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Im Gespräch | Beitrag vom 15.08.2018

Aktivist Raphael FellmerVon Beruf "Lebensmittelretter"

Moderation: Ulrike Timm

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Porträt des Food-Aktivisten Raphael Fellmer  (Christian Klant)
Raphael Fellmer gehört zu den Gründern der Foodsharing-Bewegung. (Christian Klant)

Raphael Fellmer lebte jahrelang von Essen, das er illegal aus dem Supermarktmüll fischte. Seit kurzem betreibt er in Berlin einen Supermarkt für abgelaufene und ausrangierte Lebensmittel. "Ich wollte immer schon Weltverbesserer sein", sagt er.

Über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr in Deutschland im Müll, ein Drittel unseres Nahrungsmittelverbrauchs. Zehn Millionen Tonnen davon wären vermeidbar. Einer, dem das mächtig gegen den Strich geht, ist Raphael Fellmer.  

"In reicheren Ländern werden 50 Prozent der Lebensmittel weggeworfen", sagt er. "In ärmeren Ländern sind es nur 30 Prozent. Man könnte alle Hungernden der Welt mit dem Weggeworfenen ernähren."

Der Umweltaktivist hat sich dem Thema Lebensmittelretten verschrieben und setzt sich für eine Kultur des Teilens und der Nachhaltigkeit ein.

"Mich hat schon als Kleinkind bewegt, dass viele Menschen auf dieser Erde mit hungrigem Magen schlafen gehen müssen. Ich wollte immer schon Weltverbesserer sein."

Der Aktivist Raphael Fellmer in der kulinarischen Denkfabrik Contemporary Food Lab (dpa)Der Aktivist Raphael Fellmer in der kulinarischen Denkfabrik Contemporary Food Lab (dpa)

Mit Mitte 20 trat er in einen "mentalen Geldstreik", lebte fünf Jahre ohne Geld und reiste dabei um die Welt. Er fischte sein Essen zum Teil aus dem Müll, trug die Kleidung, die ihm andere schenkten.

"Ich kann wegschmeißen was ich will, Ressourcen verschwenden ist erlaubt, auch im großen Stil. Aber wenn ich eine Tomate aus dem Müll rette, ist das Diebstahl. Das ist absurd."

Vom Müll zurück ins Regal

Deshalb gehörte Fellmer 2012 zu den Mitbegründern der "Foodsharing"-Bewegung. Zuvor waren er und Gleichgesinnte heimlich in die Müllcontainer hinter den Supermärkten gestiegen, um Lebensmittel zu retten:

"Ich war an Tausenden von Tonnen in der ganzen Welt und habe alles, was man in Supermärkten kaufen kann, dort gefunden."

Als "Foodsaver" holen sie seither die abgelaufenen und ausrangierte Waren kistenweise bei den Märkten ab und verteilen sie – alles ganz legal. Mittlerweile haben bundesweit etwa 40.000 "Foodsaver" bereits über zwölf Millionen Kilogramm überschüssige Lebensmittel gerettet. Fellmers neuester Coup: Im September 2017 eröffnete er mit zwei Mitstreitern in Berlin den Supermarkt "SirPlus" – hier werden ausschließlich "gerettete" Lebensmittel verkauft, die sonst auf dem Müll landen würden.  

"Luxus ist für mich, dass ich gesund bin und eine Familie habe und tun kann, wofür mein Herz schlägt", meint Fellmer. "Wir alle haben eine Berufung in uns und wir sollten den Mut haben, das zu tun, wozu es uns drängt - und das Unangenehme sein lassen."

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