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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 07.02.2007

Affentheater um Berliner Zoos

Tierpark und Zoo sollen fusioniert werden

Von Jens Rosbach

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Löwe im Zoo (AP)
Löwe im Zoo (AP)

Der Ostberliner Tierpark soll mit dem Westberliner Zoo fusioniert werden. Die Haushaltslage der Hauptstadt zwingt beide Einrichtungen, künftig unter einem gemeinsamen Dach zu arbeiten. Doch großes Gekreische droht: Der Westberliner Zoo ist eine altehrwürdige Aktiengesellschaft - und einige kritische Teilhaber wollen nicht die "armen Tiere" aus dem Osten aufnehmen.

Sie haben nun einen Verein gegründet, um zu verhindern, dass der defizitäre Friedrichsfelder Tierpark - wie eigentlich geplant - mit der AG fusioniert. Ost- Westklischees machen die Runde; Hardliner beider Seiten kommen sich mächtig ins Gehege.

Brückner: "Also ich bin mittlerweile ein bisschen ein Gegner, immer wieder die Mauer hier in Berlin noch virtuell auferstehen zu lassen. Bloß es ist natürlich klar: Der Tierpark hat ein eigenes Publikum und der Zoo hier in Charlottenburg hat ein eigenes Publikum. Das muss man ganz deutlich sagen."

Staschiok: "Zoo ist Zoo, Tierpark ist Tierpark. Schau´n Sie mal: Köln und Dortmund, die nebeneinander liegen eigentlich, da würde keiner auf die Idee kommen oder sich gefallen lassen, dass der Zoo Köln sagt: Na, Dortmund ist auch unser! Und so geht das nicht, jeder macht seins."

Kolbeck: "Ich hoffe, dass sich solche Befindlichkeitsfragen im Laufe der Zeit ehrlich gesagt auch etwas auswachsen. Und dass es denn nicht mehr so sehr darauf ankommt, Ost gegen West auszuspielen, sondern wirklich zu gucken, wie können wir hier beide Einrichtungen vernünftig und attraktiv betreiben."

Affentheater um die Berliner Zoos. Worum geht’s? Zuerst einmal um Gewohnheits-Tiere. Die Gehege im alten Ostberlin, die Tierpark genannt werden, haben ihr eigenes Stammpublikum – und die Gehege im ehemaligen Westberlin, die Zoo heißen, haben ebenfalls ihren Fankreis. Die Ostberliner Krankenschwester Petra Yasar etwa trottet tagein tagaus in "ihren" Tierpark in Berlin-Friedrichsfelde. Für die Gehege im Westteil der Stadt interessiert sie sich dagegen überhaupt nicht.

"Ich war noch nie im Zoo."

Der Charlottenburger Zoo mit seinem berühmten Aquarium liegt nur 35 Autominuten vom Ost-Park entfernt. Doch Yasars Tierliebe – und die vieler anderer Besucher- endet am alten Mauerstreifen.

Umfrage:
"Ick bin hier geboren, ick bin hier aufgewachsen, die Großeltern sind oft mit mir hierher gegangen und so bleibt’s halt. Ich vererb’s weiter an meine Enkel."
"Alte Einrichtung, sehr weiträumig."
"Und vor allem sind die Gehege größer als die im Zoo sind. Ja, alleine die Elefantenanlage, wenn man die vom Zoo sieht und die vom Tierpark- ist schon ein deutlicher Unterschied."
"Es ist alt vertraut, weil man es immer schon kennt."
"Das gehört mit zu uns, wir sind so genannte Ossis."

Drüben, im Westzoo, wird ähnlich herumtrompetet. Die Tierfreunde dort bleiben ebenfalls gern in ihrem angestammten Revier.

"Hier ist eigentlich besser hier."

Autoschlosser Peter Gräf etwa macht einen Bogen um den Tierpark in Friedrichsfelde, weil er diesen immer noch ziemlich "ostig" findet.

"Na so bisschen schon, die Kantine hat schon den Charme schon noch ein bisschen. Sie geben sich ja Mühe, aber so von den Fliesen und so, das ist eben noch so, wie es aus DDR-Zeiten ist ne."

