60 Jahre Mauerbau

    Die geteilte Literatur

    08:41 Minuten
    Ein Bauarbeiter fügt 1961 Steine zur Berliner Mauer hinzu, ein Volkspolizist beobachtet ihn dabei.
    Stein für Stein wurde 1961 ein Land und damit auch seine Literatur geteilt. © picture alliance / dpa / Bratke
    Alexander Moritz im Gespräch mit Susanne Burkhardt · 25.06.2021
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    Der Mauerbau vor knapp 60 Jahren hat nicht nur die Gesellschaft in Ost und West getrennt, sondern auch die Literatur. Die Mauer war eine künstlerische Einschränkung, aber sie hat auch zur literarischen Auseinandersetzung angeregt.
    Als sich am 13. August 1961 die Nachricht verbreitete, dass in Berlin der Bau einer Mauer mitten durch die Stadt begonnen worden war, waren die Folgen noch nicht abzusehen. Die Stadt und ganz Deutschland stand unter Schock. Als die Mauer immer unüberwindbarer wurde, wurde zunehmend klar, wie tief die Teilung ging. Sie erfasste die ganze Gesellschaft und damit auch die Literatur.
    Mit den Folgen des Mauerbaus für die Literatur beschäftigt sich die Tagung "Der geteilte Himmel" im Literaturhaus Leipzig. Schriftstellerinnen wie Katja Lange-Müller oder Kerstin Hensel und Schriftsteller wie Christoph Hein, Lutz Rathenow oder Peter Wawerzinek berichten, wie die Mauer sie und ihr Werk beeinflusst hat.
    Denn ignorieren ließ sich diese Grenzbefestigung kaum. So fand die Mauer auch Eingang in die Literatur. Das berühmteste Beispiel ist sicher der Roman, der der Tagung den Namen gegeben hat: "Der geteilte Himmel" von Christa Wolf.

    Laienlyriker für die Mauer

    Aber auch Kerstin Hensel hat ihre Erfahrungen mit der Mauer in ihren Gedichten verewigt, sagt Alexander Moritz, Landeskorrespondent für Sachsen. "Und einer geht, der hat genug vermisst", schreibt Hensel 1986, als einer ihrer Künstlerfreunde die DDR verlassen hat.
    Es habe aber auch Pro-Mauer-Literatur gegeben in der DDR, sagt Moritz. Oft von Laienlyrikern, die durch den sogenannten "Bitterfelder Weg" zur Kultur gekommen waren. Werktätige sollten Gedichte schreiben, heraus kamen Werke mit Titeln wie "Keiner kommt durch, Genossen". Gerade Angehörige der Grenztruppen fühlten sich zur Schriftstellerei berufen.
    Die Mauer war ganz klar eine Einschränkung, auch künstlerisch. Gleichzeitig hat sie vieles in der Gesellschaft der DDR stabil gehalten und vielen eine Motivation gegeben, zu schreiben. Wobei die Wege zur Literatur ganz unterschiedlich waren. Während Katja Lange-Müller am Literaturinstitut in Leipzig studiert hat, hat sich Peter Wawerzinek in der Ost-Berliner Subkultur im Prenzlauer Berg herumgetrieben.

    Ouzo auf den Mauerfall

    Als dann nach über 28 Jahren, am 9. November 1989, die Mauer fällt, ist das für viele erst einmal kaum zu glauben. Peter Wawerzinek schafft es irgendwann zu einem Griechen nach Kreuzberg und lässt sich mit Ouzo volllaufen.
    Katja Lange-Müller hingegen ist längst ausgebürgert und wundert sich an diesem Abend, warum so wenige Leute zu ihrer Inszenierung kommen. Am nächsten Tag fährt sie in einem vollgestopften Zug vom Ruhrgebiet nach Ost-Berlin.
    (beb)
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