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Religionen / Archiv | Beitrag vom 08.12.2019

Ahne: "Zwiegespräche mit Gott"Gott ist ein Ur-Berliner

Von Elmar Krämer

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Portrait des Schriftstellers und Lesebühnenautors Arne Seidel alias Ahne. ( Voland & Quist  / Tim Jockel)
Dialogbereiter Atheist: Mit Gott als Gegenüber stellt sich der Lesebühnenautor Ahne den großen und kleinen Fragen des Lebens. ( Voland & Quist / Tim Jockel)

Mit dem Allmächtigen auf Du und Du: Seine „Zwiegespräche mit Gott“ haben den Lesebühnenautor Ahne über Berlin und Brandenburg hinaus bekannt gemacht. Im fünften Band der Buchreihe steht er "Unter der Fuchtel der Zeit".

"Ich weiß nicht, wer von euch Gott kennt", sagt Ahne. "Gott wohnt ja in der Choriner Straße 61. Ich wohne gleich um die Ecke, und wir unterhalten uns regelmäßig und haben uns irgendwann dazu entschlossen, unsere Gespräche zusammen auf der Bühne vorzutragen. Heute ist es leider so, dass Gott nicht kann, ausgerechnet bei der Buchpremiere."

Zwiegespräche im Monolog

Gott hat viel zu tun, bei ihm kommt immer etwas dazwischen: Seit über einem Jahrzehnt muss Ahne seine "Zwiegespräche mit Gott" auf der Bühne allein präsentieren.

"Da ich aber leider kein Kabarettist bin, wird Gott jetzt gleich genauso klingen wie ich", warnt der Autor sein Publikum. "Da ihr aber live hier seid, werdet ihr sehen, wer Gott ist und wer ich bin: Wenn ich von hier rede, bin ich das, von hier ist es Gott."

Es ist ein ungemütlicher Novembertag mitten in der Woche, dennoch ist das Pfefferberg-Theater im Berliner Trendbezirk Prenzlauer Berg bis auf den letzten Platz ausverkauft – Ahnes "Zwiegespräche mit Gott" sind ein Publikumsmagnet.           

Geprägt in der DDR, fern der Kirche

"Vielleicht, Gott, wird man eines Tages mal sagen, dass es mal eine Zeit gab, wo die Menschen dachten, dass nach unserem Tod nichts bliebe – Pubertät, ich nenne das Pubertät. Ihr wollt euch abnabeln von mir und schlagt erstmal sämtliches Gottgegebene in den Wind. Radikal wird alles verlacht, was ich einst als Fundament, als Gerüst kreierte."

Ahne wächst in der DDR auf, einem Staat, dem die Kirche ein Dorn im Auge ist. In seiner Familie spielt die Kirche keine Rolle, nicht einmal zu Weihnachten. Und doch kommt er, als er nach der Wende eher zufällig zum Mitglied einer Lesebühne wird, auf Gott als Gegenüber für seine Zwiegespräche.

Gottes Credo: Mit der Zeit habt ihr den Alten gern

"Weil mich die Frage, warum jemand glaubt, besonders interessiert", sagt Ahne, "weil ich eben schon so aufgewachsen bin, dass ich nie mit Gläubigen zu tun hatte, also nicht näher zumindest." - Auf der Bühne hat nun wieder Gott das Wort:

"So muss ditt wohl sein, ist eben ein Prozess, so eine Vorstufe von Erwachsenwerden. Erstmal radikal anders, und dann später peu a peu kommt ihr zur Besinnung, merkt: Hey, war ja doch gar nicht mal so schlecht, was der Alte da ausklamüsert hat. Nehme ich euch nicht übel."

Schnoddrig, schlagfertig und philosophisch

Ahnes Gott ist ein bodenständiger Gott, eine Art Ur-Berliner, immer direkt, oft schnoddrig, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Seit 2007 sind fünf Bücher "Zwiegespräche mit Gott" erschienen, immer mit CD, denn den besonderen Reiz der Texte macht die Art des Vortrags aus.

"Na Gott, Na. Weißt du, was ich nicht begreife? - Tja, wo soll man da anfangen? - Ha ha, irre witzig Gott. Von mir ist gerade jemand gestorben. - Von dir? Biste einer weniger jetzt? - Oh Mann, Piatet ist wohl ein Fremdwort für dir, wa? - Schätzchen, Pietät IST ein Fremdwort. - Ja, ja. Ich begreife ihn einfach nicht Gott, den Tod. - Hm, normal."

Keine Auftritte in Kirchen

"Relativ häufig werde ich von kirchlichen Einrichtungen eingeladen 'Zwiegespräche mit Gott' vorzutragen, auch in der Kirche", erzählt Ahne, "das habe ich aber immer abgelehnt und werde es auch weiter ablehnen, weil ich eben finde, in so nen Häusern will ich da niemand vor den Kopf stoßen."

Ahne ist ein an Glaubensfragen interessierter Atheist, und so wird er auch in Zukunft mit seinem ganz persönlichen Gott über eben diesen und die Welt philosophieren.

Ahne: "Zwiegespräche mit Gott. Unter der Fuchtel der Zeit"
Verlag Voland & Quist, Dresden und Leipzig 2019
Buch mit CD, 192 Seiten, 18 Euro

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