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Frühkritik | Beitrag vom 02.07.2021

Alexis Schaitkin: "Saint X"Tod im Paradies

Von Sonja Hartl

Das Cover des Buchs von Alexis Schaitkin, "Saint X", auf orange-weißem Hintergrund. (Deutschlandradio / Ullstein)
Alexis Schaitkins "Saint X" überzeugt als leichtgängige, unterhaltsame aber dennoch vielschichtige Studie über Rassismus und Klassismus. (Deutschlandradio / Ullstein)

Das Privileg der richtigen Hautfarbe: Alexis Schaitkin erzählt in ihrem hellsichtigen Kriminalroman "Saint X" vom ungeklärten Tod einer jungen weißen Amerikanerin auf einer Karibikinsel und von der Ignoranz einer bessergestellten Welt.

Claire ist sieben, als ihre elf Jahre ältere Schwester Alison während eines Familienurlaubs auf der fiktiven Karibikinsel Saint X tot aufgefunden wird. 18 Jahre später steigt sie in New York in ein Taxi und erkennt in dem Fahrer einen Mann namens Clive Richardson wieder. Er wurde verdächtigt, ihre Schwester ermordet zu haben, jedoch nie verurteilt.

Claire ist überzeugt, dass Clive weiß, wie Alison ums Leben gekommen ist. Also freundet sich mit ihm an, um endlich die Wahrheit zu erfahren.

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Nach und nach deckt Alexis Schaitkin in ihrem Debüt "Saint X" die Folgen von Alisons Tod auf. Ihre Eltern und Claire ziehen um, um ein neues Leben an der Westküste zu beginnen, und insbesondere Claire ist fortan überzeugt, dass sie mit ihrer Schwester nicht mithalten kann – und Alisons Tod das einzig Interessante an ihrem Leben ist.

Ein Tod und seine Folgen

Clive Richardson musste seine Heimat verlassen und lebt nun einsam in New York. Sein Sohn wächst auf, ohne den Vater zu kennen. Alisons Tod beeinflusst aber auch Menschen am Rande: In kurzen, zwischengeschalteten Kapitel kommen Urlauber zu Wort, die zur selben Zeit auf Saint X waren, und Alisons ehemaliger Lehrer, ihre Mitbewohnerin oder Clives Freundin erzählen, wie sich ihr Leben seither verändert hat.

Alison ist gestorben, als sie mit zwei Bewohnern von Saint X unterwegs war: zwei schwarzen Männern, die in der Hotelanlage auf der fiktiven Karibikinsel reichen weißen amerikanischen Touristen Drinks serviert und Drogen besorgt haben.

Hautfarbe und Privilegien

Von Anfang an spielt Hautfarbe eine Rolle – im Verhalten von Alisons Vater zum Beispiel, bei dem sich während des Urlaub kurz das schlechte Gewissen meldet, weil er sich von Schwarzen bedienen lässt. Insbesondere Alison und Claire sind sich ihres "white privilege" – der Vorteile also, die sie haben, weil sie weiß sind – sowie der Privilegien eines reichen Elternhauses sehr wohl bewusst und merken doch nicht, wie ignorant sie sind und wie gut sie sich in ihrer bevorteilten Welt eingerichtet haben.

Das Denken in "wir" und "sie" legen auch sie nicht ab. 

Leichtgängig und vielschichtig

Am Ende wird Clive Claire von dem Abend erzählen, an dem Alison starb. Aber das wird kaum etwas verändern, und es ist nicht die einzige Erzählung, die zu Alisons Tod gehört.

"Saint X" ist daher mehr als nur eine weitere Geschichte über den geheimnisvollen Tod einer jungen, hübschen, weißen Frau: Dieser leichtgängige, unterhaltsame und spannende Roman entpuppt sich als eine vielschichtige und hellsichtige Studie über den Umgang mit Tod und Verbrechen sowie zu Rassismus und Klassismus.

Alexis Schaitkin: "Saint X"
Aus dem Amerikanischen von Wibke Kuhn
Ullstein, Berlin 2021
480 Seiten, 24 Euro

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