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Religionen | Beitrag vom 10.11.2019

Altbischof Axel Noack"Die Wiedervereinigung der Kirchen ist ganz gut gelungen"

Axel Noack im Gespräch mit Kirsten Dietrich

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Der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Axel Noack, legt am Sonntag (07.06.2009) beim Festgottesdienst im Dom "Sankt Katharina und Sankt Mauritius" in Magdeburg sein Amtskreuz ab. Der 59-Jährige wurde nach zwölf Amtsjahren in den Ruhestand verabschiedet.  (dpa-Zentralbild / Jens Wolf )
Durch Fügung auf den Weg des Glaubens: Axel Noack, hier 2009 bei seiner Verabschiedung als Bischof, gestaltete die Wiedervereinigung der Kirchen mit. (dpa-Zentralbild / Jens Wolf )

Vor bald 30 Jahren beschloss auch die evangelische Kirche, Ost und West wieder zusammmenzuführen. Die Kirchenleute unterscheiden sich kaum, sagt Altbischof Axel Noack, aber diejenigen, die keine Mitglieder sind. Und auf die komme es an.

Kirsten Dietrich: Axel Noack war evangelischer Pfarrer in der DDR, und er hat in dieser Zeit bewusst keine Dienstreisen als Ostpfarrer in die Westkirche gemacht, denn das war in seinen Augen ein zu großes Privileg, das Pfarrer von ihren Gemeinden eher trennte. Mit Axel Noack möchte ich jetzt sprechen über die Herausforderungen durch die friedliche Revolution in der DDR vor 30 Jahren und auch heute.

Herr Noack, jeder bleibt an dem Ort, an den Gott ihn gestellt hat, auch wenn das die DDR mit ihrem Versuch der Unterdrückung alles Religiösen ist. Wie sind Sie mit dieser Haltung dann an die Wiedervereinigung herangegangen?

Der Pfarrer macht das Licht aus

Axel Noack: Ziemlich positiv. Wir haben uns ja immer eingesetzt für Reisefreiheit, aber für alle Menschen, nicht nur für Pfarrer. Man konnte ja einen Antrag stellen, aber wenn man dann einfach willkürlich weggegangen ist – die Pfarrer hatten ja das Privileg in der DDR, die wurden relativ schnell rausgelassen, während andere auf ihren Ausreiseantrag jahrelang warteten, waren die Pfarrer ratzfatz schon im Westen.

Wir haben das ja auch nicht ideologisch überhöht, dass man hier lebt, wir haben einfach nur gesagt: Wir sind auf jeden Fall die Letzten. Es muss einer das Licht ausmachen, das sind wir, und solange bleiben wir. Solange eine Gemeinde hier ist, bleiben wir natürlich hier.

Dietrich: Sie selber wollten Mathematik studieren. Das ging unter anderem deswegen nicht, weil Sie konsequent den Dienst an der Waffe verweigerten. Sie haben deswegen Theologie studiert, dann waren Sie Pfarrer, ab 1997, also nach der Wende, dann Bischof und zum Schluss Ihres Berufslebens Professor für Kirchengeschichte. Als links und fromm haben Sie Ihren Lebenslauf mal bezeichnet.

Noack: Na klar!

Ulbrichts Verbot und Gottes Fügung

Dietrich: Ist das eigentlich eine gebrochene Biografie oder eine ganz konsequente?

Noack: Gebrochen würde ich nicht sagen. Klar, es gab Brüche, aber die sind mir alles zum Besten geraten. Also ich bin heute sowas von froh, dass ich nicht Mathematik studieren konnte. Es war wie eine Fügung des lieben Gottes, dass er seinen Knecht Walter Ulbrich losgeschickt hat, damit ich auf den richtigen Weg komme.

Aber, das muss man sich immer klarmachen, das können nicht alle so sagen. Mir ist es auf’s Lieblichste gefallen, das Los, aber manche sind in ihrer Berufsbiografie geknickt worden, weil sie nicht Abitur machen konnten oder nicht studieren konnten. Das hängt ihnen natürlich dann an, meistens das ganze Leben, und das kann auch kein SED-Unrechtsbereinigungsgesetz wiedergutmachen. Das ist einfach so. Das bleibt ein Knick. Mir ist das gut ausgegangen, aber das können eben nicht alle sagen.

