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Interview | Beitrag vom 28.08.2019

50 Jahre PerlenflascheAls das Mineralwasser in Form gebracht wurde

Peter Zec im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Eine Glasperlenflasche zwichen den beiden Hälften ihrer Gussform (Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB))
Praktisch, handlich, ästhetisch: die Perlenflasche. (Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB))

Vor 50 Jahren wurde ein Standard für Mineralwasserflaschen eingeführt: Die Normbrunnenflasche. Ein Klassiker des zeitlosen Designs. Design-Experte Peter Zec, erklärt warum.

Mit ihren 230 Perlen ist sie wohl die zweitberühmteste Taille unter den Getränkeflaschen: die deutsche Mineralwasserflasche. Offiziell Normbrunnenflasche genannt. Im Volksmund: Perlenflasche. An den gläsernen Noppen erkennt man sofort, was drin ist, selbst wenn mittlerweile auch stilles Wasser darin verkauft wird.

Die Perlenflasche ist seit 50 Jahren Alltag in Deutschland. Am 28. August 1969 beschlossen in Bonn 142 Vertreter der Genossenschaft Deutscher Brunnen, die Perlenflasche als gemeinsame Pfandflasche einzuführen. Bis dahin hatte jeder Brunnen seine eigenen Flaschen, was für das Pfandsystem sehr umständlich war. Nach einer Übergangsphase mit Bügelverschlüssen kam die 0,7-Liter Perlenflasche mit Schraubverschluss. Die ist so robust, dass sie bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden kann. 

"Zeitlos schön"

In dieser Idealvariante eines Designobjekts verbindet sich Ästhetik mit Funktion. Der Kommunikations- und Designberater Peter Zec lobt im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur die "wunderbare Haptik" der Flasche. Sie sei "sehr handlich gestaltet", gebe einem das "Gefühl der Frische" und sei "zeitlos schön". 

Zahlreiche Perlenflaschen stehen in verschiedenen Größen in eriner Vitrine. (Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB)/ Stefan Daub)Die Perlenflasche schafft es Designklassiker auf Küchentische und in Ausstellungen (Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB)/ Stefan Daub)

Entworfen hat sie der Designer Günter Kupetz, einer der Wegbereiter des deutschen Designs, das bisher nur "Formgeber" und "Gestalter" kannte, so Zec. Im ursprünglichen Entwurf habe die Flasche noch keine Perlen gehabt. Für den Puristen Kupetz sei das "unverschämtes Dekor" gewesen. Die hat sich der Grafiker Lothar Michalski ausgedacht. Herausgekommen sei "einer der ersten Glanzpunkte bundesdeutschen Industriedesigns".

Die Perlenflasche gibt es mittlerweile nicht nur aus Glas, sondern auch aus Plastik. Laut Genossenschaft Deutscher Brunnen ist der Mineralwasserverbrauch von zwölf Litern pro Kopf auf 140 Liter im Jahr angestiegen.

(leg)

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