Alec Baldwin erschießt Kamerafrau

    Fahrlässiger Umgang mit Waffen am Set

    04:35 Minuten
    Ein älterer Herr mit kurzen Haaren und im Anzug bei einer Gala.
    Schauspieler Alec Baldwin drehte einen Western in Santa Fe, als der Unfall passierte. © picture alliance / dpa / abaca / Douliery Olivier
    Lars Winkelsdorf im Gespräch mit Max Oppel  · 22.10.2021
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    Bei Dreharbeiten hat der US-Schauspieler Alec Baldwin versehentlich eine Kamerafrau erschossen. Der Journalist und Waffenexperte Lars Winkelsdorf wirft der Filmbranche zu laxe Sicherheitsvorkehrungen vor – auch in Deutschland.
    Schauspieler Alec Baldwin hat bei Dreharbeiten mit einer Film-Waffe versehentlich die Kamerafrau Halyna Hutchins getötet, sie war 42 Jahre alt. Auch der Regisseur des Films, Joel Souza, wurde verletzt. Er wird in einem Krankenhaus auf der Intensivstation behandelt.
    Der tödliche Zwischenfall ereignete sich bei Dreharbeiten für den Western "Rust" im US-Bundesstaat New Mexico. Offenbar hat Baldwin die Waffe versehentlich abgefeuert. Wie kann ein solcher Unfall passieren?

    Lars Winkelsdorf ist Journalist und Waffensachverständiger, er hat schon Dutzende Filmsets in Waffenfragen beraten. Winkelsdorf hält es für weitestgehend ausgeschlossen, dass bei dem tödlichen Unfall auf dem Filmset mit scharfer Munition geschossen wurde.

    Sperre im Waffenlauf

    Diese sei in der Nähe von Drehorten "strengstens verboten", betont er. Normalerweise würden Filmwaffen so verändert, dass man mit ihnen nicht mehr scharf schießen könne. Dazu würden Sperren, Gasdüsen, in die Waffenläufe eingebaut.
    Möglicherweise sei solch eine Gasdüse herausgerissen worden, vermutet Winkelsdorf. Durch den Gasdruck der Platzpatrone könnte diese dann beschleunigt worden sein und habe so eine tödliche Wirkung entfaltet.
    "Die Unfallrisiken sind extrem hoch. Wenn man sich vorstellt, dass solch beschädigte Waffen Splitter herausschleudern können, mit einem Gasdruck von circa 800 bar, die völlig unkontrolliert durch die Gegend fliegen, dann ist gerade bei Nahaufnahmen tatsächlich ein tödliches Risiko gegeben", sagt Winkelsdorf.


    Solche tödlichen Unfälle habe es auch schon in der Vergangenheit gegeben. 1984 starb der US-Schauspieler Jon-Erik Hexum, 1993 der Darsteller Brandon Lee. "Seitdem sind die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft worden. Trotzdem sind sie augenscheinlich immer noch zu lasch", meint Winkelsdorf.
    Santa Fe: Dieses Luftbild, das von KOAT 7 News zur Verfügung gestellt wurde, zeigt Beamte des Sheriffs von Santa Fe County, die zum Schauplatz einer tödlichen Schießerei auf einer Filmkulisse der Bonanza Creek Ranch in der Nähe von Santa Fe kommen.
    Das Set, an dem die Kamerafrau von Alec Baldwin erschossen wurde.© KOAT 7 News/AP
    Man müsse auch kritisch fragen, warum das Filmteam keine Schutzwesten, Helme oder Schutzbrillen getragen habe. Insgesamt sei der Umgang mit Waffen beim Film noch immer "hochgradig fahrlässig", kritisiert der Experte.
    Nach diesem erneuten Unglück werde in Hollywood ein Umdenken stattfinden müssen, sagt Winkelsdorf. Und auch in Deutschland müsse darüber gesprochen werden, wie Filmteams besser geschützt werden könnten.
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