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Studio 9 | Beitrag vom 29.05.2018

Alltagsrassismus in den USABeschimpfungen und Elektroschocks

Von Martina Buttler

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Protestierer mit erhobenen Händen stellen sich Polizisten entgegen: In Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina hatten Polizeibeamte am 21. September 2016 den Afroamerikaner Keith Lamonth Scott erschossen. (dpa / picture alliance / Caitlin Penna)
Protestierer mit erhobenen Händen stellen sich Polizisten entgegen: In Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina hatten Polizeibeamte am 21. September 2016 den Afroamerikaner Keith Lamonth Scott erschossen. (dpa / picture alliance / Caitlin Penna)

Alle US-Starbucks-Filialen bleiben wegen Anti-Rassismus-Trainings heute geschlossen. Wie nötig das offenbar ist, zeigen einige Fälle von Alltagsrassismus in den USA. Auch die Polizei ist daran beteiligt.

Fall 1: York, Pennsylvania

In York, Pennsylvania wird die Polizei in einen Golfclub gerufen, weil fünf schwarze Frauen angeblich zu langsam spielen.

Fall 2: Yale-Universität

An der Yale University in Conneticut ruft eine weiße Studentin die Polizei, weil ihre schwarze Kommilitonin Lolade Siyonbola in einem Gemeinschaftsraum eingeschlafen ist:

"Ich bin eingeschlafen, sie macht das Licht an und sagt: Du kannst hier nicht schlafen. Ich rufe die Polizei."

Fall 3: Rialto, Kalifornien

In einer weißen Nachbarschaft in Rialto, Kalifornien ruft eine Frau die Polizei, weil vier Schwarze Koffer in ihren Wagen packen. Sie vermutet, dass es Einbrecher sind. Ein Helikopter kreist über der Straße, als die Künstler, die für ein Geschäftstreffen in der Stadt sind, befragt werden. Eine von ihnen ist die Enkelin von Bob Marley.

Fall 4: Milwaukee, Wisconsin

Ende Mai ist ein Video bekannt geworden, das zeigt, wie ein Basketballprofi von der Polizei in Milwaukee angesprochen wird, weil er auf einem Behindertenparkplatz steht. Statt einen Strafzettel zu bekommen, ringen die Polizisten den schwarzen Sportler zu Boden und versetzen ihm mit einem Taser Elektroschocks.

Fall 5: Riverside, Kalifornien

In einem Kaffeeladen in Riverside, Kalifornien wurde Mitte Mai eine Muslima, die einen Niqab trug, von dem Mann vor ihr in der Schlange beschimpft, ob gerade Halloween sei. Sie fragt, welches Problem er mit ihr hätte, und der Mann legt los:

"Ich mag das nicht. Wie wär’s damit? Ich mag deine Religion nicht, weil sie sagt, dass ich umgebracht werden soll und ich will nicht von dir umgebracht werden. Klar?"

Die Angestellte der Kaffeehauskette hat sich daraufhin geweigert, dem Mann einen Kaffee zu verkaufen. Andere Kunden verteidigen die Frau und der Mann verlässt den Laden.

Fall 6: Manhattan

In einem Restaurant in Manhattan beschimpft ein paar Tage später ein Anwalt zwei Angestellte, die miteinander spanisch gesprochen haben:

"Die sind bestimmt illegal hier. Die kommen hierher und leben von meinem Geld. Ich rufe die Einwanderungsbehörde, damit die ausgewiesen werden."

Über Go-Fund-Me wurde Geld gesammelt für eine mexikanische Mariachi-Band, die vor seiner Tür spielt. Wenige Tage später wird dem Anwalt das Büro gekündigt. Inzwischen hat er sich knapp über Twitter entschuldigt.

Dies sind nur einige Beispiele, die im April und Mai bekannt geworden sind, wie Menschen diskriminiert wurden. Alltag in den USA.

Mehr zum Thema

Kritik an Christian Lindner und Boris Palmer - Der Rassismus der Beleidigten
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 22.5.2018)

Alltagsrassismus - Wie rassistisch bin ich selbst?
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 19.5.2018)

Literatur über die Polizeigewalt in den USA - "Sie haben ihn einfach abgeknallt"
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 15.7.2016)

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