Ost- und Westkirche fremdeln zu Beginn

Dietrich: Die evangelische Kirche legte sich sehr früh auf ihre Wiedervereinigung fest, im Januar 1990, zwei Monate nach dem Fall der Mauer. Sie waren damals dabei, als diese Gespräche stattfanden. Das war sozusagen Ihre erste offizielle Westreise. Im Rückblick gesehen, war das richtig, so schnell auf die Wiedervereinigung zu gehen?

Martin Kruse und Werner Leich unterzeichnen die Loccumer Erklärung. (Imago / epd)EKD-Ratsvorsitzender Martin Kruse (links) und Kirchenbundvorsitzender Werner Leich (rechts) unterzeichnen im Januar 1990 die Loccumer Erklärung. (Imago / epd)

Noack: Die Kirchen waren auf keinen Fall die ersten, die das gesagt haben. Ich meine, es war immerhin schon Kohls Zehn-Punkte-Plan da, der vom Dezember, und es waren immerhin auch viele Leute in der Bevölkerung, die das doch sehr schnell wollten.

Diese Tagung in Loccum im Januar 1990, das war ja mehr so eine Tagung für Veteranen, es sollten ja 20 Jahre "besondere Beziehung" zwischen Kirchenbund (Ost) und EKD (West) bedacht werden. Schon lange vor dem Mauerfall war diese Tagung angesetzt worden. Dann musste man in dieser Tagung erleben, dass da ganz viele Journalisten vor der Tür standen und wissen wollten: Was ist denn nun mit der Kirche, wie sieht die das mit der Wiedervereinigung?

Mit Unterschieden sorgsam umgehen

Das war schon eine heftige Debatte, es gab auch nicht gleich volle Zustimmung. Es waren sehr unterschiedliche Wahrnehmungen. Die aus dem Westen sagten immer: Brüder, ihr habt es hinter euch, freut euch! Und wir sagten immer: Das war doch unser Leben, es ist ja nicht einfach nur, dass wir es hinter uns haben, das war ja unser Leben. Das musste man dann vermitteln.

Dann gibt es diesen Beschluss von Loccum, diese Erklärung mit den zwei Kernsätzen. Der eine Satz sagt: Wir wollen unserer Kirche auch wieder in einer organisatorischen Gestalt Ausdruck geben, in der Einheit, wir wollen das wieder zusammenbringen. Aber der zweite Satz war: Wir wollen mit den in der Zeit der Trennung gewachsenen Unterschieden sorgsam umgehen.

Manche sagen, das war zu schnell, andere sagten, es war viel zu langsam. Die NVA und die Bundeswehr haben sich ratzfatz vereinigt, wo man gedacht hatte, dass die sich feindlich gegenüberstanden. Die Kirchen dagegen waren ja nicht einmal vollkommen getrennt, die hatten ja immer noch Kontaktgespräche, auch auf EKD-Ebene. Die evangelische Kirche der Union (EKU) war überhaupt nicht getrennt, die hatte sich nur regionalisiert.

Rein westdeutsche Kirchenleitung

Aber es war schon nicht so ganz leicht. Die Vereinigung selbst war auch nicht so einfach. Man muss sich das immer so vorstellen: Dann kommen irgendwelche Einrichtungen, Frauenarbeit, Männerarbeit, Jugendarbeit, Studenten, und jeder fragt, wenn wir jetzt zusammenkommen, wo kommen wir denn nun hin? Wo ist denn nun ein Gebäude für unsere gemeinsame Arbeit?

Und da war immer die Regel: Das Gebäude steht natürlich im Westen, die haben die besseren Gebäude. Eure Bruchbuden im Osten, da kann man doch nicht hinziehen. Da war es relativ schnell klar, dass alle Einrichtungen in Richtung Westen ziehen.

