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Konzert / Archiv | Beitrag vom 08.05.2019

Alexander Liebreich beim Tschechischen RSODunkle Töne aus Prag

Moderation: Elisabeth Hahn

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Der Dirigent Alexander Liebreich (Bartek Barczyk/forartists)
Der Dirigent Alexander Liebreich (Bartek Barczyk/forartists)

Alexander Liebreich dirigiert das Prager Radio-Symphonieorchester. Auf dem Programm: Musik von Lutosławski und Bruckner, die große Gefühle mobilisiert. Es geht um den Tod, Trauer, Verzweiflung - aber auch um Zuversicht.

Erfahrungen mit einem Rundfunkorchester aus dem östlichen Mitteleuropa hat er bereits - direkt aus der polnisch-schlesischen Metropole Kattowitz kommt Alexander Liebreich nach Prag. In der laufenden Saison versieht er noch beide Chefpositionen gleichzeitig. In der kommenden Spielzeit folgt ihm dann Lawrence Foster in Kattowitz als Chefdirigent nach.

Anfang November hat der Bayer Liebreich sein neues Amt als Chefdirigent des Prager RSO offiziell angetreten. Dort verbindet er nun die Musik Polens mit der des Alpenraums.

Trauermusik für Béla Bartók

In seiner "Trauermusik" ("Muzyka żałobna") von 1958 erkundete der polnische Avantgardist Witold Lutosławski erstmals neue Techniken, nachdem er vorher aus überwiegend politischen Gründen in der Nachkriegszeit eher realistisch-melodiöse, zum Teil folkloristisch anmutende Musik komponiert hatte. Die Trauermusik besteht aus einem Prolog, Metamorphosen, einem Apogäum, also einem weitestmöglich erdfernen Punkt und einem Epilog.

Die emotionale Anspannung, die Trauer um einen verstorbenen, lieben Menschen versucht Lutosławski hier nachzuzeichnen. Eine zwölfttönige Figur nimmt er als Ausgangspunkt für mehrere musikalische Erfindungen. Er kombiniert Teile dieser Reihe zu verschiedenen Arten von Schreien, die ein trauernder Mensch ausstößt, wenn er die unvermeidliche und endgültige Gestalt des Todes erkennt. Die "Muzyka żałobna" ist dem Andenken Béla Bartóks gewidmet.

Der Konzertsaal Rudolfinum in Prag (Volker Michael/Deutschlandradio)Der Konzertsaal Rudolfinum in Prag (Volker Michael/Deutschlandradio)

Um Trauer geht es ebenfalls im Adagio der 7. Sinfonie Anton Bruckners. Nachträglich hat Bruckner diesen Satz dem Andenken an sein Idol Richard Wagner gewidmet. Eigentlich aber entstand die wohl beliebteste Bruckner-Sinfonie als Reaktion auf einen katastrophalen Brand in Wien.

Der öffentlichen Trauer um die Brandopfer war der langsame Satz ursprünglich nachempfunden. Der Rest des Werkes verbreitet einerseits Drama, andererseits Zuversicht. Die schöpfte Bruckner zu Zeiten des Entstehens aus seinem zunehmendem beruflichen Erfolg - und aus seiner Gläubigkeit.

Alexander Liebreich spricht im Interview mit Volker Michael über seine Prager Pläne und seine Beziehung zu Tschechien:

Rudolfinum Prag, Dvořák-Saal
Aufzeichnung vom 29. April 2019

Witold Lutosławski
"Muzyka żałobna" (Trauermusik) für Streichorchester

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 7 E-Dur

Radio-Symphonieorchester Prag
Leitung: Alexander Liebreich

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