Abgesagte Lesung in Magdeburgs Stadtbibliothek löst Debatte über Autonomie der Kultur aus

Im Streit um eine geplante Lesung des Autors Arne Semsrott hat Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris Vorwürfe politischer Einflussnahme zurückgewiesen. Die parteilose Politikerin sagte am Donnerstag im Stadtrat, es habe keine Entscheidung oder Weisung ihrerseits gegeben, die Veranstaltung abzusagen. Der Journalist und Demokratie-Aktivist Semsrott sollte Anfang Juni in der Stadtbibliothek Magdeburg aus seinem neuen Buch über die Macht der Zivilgesellschaft lesen - so war es geplant. Dass er aus der Bibliothek wieder ausgeladen wurde, sorgte für eine Debatte über die Autonomie der Kultur in Sachsen-Anhalt. Die Lesung wird nun an einem privaten Kulturort stattfinden.
Autor Semsrott vermutet, dass seine Lesung in der städtischen Bibliothek aus politischen Gründen abgesagt wurde, um Kritik der AfD zuvorzukommen - das sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Der Journalist leitet das Rechercheportal "FragDenStaat", das unter anderem für die Veröffentlichung der NSU-Akten des Verfassungschutzes gesorgt hat. Für die Schriftstellervereinigung PEN wirft der Vorfall kein gutes Licht auf Magdeburg. Es sei, als ob die politisch Verantwortlichen aus Angst vor der AfD quasi deren Kulturpolitik übernähmen, hieß es.