Umfragen belegen es schwarz auf weiß: Das Publikum des Tierparks besteht zu etwa 75 Prozent aus Ostdeutschen, das Publikum des Zoos zu etwa 75 Prozent aus Westbesuchern. Jeder hält seinen Käfigen "die Stange". Doch nun sollen sich Ost-Tierpark und West-Zoo vereinen. Beide Standorte bleiben erhalten, sollen aber zu einem Wirtschaftsunternehmen fusionieren. Bereits jetzt gibt es ein gemeinsames Management: Kürzlich wurde Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz zum Direktor beider Einrichtungen berufen. Zuvor wurde schon ein gemeinsamer kaufmännischer Leiter eingesetzt: Gerald Uhlich. Uhlich setzt sich dafür ein, dass sich bei der angestrebten Fusion die Tierkolonien nicht "ins Gehege kommen". Deshalb plant er, den weitläufigen Ostzoo zum Safarieland weiter zu entwickeln, den kleineren Westzoo dagegen zum Fotoshooting-Garten mit exotischer Architektur.

"Wir müssen letztendlich vermeiden, dass es zu einem Wettbewerb der beiden Einrichtungen kommt und dadurch, dass wir beide Einrichtungen sehr eng aneinander binden, vermeiden wir eine solche Kannibalisierung bei den Besucherzahlen."

Kannibalisierung der Besucherzahlen - soll heißen: Kein Wildgehege soll dem anderen die Eintrittsgelder abjagen.

Die geplante Vereinigung beider Einrichtungen sorgt nun für einen "tierischen" Krach. Der Hintergrund: Der Zoo ist eine alte Aktiengesellschaft, ihre Anteilsscheine sind zum großen Teil in Westberliner Privatbesitz.

"Diese Aktie ist nach meiner Kenntnis die teuerste Aktie in Deutschland, eine Aktie hat zurzeit einen Kurswert von 2100 Euro."

Die Zoo-Aktie bringt zwar keine Gewinnausschüttung, da die AG gemeinnützig arbeitet. Ihre Besitzer fühlen sich aber den Tieren am Bahnhof stark verbunden und wollen sie vor jedem Übel bewahren – mitunter auch vor den Tieren aus dem Osten. Aktionär Professor Jürgen Brückner etwa kämpft gegen eine Fusion von Zoo und Tierpark mit der Begründung, die Tierpark GmbH arbeite unwirtschaftlich, habe zu viel Personal und zu wenig Besucher – kurzum: sie sei viel zu teuer.

"Wir fürchten, dass der Zoo durch die finanziellen Schwierigkeiten des Tierparks mit in größere Finanzprobleme hineingerissen wird. Das könnte bis zur wirtschaftlichen Insolvenz des Zoos gehen."

Der Rechtslage ist kompliziert: Bereits 1994 hatte der Zoo - auf Wunsch des Berliner Senats – den Tierpark für wenig Geld aufgekauft und als Tochtergesellschaft weitergeführt. Der Westbetrieb, der zwar fünfmal kleiner ist, aber doppelt so viele Besucher hat, sollte die Ostgehege sanieren. Eine vollständige Fusion, also eine Verschmelzung der Ost-Tochter mit der West-Mutter, würde den Zoo nun vollends – mit allen Risiken - in die Pflicht für die Osttiere nehmen. Gerade jetzt, da das Land Berlin seine jährlichen Zuschüsse von rund achteinhalb Millionen Euro für beide Gelände drosseln will. Aktionär Brückner ist deshalb gegen eine Aufnahme der Ost-Tierpark-Herde in die Westzooherde.

"Der Tierpark ist eine GmbH, die damals nach der Wende vom Berliner Senat dem Zoo quasi angedient worden ist, äh… nicht sehr geliebtes Kind. Und es gibt immer wieder Überlegungen, wenn der Zuschuss des Senats weiter absinkt, dass die Zoo AG sich überlegen muss, ob sie nicht die GmbH Tierpark dem Senat wieder zurück schenkt."

Eine absurde Idee, meint Matthias Kolbeck, Pressesprecher der zuständigen Senatsverwaltung für Finanzen. Der Behördenvertreter betont, man möchte den Ost-Tierpark bestimmt nicht zurück geschenkt bekommen.

"Das steht aus unserer Sicht nicht auf dem Programm."

Kopfschütteln auch beim Förderverein des Tierparks. Die Vereinigung der Ost-Tierliebhaber erklärt, die eigenen Gehege seien keine Problem-Gehege. Man habe nur deshalb weniger Publikum als der Zoo, weil der Zoo in der Westberliner City liege - der Friedrichsfelder Tierpark dagegen sei weit weg vom Schuss. Dennoch steige die Besucherzahl ständig an. Förderverein-Chef Thomas Ziolko geht davon aus, dass die Zoo-Aktionäre sich etwas vergaloppiert haben mit ihrer Behauptung, mit dem Tierpark gehe es bergab.

