber haben auch die Interpreten dieses Konzertabends zusammengefunden, der in Montreal/Kanada lebende iranische Setar-Spieler Kiya Tabassian, und die vier Musiker von Euskal Barrok. Euskal ist die Eigenbezeichnung des Baskenlandes.

Jordi Savalls baskische Schüler

Aus dem Umkreis des weltbekannten Gambisten und Musikforschers Jordi Savall und seiner Escuola Superior de Música de Catalunya in Barcelona stammen die Musiker des Euskal Barrokensembles aus dem spanischen Baskenland. Sie versuchen sich mit den Mitteln der historischen Aufführungspraxis der musikalischen Tradition dieser europäischen Region zu nähern, die einerseits immer eine Brückenkultur zwischen verschiedenen Welten war und andererseits immer um ihre kulturelle Eigenständigkeit ringen musste. "Baskenland" war lange Zeit ein Synonym für gewalttätige politische Konflikte und Terrorismus. Da gibt es vom Image her eine Parallele zum Iran - bei diesem Namen denken viele Menschen an schiitischen Extremismus und Krieg. Dass die baskische wie die persische Kultur eine enorm reiche musikalische Vergangenheit haben, wollen die Interpreten beweisen, indem sie Lieder, Tänze und Musikstücke aufführen, die sowohl aus der nahöstlichen wie auch der westlichen Musikwelt stammen.

Überraschende Hörerfahrungen

So gibt es in dem Programm von Kiya Tabassian und dem Euskal Barrokensemble klassisch-persische Makamat (modale Melodien), sefardische Wiegenlieder, ein "iranisch-baskisches" (!) Volkslied, iberisch-mediterrane Barockwerke von Luiys de Narváez und Giovanni Girolamo Kapsberger, aber auch eine besondere Variante des "Danza ritual de fuego" aus Manuel de Fallas Ballett "El amor brujo". Die Hörerfahrungen bei diesem Konzert sind - gelinde gesagt - überraschend.

Der Schlagzeuger Daniel Garay vom Euskal-Barrokensemble bei einem Konzert im Troja-Schloss Prag (Petra Hajská/Český rozhlas )Der Schlagzeuger Daniel Garay vom Euskal-Barrokensemble bei einem Konzert im Troja-Schloss Prag (Petra Hajská/Český rozhlas )

Festival Mediterraneo
Schloss Troja, Prag
Aufzeichnung vom 16. Juli 2018

Traditionelle Musik aus der Cantemir-Sammlung, aus Rhodos, Griechenland, dem baskischen Raum und Persien

Kompositionen von Aga Riza, Luys de Narvaéz, G.G. Kapsberger, Gaspar Sanz und Manuel de Falla

in der Pause ca. 20.40 Uhr: "Corpus Musicae Ottomanicae" - ein Projekt zur Sammlung und Erforschung osmanischer Musikhandschriften an der Universität Münster/Westfalen, ein Beitrag von Studierenden dieser Universität Leona Lucas, Valerie Wissmann, Nina Chlebowitz und Ronja Steingräber 

Kiya Tabassian, Setar
Euskal Baroque Ensemble: 
Enrike Solinis, Barockgitarre und Leitung
Miren Zeberio, Barockvioline
Pablo Martin Caminero, Kontrabass
Daniel Garay, Perkussion

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