Abendunterhaltungen für ein gebildetes Publikum

Von Uwe Friedrich |
Vor einigen Jahren hat der italienische Komponist Silvano Bussotti die Schreibweise seines Vornamens in Sylvano geändert. Eigentlich handelte es sich um das Versehen eines französischen Festivalveranstalters, doch als der sich herausredete, das Y erinnere doch an die zur Umarmung geöffneten Arme, gefiel ihm diese Assoziation so sehr, dass er die Änderung übernahm.
Ebenso offen wie für diese charmante Ausrede zeigt sich Bussotti auch für Anregungen seiner Komponistenkollegen. In die Partitur seiner Kammeroper "Silvano – Sylvano" hat er Fotos eingearbeitet, die Notenfetzen sind graphisch nebeneinander gesetzt, Texte wechseln sich ab mit der Musik. Ein "work in progress" also, und so nennt sich auch das Ensemble, das nun zusammen mit der Lautten Compagney zwei Musiktheaterabende um Werke von Bussotti gruppiert hat. Im Werner-Otto-Saal des Berliner Konzerthauses muss das Publikum erstmal um die Tribüne herum und über die Spielfläche laufen, um die Plätze einzunehmen. Links sitzt die Lautten Compagney mit ihren historischen Instrumenten, die im ersten Teil eine "Orfeo"-Kantate des Barockkomponisten Alessandro Scarlatti fein austariert zu Gehör bringt.

Diese Abendunterhaltungen für ein gebildetes Publikum setzten auf die Bekanntheit des Stoffs. Die Anwesenden wussten schon, dass es Orfeo gerade nicht so gut geht, weil er seine Euridice verloren hat. Nun kam es darauf an, den Liebessschmerz möglichst virtuos in anrührende Töne zu packen. Das gelingt Stefanie Wüst recht gut in der zurückhaltenden Regie von Gisbert Jäckel. In "Silvano – Sylvano" agiert sie jedoch überzeugender als Wiedergängerin der legendären Sopranistin Cathy Berberian mit ihren bizarr zerstückelten Koloraturen. An einem Schreibtisch sitzt der Sprecher Peter Penewsky als Alter Ego des Komponisten und rekapituliert durchaus selbstverliebt einige Stationen seines Künstlerlebens. Da kommt ein attraktiver Lateinamerikaner herein und baggert ihn mächtig an, ein schmucker Jüngling versucht, ihn vom äußersten abzuhalten. Ein Tenor und Bariton kommentieren das Geschehen weitgehend unverständlich und die übrigen Musiker produzieren dazu zeitgenössische Klänge, die sich jedoch verblüffend schnell abnutzen und geschwätzig wirken. Der Regisseur Gisbert Jäckel vermag dem Stück auch nicht aufzuhelfen, da er allzu brav sitzt der Sprecher an seinem Tischchen im Schein der Leselampe und lässt die Szenen über sich ergehen. Gerhardt Müller-Goldboom leitet die Musiker akkurat an, doch auch das konnte das Wohlwollen des anwesenden Komponisten nicht sichern. Er saß da, applaudierte nicht und ließ sich hinterher auch nicht auf die Bühne bitten.