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Fazit | Beitrag vom 05.01.2020

Aktion gegen umstrittene Stele des "ZPS""Ein brutales Kunstwerk muss auch brutal entfernt werden"

Eliyah Havemann im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der Autor Eliyah Havemann (2.v.l.) befestigt, auf einer Leiter stehend, eine zuvor abmontierte Stahlplatte wieder auf der umstrittene Stahlsäule des Künstlerkollektivs "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) gegenüber dem Reichstagsgebäude. Mehrere Aktivisten haben versucht, die umstrittene Stahlsäule des Künstlerkollektivs in Berlin abzubauen. (Paul Zinken/dpa)
Eliyah Havemann befestigt den Deckel der Stele wieder, nachdem die Abriss-Aktion von der Polizei gestoppt wurde. (Paul Zinken/dpa)

Mitglieder des "Aktions Künstler Kommitees" haben versucht, die umstrittene Stele des "Zentrums für Politische Schönheit" am Reichstag abzubauen. "Uns ging es darum, diese Provokation zu beenden", sagt Eliyah Havemann vom AKK.

Mit zwei Elektroflexen haben Mitglieder des "Aktions Künstler Komitees" (AKK) versucht, die Stahlsäule des "Zentrums für Politische Schönheit" (ZPS) abzusägen.

"Wir hatten vor, die Säule komplett abzubauen und dann an einem geheimen Ort verschwinden zu lassen, damit dieses Schauspiel endlich mal ein Ende hat. Aber es hat leider nicht geklappt. Wir haben es nicht geschafft, sie komplett abzutrennen. Es fehlten noch ein paar wenige Zentimeter, bis die Polizei uns daran gehindert hat, weiterzumachen" erklärt der Autor Eliyah Havemann, der an der Aktion beteiligt war.

Auf den ursprünglichen Sinn der Stele hinweisen

Das "ZPS" hatte die Säule Anfang Dezember auf dem Gelände der früheren Krolloper gegenüber dem Reichstagsgebäude aufgestellt und wollte mit der Stele auch vor einer Zusammenarbeit der CDU mit der AfD warnen. Die Aktion hatte für Aufruhr gesorgt und das "ZPS" hatte sich entschuldigt.

"Und es ging auch uns darum, diese Provokation zu beenden. Also, was mir persönlich halt auch wirklich sauer aufgestoßen ist, dass ich das ursprüngliches Ziel dieser Aktion – nämlich vor einer Koalition mit der AFD zu warnen – ja unterstütze", so Havemann. Dadurch, dass das "ZPS" mit dieser Aktion "so weit übers Ziel hinausgeschossen" sei, sei dieser Aspekt eigentlich in der Diskussion völlig untergegangen.

Der Autor Eliyah Havemann sitzt an einem Tisch mit einer kleinen Leselampe vor einem Mikrofon und hält auf dem Tisch einige Blätter Paper in den Händen, die er auf dem Tisch abgelegt hat.  (imago/Lars Reimann)Eigentlich unterstützt Eliyah Havemann den ursprünglichen Anlass für die Aktion mit der Stele des "ZPS". (imago/Lars Reimann)

Um die eigentliche "Message", nämlich vor einem Bündnis mit der AfD zu warnen, wieder "in den Fokus" zu rücken, hätten sich die Aktivisten auch bewusst den Namen "Aktions Künstler Komitee" gegeben, dessen Abkürzung an die Initialen der Bundesvorsitzenden der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer erinnern soll. Das sei vor allem an die CDU gewandt, weil bei anderen Parteien aktuell die Gefahr nicht so groß sei, mit der AfD zu koalieren.

Einer möglichen Anzeige wegen Sachbeschädigung sieht Havemann gelassen entgegen und verteidigt die Brutalität der Abrissaktion: "Mit der Brutalität haben wir ja nicht angefangen. Insofern ist das schon die richtige Antwort. Also, ein brutales Kunstwerk muss auch brutal entfernt werden. Außerdem sanft lässt es sich ja nicht entfernen. Dafür ist es zu groß und zu schwer und zu massiv."

Hoffnung auf Entfernung der Säule durchs "ZPS"

Vielmehr hofft Havemann, dass das "ZPS" die Säule selber entfernt: "Das wäre die schönste und beste Lösung für alle Seiten. Also wenn es dem 'ZPS' tatsächlich um diese Message geht und die diese Message auch tatsächlich transportieren wollen und die Entschuldigung, die sie ursprünglich mal vorgebracht haben, ernst gemeint ist, dann wäre das die einzige richtige Konsequenz."

(kpa)

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