Seit 20:03 Uhr Konzert
Sonntag, 24.10.2021
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Interview / Archiv | Beitrag vom 30.09.2006

"80 Prozent der Lehrstellen werden vom Mittelstand angeboten"

Mittelstandspräsident fordert mehr Engagement der Großkonzerne am Ausbildungsmarkt

Ein Auszubildender lötet eine elektronische Schaltung. (AP)
Ein Auszubildender lötet eine elektronische Schaltung. (AP)

Zum Beginn des neuen Lehrjahres hat der Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, Mario Ohoven, ein stärkeres Engagement der deutschen Großkonzerne am Ausbildungsmarkt gefordert. Die 43.000 Lehrstellenbewerber, die nach Schätzung der Bundesregierung ohne Ausbildungsplatz blieben, könnten "fast alle" beschäftigt werden, würden die großen Unternehmen ihrer Verantwortung gerecht werden.

Im Deutschlandradio Kultur sagte Ohoven am Samstag, "80 Prozent der Lehrstellen werden vom Mittelstand angeboten. Es wäre gut, wenn die Großkonzerne jede Menge mehr tun würden. Sie sind dazu in der Lage und können das ändern." Der Arbeitgebervertreter wies allerdings darauf hin, dass unter den 43.000 Bewerbern 29.000 aus dem Vorjahr stammten, die wegen fehlender Qualifikationen leer ausgingen.

Ohoven verwahrte sich gegen Kritik von Gewerkschaftsseite: "Die von den Gewerkschaften gern heraufbeschworene Lehrstellenkatastrophe findet auch in diesem Jahr nicht statt. Die Wirtschaft hält erneut den 2003 beschlossenen Ausbildungspakt ein." So böten die deutschen Betriebe 4000 Lehrstellen mehr an als im Vorjahr an und dies geschehe, so Ohoven wörtlich, "trotz miserabler Rahmenbedingungen". Es kämen sehr viele Lehrlinge mit schlechter Vorbildung aus der Schule.

"Sonderprogramme oder eine Ausbildungsplatzabgabe bringen überhaupt nichts, wenn nur an den Symptomen herumkuriert wird." Hier seien in erster Linie die Schulen gefordert. Die Lehrer müssten viel enger mit den potentiellen Ausbildungsunternehmen zusammenarbeiten. "Es wäre auch sinnvoll, wenn unsere Lehrer, wie im Nachbarland Dänemark, Betriebspraktika absolvieren müssten. Unsere Ausbilder können jedenfalls nicht die Nachhilfelehrer der Nation sein", sagte Ohoven.

Die hohe Ausbildungsvergütung sei ein weiteres Problem, welches gerade kleine Unternehmen außerordentlich belaste. Deshalb schlägt der deutsche Mittelstand eine leistungsabhängige Differenzierung der Azubi-Entgelte vor. Das hieße 300 Euro Grundgehalt plus Zuschläge für gute Leistungen in der Berufsschule oder im Betrieb. Auch halte er die Finanzierung von berufsvorbereitenden Praktika durch staatliche Mittel für sinnvoll.

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Saudi-ArabienKlimafreundlicher mit Ölförderung?
Ein saudischer Mann schaut durch ein Flugzeugfenster, durch das eine Ölraffinerie zu sehen ist. (AFP / Giuseppe Cacace)

Saudi-Arabien verdient viel Geld mit dem Erdölexport. Dennoch will es unabhängiger vom Öl werden. Eine Wende in der Klimapolitik? Es gehe eher um wirtschaftliche und politische Motive, sagt der Energie-Experte Tobias Zumbrägel von der NGO Carpo.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur