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Interpretationen | Beitrag vom 22.08.2021

500. Todestag von Josquin Desprez - eine diskographische AnnäherungMeister aller Noten

Moderation: Michael Stegenmann

Renaissance-Komponist Josquin Desprez. (imago / Leemage)
Martin Luther bezeichnete Josquin Desprez als "der Noten Meister", obwohl dieser viele Jahre für den Papst komponierte. (imago / Leemage)

Als die ersten Notendrucke erschienen, verkauften sich die Werke von Josquin Desprez europaweit am besten. Auch heute gilt sein Schaffen als Höhepunkt der Musik um 1500. Ein diskographischer Überblick: von "gut gemeint" bis "exquisit".

Die Zeit um 1500 ist eine Ära der Veränderung. In Europa endet  das, was wir heute als "Mittelalter" betrachten, Schiffe unter spanischer Flagge erreichen die Küste Amerikas, ein deutscher Mönch legt sich mit dem Papst an und in Italien wird die klassische Antike wiederentdeckt.

Und auch die Musik entwickelt sich so schnell wie nie zuvor: aus den wohlgeordneten Klängen der gotischen Mönchsgesänge entsteht die raffinierte Kunst des Kontrapunkts, der Kombination mehrerer Stimmen.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Die Werke von Josquin Desprez, dessen Name in vielen Schreibweisen bekannt ist, stechen daraus hervor: Die reine Anzahl, aber auch die hohe Qualität und Vielfalt seiner Werke beeindruckten Zeitgenossen ebenso wie Nachgeborene. Entscheidend ist dabei die gerade erfundene Technik des Buchdrucks, die in ihrer Anwendung auf Noten die Verbreitung  von Musik immens beschleunigt. Und die Werke von Josquin lohnen sich für die Drucker besonders, denn sie sind europaweit beliebt.

Mehr Noten als Fakten bekannt

Nicht nur Josquins Name, auch der Zeitpunkt seiner Geburt gibt Rätsel auf: Er wird in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Norden Frankreichs geboren und erhält seine musikalische Ausbildung wahrscheinlich als Chorknabe an einer der dortigen Klosterkirchen.

Als Sänger steht Josquin zunächst im Dienst des französischen Königs, bevor er im Gefolge des ebenso mächtigen wie kunstliebenden Kardinals Ascanio Sforza nach Italien gelangt, zuerst in Mailand und danach in der päpstlichen Kapelle in Rom musiziert, wo er in der Sängerkanzel der Sixtinischen Kapelle wohl persönlich seinen Namen hinterließ. Sein Graffito wurde dort bei Restaurierungsarbeiten entdeckt.

Der Größte seiner Zeit

Obwohl er sein Leben lang Katholik bleibt, zahlreiche lateinische Messen vertont und einige Jahre im Dienst des Papstes arbeitet, wird er von Martin Luther als "der Noten Meister" bezeichnet und für den größten Musiker seiner Zeit gehalten. Auf Josquin können sich eben alle einigen. Seine Musik verbreitete sich in Europa im großen Stil.

Das  bietet einen Einblick in seine Biographie.

Den zeitlosen Rang von Josquins Musik bezeugen auch die vielen Aufnahmen, die Michael Stegemann vorstellt. Sie reichen von ersten Produktionen unter der Leitung von Nadia Boulanger bis zu historisch informierten Aufnahmen von der Capella Amsterdam unter Daniel Reuss oder den britischen Tallis Scholars, geleitet von Peter Phillips. 

Auch die Sendung Chormusik setzt sich mit verschiedenen Josquin-Aufnahmen auseinander: .

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