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Samstag, 16.11.2019
 
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Interview | Beitrag vom 10.09.2019

Allensbach-Studie über Jugendliche Die "Generation Einheit" ist noch immer geteilt

Klaus Hurrelmann im Gespräch mit Ute Welty

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Vier Jugendliche sitzen auf einer Mauer und lassen die Füße baumeln. (Foto: William Perugini / imago/Westend 61)
Die Jugend in Deutschland ist optimistisch - im Westen aber mehr als im Osten. (Foto: William Perugini / imago/Westend 61)

Die Nachwende-Generation in Deutschland ist grundsätzlich zuversichtlich, zeigt eine neue Studie des Allensbach-Instituts. Der Optimismus zwischen Ost und West bleibe aber ungleich verteilt, sagt der Soziologe Klaus Hurrelmann.

Wer heute unter 30 Jahre alt ist, hat die deutsche Teilung schon nicht mehr erlebt, sondern ist im vereinten Deutschland aufgewachsen. Diese "Generation Einheit" hat das Institut für Demoskopie in Allensbach nun untersucht und 15- bis 25-Jährige zu ihrer Stimmung befragt. Dabei kam heraus: Die Jugend in Deutschland fühlt sich insgesamt wohl.

West-Jugend sieht die Zukunft rosiger

Den jungen Leute gehe es sehr gut, sagt Klaus Hurrelmann, Soziologe und Mitautor der Studie im Deutschlandfunk Kultur. "Die konjunkturelle Lage spiegelt sich wider bei ihnen, sie sind optimistisch." Wenn man jedoch genauer hinsehe, falle auf, dass es immer noch spürbare Unterschiede zwischen den Jugendlichen in den ostdeutschen und den westdeutschen Bundesländern gebe: "Da ist im Westen einfach alles noch einen Zacken optimistischer und die Perspektiven werden rosiger gesehen."

Jugend hat die Qual der Wahl

Probleme habe die Jugend in beiden Teilen des Landes mit der Vielfalt der vorhandenen Angebote, so Hurrelmann. "Weil man über fast 400 Berufsausbildungen entscheiden muss nach Abschluss der Schulzeit, weil man über fast 12.000 Bachelor-Studiengänge entscheiden muss, verliert man die Übersicht - das ist ein richtiges Problem geworden, darunter leiden die jungen Leute auch." Im Osten hätten die Jugendlichen stärker die Ausbildung im Blick, im Westen dagegen werde das Studium als hochattraktiv wahrgenommen. Ein Grund dafür sei auch, dass man sich noch etwas Zeit lassen könne und sich nicht so früh festlegen müsse.

Fehlende Berufsvorbereitung 

Für den Soziologen ist daher klar, "dass wir uns richtige Mühe geben müssen, die jungen Leute hier nicht in eine Situation hineinzubringen, die sie selbst überhaupt gar nicht mehr übersehen können". Das gelte vor allem für die Berufsvorbereitung, die von Jugendlichen besonders kritisch bewertet werde. "Es wird ganz eindeutig gesagt, die bereiten uns nicht in der angemessenen Weise vor, die Lehrer und Ausbilder haben zum Teil nicht mal die Kompetenz, um uns vorzubereiten." Dass müsse man sehr ernst nehmen, sagt Hurrelmann. "Da liegt eine richtige Anforderung an die künftige Bildungs- und Gesellschaftspolitik."

(kü)

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