"Also die Entwicklung der Besucherzahlen zeigt ja etwas anderes. Also bei einer positiven Entwicklung von Besucherzahlen kann man ja nicht auf der anderen Seite feststellen, dass die Attraktivität nachgelassen hat."

Die Westberliner Aktionäre sträuben sich dennoch gegen eine Zusammenlegung der Gehege. Aktivist Jürgen Brückner hat jetzt sogar einen Gegenclub zum Ost-Förderverein gegründet: den "Verein der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens Berlin". Mit der 100-köpfigen Vereinsherde will der "Dickschädel" verstärkt gegen die geplante Fusion von Tierpark und Zoo anrennen. Seine Hauptsorge: Bei einer Ost-West-Vereinigung könnte das millionenschwere Westberliner Spendenaufkommen versiegen.

"Viele spenden eben anonym und spenden das an den Zoo hier in Charlottenburg. Und damit ist ganz klar die Intention verbunden, dass dieser Zoo gefördert wird und nicht gleichzeitig also der Tierpark. Und es gibt durchaus unter den Mitgliedern des Fördervereins Besorgnisse, dass dieses Spendenaufkommen, das dem Zoo in Charlottenburg zugedacht ist, dass das dann also – ohne dass die Spender also noch mal gefragt werden - auf beide zoologische Gärten aufgeteilt wird."

Aktiv im neuen West-Fördervereins ist auch ein "Überläufer" aus der Ostherde: Die 68-jährige Gertraud Staschiok. Die Rentnerin war einst Mitglied im Friedrichsfelder Tierpark-Club, trat dann aber hängenden Kopfes aus. Der Hintergrund: Staschiok ist eine große Vogelfreundin. Zu Hause kümmert sie sich um einen rot-weiß- blauen Großsittich. Und bis vor kurzem hatte sie auch eine 1000 D-Mark teure, lebenslange Patenschaft für einen Piepmatz im Ost-Tierpark.

"Und eines Tages kam ich – und der Vogel ist weg. Und meine Patenschaft – das Schild, das sind immer so Schilder – das war auch weg. Oh Gott denk ich, wenn das Schild weg ist, vielleicht lebt er nicht mehr? Ich sag zum Pfleger: wo ist denn mein Vögelchen? Ach das haben wir gewusst, dass Sie sich darüber aufregen! Ich sag, naja, ist er von der Stange gefallen? Nee, den haben wir heute eingepackt, der kommt nach Walsrode zum Vogelpark. Also ich war so schockiert, also nicht, dass der Vogel nach Walsrode kam, aber ich finde es ist un… unmöglich, dass man einen Paten nicht davon informiert."

Staschiok war entsetzt von Gehabe im Gehege. Zu erwähnen ist dabei, dass die Rentnerin eigentlich aus Westberlin stammt, aber nach der Maueröffnung die Ost-Tiere in Friedrichsfelde lieben lernte - und deshalb in den dortigen Förderverein eintrat. Doch im Tierpark-Verein habe sie ständig Sprüche gehört, weil sie aus dem Westen sei, klagt Staschiok, und dann habe es die Sache mit der lieben Lilak und dem bösen Pfleger gegeben.

"Der Zoo Berlin hatte eine Elefantenkuh. Und da der Tierpark ja zwei Herden hat, haben die beiden Zoos sich geeinigt, die kommt nach Friedrichsfelde, da ist eine Herde. Und diese Kuh hat sofort die Leitkuh gespielt, also gemacht. Und alle Tiere wussten Bescheid: ist unsere neue Chefin. Naja, das so eine Chefin auch manchmal ihren eigenen Willen hat, ob Mensch oder Tier spielt keine Rolle. Aber wenn Lilak manchmal ein bisschen nicht so folgsam war oder hat ihren eigenen Willen gehabt, wollen wir mal so sagen. Denn hieß es: Ja - typisch Wessi! Das hat mich geärgert. Und da hab ich gesagt: Wenn Sie Ost-West auf ein Tier übertragen, greifen Sie mich an, ich kann mich verteidigen, aber nicht über das Tier! Das hat mich geärgert."

Grund für die Vogelfreundin, nun in den West-Förderverein einzutreten.

Westverein und Ostverein sind sich – naturgemäß - spinnefeind. Ostchef Ziolko giftet über die Geburt des Gegenspielers:

"Das ist ne Interessengruppe von Aktionären, das ist ein elitärer Club, der wenig dazu beitragen wird, die Entwicklung des Zoos und auch des Tierparks positiv zu gestalten."

Ziolkos Ostverein verfolgt nun eine neue Strategie: Er plant seine Satzung so zu verändern, dass er künftig auch für den Westzoo mit zuständig ist.