Dietrich: Im Rat der EKD, also im höchsten Leitungsgremium der evangelischen Kirche in Deutschland, ist auch kein einziger Mensch mehr mit Ostbiografie.

Noack: Das ist jetzt ein Zufall. Ich glaube, das muss man auch mal sehen, so fragt man das gar nicht mehr. Ich bin ja an der Universität. Wir unterscheiden das überhaupt nicht mehr bei den Studierenden, ob die aus dem Westen oder aus dem Osten kommen. Das erfährt man manchmal durch Nachfrage, aber im Grunde spielt es gar keine Rolle mehr, weil die alle nach 1990 geboren sind.

Aber es ist richtig, wenn man jetzt historisch denkt, das mit dem Rat ist ein Fehler, das wird auch nicht immer so bleiben. Es ist nicht ein für allemal so, dass es im Rat der EKD keinen aus dem Osten gibt. Da werden wir schon für sorgen. Das ist ein bisschen komisch gelaufen, das stimmt.

Streit um das geistige Erbe der Diktatur

Dietrich: Aber der Bezug auf die DDR-Herkunft, der Bezug vor allen Dingen auf die Erfahrungen aus DDR-Zeiten, die nicht gehört wurden, ist doch eines der Argumente, das immer wieder herangezogen wird, wenn es um die Frage geht, warum ausgrenzende, menschenverachtende Positionen innerhalb und außerhalb der Politik gerade im Osten so einen großen Zulauf haben, Ist es also doch auch noch wichtiger, als Sie das jetzt darstellen?

Noack: Na ja, das ist natürlich eine ganz spannende Frage: Was kann man als Erfahrungen, in der Diktatur erworben, für eine freie Gesellschaft noch nützlich machen. Das war uns erst mal ganz schwer. Da muss man erst mal sagen, es bleibt nicht viel. Jetzt, nach 30 Jahren, merkt man natürlich schon, dass eine ganze Menge mehr geblieben ist und dass wir jetzt manches auch viel positiver haben im Osten als im Westen, und dass es eine andere Situation gibt.

Ich glaube nicht, dass wir jetzt sagen, dass die Leute alle gefrustet sind. Im Grunde, denke ich, ist die Wiedervereinigung der Kirchen ganz gut gelungen, bei allen Holprigkeiten. Eigentlich spielt das nicht mehr so eine Rolle.

Ein Bischof distanziert sich nicht von rechten Positionen

Dietrich: Ist die Frage dann eher: Wie stellt sich die Kirche den neuen Herausforderungen, also vor allen Dingen dem Umgang mit Rechtspopulismus? Lange galt man da ja als Mahner gegen etwas, was in den eigenen Reihen gar nicht sein darf. Vor einem Monat ist dann der Bischof der evangelischen Kirche in Sachsen zurückgetreten, weil er nicht glaubhaft machen konnte, dass er sich von Texten aus Studienzeiten distanziert, die sogar laut der eigenen Kirchenleitung "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich sind".

Ein Demonstrierender hält ein Schild mit einem Porträt von Carsten Rentzing und der Aufschrift "Bitte bleibe!" (Picture Alliance / dpa Zentralbild / Ronald Bonss)Gläubige Dresdener halten vor dem evangelischen Landeskirchenamt eine Mahnwache für Landesbischof Carsten Rentzing ab. (Picture Alliance / dpa Zentralbild / Ronald Bonss)

Noack: Na ja, klar, das ist auch bedauerlich. Ich bin nun mal ein Typ, der gerne den Leuten auch zubilligt, dass man was lernen kann. Die Menschen in der Gesellschaft müssen auch in 30 Jahren die Chance haben, was zu lernen. Ich gebe Ihnen recht, das fand ich ein bisschen tragisch bei Bischof Rentzing in Dresden, dass er nicht deutlich genug gesagt hat: Also, das war Quatsch, was ich damals gesagt habe. Da war er zu zögerlich, das finde ich auch, das habe ich auch nicht ganz verstanden, warum er das nicht deutlicher gesehen hat.

