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Tonart | Beitrag vom 20.10.2020

65. Geburtstag von Komponist Thomas NewmanMeister der leisen Zwischentöne

Vincent Neumann im Gespräch mit Mascha Drost

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Filmkomponist Thomas Newman bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles, 2020. (picture alliance / Invision / AP Photo / Jordan Strauss)
Thomas Newman schuf den unvergessenen Soundtrack von "American Beauty". (picture alliance / Invision / AP Photo / Jordan Strauss)

Vielleicht geht Thomas Newman als der ewige Oscar-Nominierte in die Filmmusikgeschichte ein. Möglicherweise weil er keine großen Melodien, sondern eher feinfühlige Untermalung schuf. Unvergessen dürfte jedoch seine Musik für "American Beauty" bleiben.

Thomas Newman gehört seit vielen Jahren zu den gefragtesten Komponisten in Hollywood, mit Soundtracks zu Filmen wie "American Beauty", dem Weltkriegsdrama "1917", "Findet Nemo" oder den letzten beiden James-Bond-Abenteuern "Skyfall" und "Spectre". Doch trotz aller Erfolge und mittlerweile 15 Oscar-Nominierungen blieb ihm die Auszeichnung bislang verwehrt.

Das muss frustrierend sein, zumal wenn man, wie Newmann, der am 20. Oktober seinen 65. Geburtstag feiert, aus einer Filmkomponistendynastie stammt und unter anderem auch den vielfach ausgezeichneten Songwriter Randy Newman ("Short People") zu seinen Verwandten zählt.

Experimentierfreudige Soundtracks

Dass Newman ein Händchen für die Zwischentöne hat, steht für den Musikjournalisten Vincent Neumann außer Frage, auch sei er sehr experimentierfreudig, setze Zither, Hackbrett oder Drehleier ein. Der Komponist stehe für feinfühlige Musik: "Zum Beispiel beim Score für 'American Beauty' entschied er sich dafür, überwiegend perkussive Instrumente einzusetzen, um, wie er sagte, das moralische Dilemma dieses Films nicht zu untergraben, nicht mit großen Melodien zuzukleistern und emotional zu sehr aufzuladen und diese empfindliche Balance der Mehrdeutigkeit aufrechtzuerhalten."

Umgekehrt könne aber genau dies auch der Grund dafür sein, dass Newman bei den Oscars bislang immer leer ausgegangen sei, mutmaßt Neumann. "Dass seinen Soundtracks oft die große Melodie fehlt, dieses Einprägsame, das ist an vielen Stellen sicherlich beabsichtigt. Aber an manchen Stellen wünscht man sich dann doch mal eine große Melodie, die man wiedererkennt, die mal variiert werden kann."

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So stamme bezeichnenderweise der von Adele gesungene Titelsong aus "Skyfall", der zum Hit wurde, nicht von Newman selbst, sondern von einem anderen Komponisten.

Doch habe Newman ja noch ein wenig Zeit für den Oscar, sagte Neumann weiter. Ennio Morricone, beispielsweise, wurde diese Ehre erst mit 87 zuteil. Und vielleicht werde es dann eben ein Ehren-Oscar, wie bei anderen Kollegen.

(mkn)
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