"Ich glaube, das ist das richtige Signal, dass das einen Förderverein für beide Einrichtungen gibt, wir brauchen keine separaten Vereine und vor allem auch kein Gegenverein um Professor Brückner."

Großes Geflatter und Geschnatter in Brückners Westclub. Aktivistin Staschiok vermutet, dass der Ostverein durch seine West-Erweiterung fette Beute machen will.

"Der Zoo hat mehr Einnahmen, da kann man doch viel mehr die Gelder, die die Leute auch für den Zoo spenden, die kommen ja denn alle in einen Topf. Offiziell. Und denn können Sie sich vorstellen, dass denn nur diese Sachen gefördert werden, was denen eben am Herzen liegt."

Und den Ostberlinern liegen eben nur die Osttiere am Herzen.

"Ja! - Und jetzt sag ich mir: Die, die da so hochnäsig waren, und die Nase gerümpft haben, ach der Zoo äääch und soo, die sitzen jetzt da und wollen alles an sich greifen. Sie wollen die Macht an sich reißen."

Nein! kräht dagegen der Ostverein, es gehe nicht um Futterneid. Und dementiert ein weiteres Gerücht, das der Buschfunk meldet: Dass der neue, 100-köpfige Westverein vom Ostverein unterwandert werden soll.

"Ja gut, bei 800 Mitgliedern wäre das ein leichtes, glaub ich, für uns. Das ist aber gar nicht unser Ziel. Weil wir nicht unsern Tummelplatz auf der Aktionärsversammlung der Zoo AG sehen, sondern uns geht’s darum, ehrenamtliches Engagement der Stadt zu bündeln. Und die Einnahmen für Zoo und Tierpark gemeinsam zu erhöhen."

Eine Recherche in den historischen Archiven offenbart: Die Berliner Tiergehege waren seit jeher Opfer skurriler Ost-West-Konflikte. Bereits 1952, der kriegszerstörte Charlottenburger Zoo lag zum Teil noch in Trümmern, klagte die damalige Leiterin Katharina Heinroth in einem Interview, aus Ostberlin komme nichts zum Fressen.

"Wir bekommen ja alles Futter aus dem Westen. Das wird hier rüber gebracht mit den Lkws und wir haben enorme Preise für Futter hier. Das belastet uns natürlich auch neben allem anderen. Aber das ist noch das Wenigste."

Viel schlimmer für die damalige Zoochefin: die Besucher aus Ostberlin, die ihre Eintrittskarten mit "Aluchips" bezahlen durften.

"Bei uns ist ja das Schlimmste eben, dass es über, na ja, dreiviertel unserer Einnahmen in Ostmark und die müssen wir immer lustig umtauschen zum Tageskurs. Wir haben also ein Daueraderlass, wie ihn kein anderer Zoo auf der Welt überhaupt kennt. Wir haben eben diese Sonderstellung Berlins, die auch der Zoo ausbaden muss. Jawohl, selbstverständlich!"

Musik: "Kommt alle her! Am besten gleich im Dauerlauf, ich bind Euch keinen Bären auf. Der Berliner Tierpark, seht mal an, wird 30 Jahre, Mann!..."

Im Ost-Tierpark plusterte man sich dagegen hochoffiziell auf. Die Tiere bekamen bereits bei der Eröffnungsfeier 1955 ihren politischen Stempel weg - durch die Anwesenheit des DDR-Staatspräsidenten Wilhelm Pieck. Später wurde die Einrichtung zum Standard-Briefmarkensymbol. 1990, mit der deutschen Vereinigung, erschienen dann Geier über dem Areal: der Tierpark sollte schließen. Ostjugendsender DT 64 ging in Verteidigungsstellung - mit "beißender" Ironie.

"Leute, ist Euch nicht aufgefallen, was für eine Altlast wir da ins vereinte Deutschland mitgeschleppt hätten! Die Tiere sind doch von Ulbrichts Knechten missbraucht worden, um die Spaltung zu zementieren. Und dann: die Extraversorgung in Wandlitz der Tiere. Südfrüchte gab’s da in Massen und es war ja geradezu unverschämt, wie die kaputten Affen genüsslich ihre Bananen schälten, während wir krampfhaft unsere Kinder von den Käfigen fernhielten, damit die keine unangenehmen Fragen nach den gelben Früchten stellen. Also das einzige, was mich am Tierpark beruhigt hatte, war der Fakt, dass die alle hinter Gittern saßen."

Der Tierpark wurde nicht geschlossen – doch kurz darauf bahnte sich ein neuer Ost-West-Streit an, der bis heute fortwirkt. Der damalige Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz wilderte nämlich in der Sponsoren-Landschaft des damaligen Zoochefs Hans Frädrich. Frädrich ging aber letztlich – ganz diplomatisch – auf Schmusekurs.

"Also Doktor Blaszkiewitz mit seinem umwerfenden Charme hat schon einige unserer Spender in Richtung Osten umgepolt, die haben zwar die Kontakte zu uns nicht ganz verloren, aber ich gönn’s ihm von Herzen und auf dem Gebiet gibt’s glaub ich auch keine großen Meinungsverschiedenheiten."

Heute nun heizen die Aktionäre der Zoo AG die Hahnenkämpfe wieder an. Ihre Weigerung, die Friedrichsfelder Tiere in ihr Unternehmen aufzunehmen, beflügelt den Ost-West-Disput. Die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen kapituliert einstweilen vor der Renitenz der Anteilseigner. Pressesprecher Matthias Kolbeck bilanziert:

"Eine Fusion ist deshalb nicht möglich, weil doch gerade - sag ich mal - gerade unter den etwas älteren Westberlinern, die häufig die Inhaber der Zoo-Aktien sind, eine gewisse Angst herrscht, sich wirklich zu vereinigen.
Ich hoffe, dass sich solche Befindlichkeitsfragen im Laufe der Zeit ehrlich gesagt auch etwas auswachsen. Und dass es denn nicht mehr so sehr darauf ankommt, Ost gegen West auszuspielen, sondern wirklich zu gucken, wie können wir hier beide Einrichtungen vernünftig und attraktiv betreiben."

Das Überraschende: Wenn es um den Berliner Senat geht, demonstrieren die Streithähne im Berliner Zookampf plötzlich – lammfromm - Einigkeit. Denn das Land Berlin will seine Zuschüsse für Zoo und Tierpark kürzen. So lästert Thomas Ziolko vom Förderverein des Tierparks schon mal über den Finanzsenator Thilo Sarrazin – genauer: über Sarrazins Tierpark-Besuch im vergangen Jahr.

"Soweit wie ich weiß, ist er von einem kleinen Tiger gebissen worden. Er hatte glaub ich für die Presse einen sibirischen Tiger auf dem Arm und der hat ihn entweder gekratzt oder gebissen. Ist halt ein symbolischer Wert für sich."

Förderverein Ost und Förderverein West sind noch aus einem anderen Grund erbost über die Berliner Landesregierung: Der Senat hat nämlich kürzlich entschieden, dass ein Investor auf einem Rand-Gelände des Westzoos ein Riesenrad bauen darf. Der Zoo bekommt als Ausgleich ein neues Wirtschaftsgebäude und Geld. Die Zoo-Leitung stimmte dem Deal zähneknirschend zu, ist doch der Senat Hauptsponsor des Tiergeheges. Die sonst zerstrittenen Ost- und Westvereine formieren sich nun – Hufe scharrend – zum gemeinsamen Protestzug.

Brückner: "Also die Zustimmung zur Aktion Riesenrad ist also vom Aufsichtsratsvorsitzenden und vom ehemaligen Zoodirektor passiert, aber die Aktionäre sind bisher überhaupt nicht informiert worden und auch über die Problematik unterrichtet worden und auch nicht gefragt worden. Und ich nehme also an, dass auf der nächsten Hauptversammlung hier die Wellen durchaus hochschlagen werden."

Ziolko: "Ich find das unglücklich, dass der Senat sich in so einem wirtschaftlichen Projekt so massiv einsetzt und auch Druck ausübt. Der politische Druck schmeckt mir einfach nicht. Ich glaube, so eine Stadt wie Berlin kann man nur gemeinsam regieren und mir wäre das lieb gewesen, wenn man eine Lösung findet, die von allen Beteiligten getragen wird."

Alles Quatsch, alles nur Affentheater – beruhigt Gerald Uhlich, der kaufmännische Direktor beider Tiergehege, die erhitzten Gemüter. Mit dem Riesenrad könne man leben, die einzelnen Zoo-Aktionäre brauchten auch aus rechtlichen Gründen nicht gefragt zu werden. Und die Fusion, also die Vereinigung der armen Ost- mit den reichen Westtieren, berge keine Gefahren für den guten alten Charlottenburger Zoo.

"Risiken für den Zoo werden in jedem Falle vermieden. Da muss niemand irgendwelche Ängste haben und wenn da Ängste geschürt werden dann ist das unsinnig an der Stelle."

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