Es fehlen engagierte Bürger

Die Frage mit dem Populismus im Osten und den Wahlergebnissen und rechts, das würde ich ein bisschen anders interpretieren, als viele andere Leute es tun. Für mich ist das Problem, dass wir in der DDR-Zeit schon bis zum Mauerfall ungefähr vier Millionen Menschen verloren haben in Richtung Westen. Nach dem Mauerfall gab es wieder denselben Zustand wie 1961, bevor die Mauer errichtet wurde, wir hatten auf einmal wieder pro Tag tausend Menschen, die uns verlassen haben. Das hat sich dann erst langsam gebessert.

Aber wir erleben natürlich, dass jetzt die ganzen Beamten, jedenfalls große Teile davon, die aus dem Westen gekommen sind, Juristen, Hochschulprofessoren und viele Politiker, dass die jetzt natürlich, wenn sie in den Ruhestand gehen, auch wieder nach Hause gehen. Kann man ihnen ja auch nicht verargen. Aber die hätten jetzt Zeit, die hätten jetzt Geld, die könnten die Gesellschaft mitprägen.

Ich sage mal, die Menschen sind hier im Osten keine anderen als im Westen. Das ist genauso dasselbe. Aber die Zusammensetzung der Bevölkerung ist eine andere. Das ist ein bleibender Erfolg – das ist vielleicht eine ein bisschen böse These, aber die vertrete ich gerne – der DDR, den Osten entbürgerlicht zu haben, und das merken wir an vielen, vielen Beispielen an allen Ecken und Enden. Es fehlt im ganz positiven Sinne ein Bürgertum, was ein bisschen zur Beruhigung des Ganzen deutlich beitragen kann.

Bischofsrücktritt – kein Thema für die EKD

Dietrich: An diesem Sonntag beginnt die Tagung der Synode, des sozusagen Kirchenparlaments der EKD, die ausgerechnet in Dresden stattfindet, also auf dem Gebiet der sächsischen Kirche. Der Rücktritt von Bischof Carsten Rentzing steht aber nicht auf der Tagesordnung. Verpasst man da ein entscheidendes Thema?

Noack: Na ja, das würde da auch nicht hingehören. Das ist ja nicht eine Sache der EKD, dass in der Landeskirche ein Bischof gewählt wird und zurücktritt. Das wird ja dort nicht bedacht. Natürlich wird es Diskussionspunkt sein, aber in Randgesprächen, ein Tagesordnungspunkt kann das nie und nimmer werden.

Dietrich: Das heißt, das sehen Sie nicht als Hauptthema, dass die evangelische Kirche in Deutschland darüber sprechen müsste, wie sie sich jetzt eben im Verhältnis zu rechts positioniert.

Noack: Na das schon, aber das wird nicht an Bischof Rentzing klargemacht. Ich meine, das ist schon eine Riesenherausforderung. Das ist ja nun auch bei den Wählern. Wir hatten ja damals, kurz nach der Wende, im Osten dasselbe Thema mit der PDS damals. Da war ja auch die Frage, wie verhält sich die Kirche dazu, und dann haben wir eigentlich immer glorreich unterschieden zwischen Partei und Mandatsträgern.

Beten für die Abgeordneten

Also Abgeordnete, die sind ja dann in dem Sinne für unser evangelisches Verständnis Obrigkeit, die Obrigkeit ist von Gott, für die Leute haben wir zu beten, das gilt auch natürlich für Abgeordnete von schrägen Parteien. Wir können ja immer noch froh sein, dass wir in einem Land leben, wo man einigermaßen mit Recht sagen kann: Das ist eine Aufgabe des Staates, dann Parteien zu verbieten oder nicht zu verbieten.

Es ist auch richtig, dass es hohe Hürden gibt, auch wenn man es manchmal nicht verstehen kann. Eigentlich wünscht man sich, dass man da klarer wäre, aber es ist nun mal so. Und da müssen wir, solange die Menschen dann gewählte Abgeordnete sind, dann können wir sie nicht links liegenlassen. Das war immer meine Position. Andere sehen das ein bisschen anders.

