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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.06.2018

Alkoholsucht"Kontrolliertes Trinken" mit dem Trink-Tagebuch

Anne Koopmann im Gespräch mit Korbinian Frenzel

Ein Punkt des 12-Schritte-Programms der "Anonymen Alkoholiker": die spirituelle Erfahrung (picture-alliance / dpa )
Alkohol ist für nicht wenige Menschen ein täglicher Begleiter (picture-alliance / dpa )

Wer Alkoholiker ist, darf nie wieder Wein, Schnaps oder Bier trinken. So lautete lange das Credo der Suchtmedizin. Doch die Ärzte schwenken um: Auch "kontrolliertes Trinken" gilt inzwischen als Erfolg.

Heute vor 50 Jahren urteilte das Bundessozialgericht, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Seither können sich Alkoholkranke in Deutschland für eine Entziehungskur in ambulante oder stationäre Behandlung begeben. Lange galt: Wer Alkoholiker ist, darf nie wieder trinken, sonst droht der Rückfall.

Die meisten Alkoholiker werden nicht behandelt

Doch davon ist die Suchtmedizin inzwischen abgerückt. Denn die totale Abstinzenz schaffen nur wenige Alkoholabhängige, der weitaus größte Teil der Trinker versucht es entweder gar nicht oder hält schlicht nicht durch.

Alkoholsucht weise in der Psychiatrie die "höchste Behandlungslücke" auf, berichtete die Ärztin Anne Koopmann im Deutschlandfunk Kultur. Soll heißen: Die meisten Alkoholiker werden gar nicht behandelt. Das habe zu einem Umdenken unter Medizinern geführt: Auch das "kontrollierte Trinken" sei nun als Ziel oder zumindest als Zwischenziel anerkannt, sagte die Suchtexpertin.

Die Akzeptanz des Trinkens ist immer noch hoch

Studien zeigten, dass "kontrolliertes Trinken" die negativen Folgen des Alkoholkonsums wie eine kaputte Leber oder Krebs deutlich reduziere, so Koopmann. Patienten nehmen dabei an verhaltentherapeutischen Programmen teil und führen ein Trink-Tagebuch. So könne man auch schnell jene Gruppe herausfiltern, für die "kontrolliertes Trinken" nicht in Frage komme, weil sie es nicht schaffe, sich an Abmachungen und Vorgaben zu halten.

Allgemein sei die gesellschaftliche Akzeptanz des Alkohols noch immer hoch, beklagte die Oberärztin, die an der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim arbeitet. Man müsse sich in sozialen Situationen noch immer dafür rechtfertigen, wenn man keinen Alkohol trinke. Der Kampf gegen das Rauchen und die dort erzielten Erfolge sieht Koopmann als Vorbild für den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. (ahe)

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