Wir müssen natürlich auch aufpassen: Ich glaube schon, dass wir eine große Verantwortung haben, dass möglichst verhindert wird, dass sie in irgendwelche exekutiven Funktionen kommen. Das muss man, glaube ich, schon verhindern.

Populisten widersprechen

Aber diese Vereinfachungspolitik ist natürlich schwierig in Zeiten, wo die Lage sehr schwierig ist, im Weltmaßstab haben wir so viel Probleme, für die wir eigentlich, ganz ernst gesprochen, gar keine Lösung haben. Jetzt kommen dann welche und sagen, wir haben es ganz einfach: Klimawandel ist Hysterie, und die Zuwanderer, die muss man einfach - "Festung Europa" eben. Dem ist natürlich ganz schwer zu widersprechen. Dem muss man aber widersprechen. Aber das ist nicht populär zu machen, denn in so ganz schwierigen Situationen, möchten es die Leute gerne einfach haben, die möchten gerne eine klare Lösung, und das ist höchstgefährlich.

Dietrich: Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat im Vorfeld der EKD-Synode in Dresden gesagt: Aufgrund der sinkenden Mitgliederzahlen, auch im Westen, sei es in Zukunft immer wichtiger, von den Erfahrungen der Kirchen im Osten Deutschlands zu lernen. Ist das so, lässt sich da was lernen, und wenn ja, was lässt sich lernen?

Noack: Na ja, wenig. Also wir hatten auch ein paar Täuschungen gehabt. Unsere Kollegen im Westen haben immer gesagt, ja, ihr im Osten, ihr seid doch schon die viel bessere Kirche. Ihr habt das doch alles schon hinter euch, was wir noch vor uns haben. Die ganzen Karteileichen, die sind doch durch den Druck der Partei schon alle verschwunden, bei euch ist nur noch die glaubensstarke Truppe. Da muss man sagen: Wir haben es sogar ein bisschen geglaubt, aber es stimmt nicht. Wir haben uns überhaupt nicht gesundgeschrumpft, wir haben uns krankgeschrumpft.

Nichtchristen machen den Unterschied

Aber wir haben jetzt Erfahrungen gemacht, und das ist fast ein bleibender Ost-West-Unterschied: Die Kirchenleute in Ost und West unterscheiden sich kaum, aber die Leute, die nicht zur Kirche gehören, die unterscheiden sich ganz kräftig. Im Westen kann man immer noch mehr oder weniger sagen: Wer nicht in der Kirche ist, ist irgendwann mal ausgetreten. Aber hier bei uns ist die Masse der Bevölkerung nie ausgetreten, weil sie nie drin war.

Dietrich: Ist das eine Chance oder ist das eine Gefahr?

Noack: Das ist eine große Chance. Wir haben hier so viele Menschen am Rand unserer Kirche, die mitmachen, sich kräftig beteiligen, aber nicht in die Kirche eintreten. Also wir gehen davon aus, dass auf dem flachen Land ungefähr die Hälfte aller Sängerinnen und Sänger in unseren Kirchenchören nicht Mitglied der Kirche ist.

Fahren Sie durch den Osten, Sie werden nur noch renovierte Kirchen finden. Es sind ja viele Kirchbauvereine, in Dresden ist die Frauenkirche das Superbeispiel, da sind weit mehr als die Hälfte nicht Mitglied der Kirche. Die Leute haben oft ein gutes Verhältnis zur Kirche, völlig entkrampft, ganz anders als im Westen. Und wir dürfen, glaube ich, nicht mehr nur auf die Mitglieder gucken.

Dietrich: Als links und fromm bezeichnet sich Axel Noack selber. Er war Pfarrer, Bischof, Kirchengeschichtler. Vielen Dank für Ihren Rückblick auf kirchliche und andere Wiedervereinigungen und den Ausblick auf aktuelle Herausforderungen für die evangelische Kirche. Mehr über Axel Noack können Sie übrigens in einem sehr lesenswerten Buch erfahren, das gerade passend zu Noacks 70. Geburtstag im Wartburg-Verlag erschienen ist: "Axel Noack. Biografie eines frohgemuten Protestanten" von Bettina Röder.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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