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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.09.2016

50 Jahre dffbVon den wilden Besetzerjahren an der Filmakademie

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Ausschnitt aus der Foto-Wand-Kollage der Sekretärin Helene Schwarz, die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) arbeitet. (dpa / Mike Wolff)
Ausschnitt aus der Foto-Wand-Kollage der Sekretärin Helene Schwarz, die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) arbeitet. (dpa / Mike Wolff)

50 Jahre ist die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin alt - und hat einiges durchgemacht: In den 68ern wurde sie von Studenten besetzt, darunter war auch der zukünftige RAF-Terrorist Holger Meins. Der damalige Dozent Ulrich Gregor erinnert sich an die Tage der Besetzung.

Heute vor 50 Jahren wurde die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin gegründet - feierlich eröffnet vom damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt. Der erste Jahrgang ist legendär. Viele Studierende schrieben später selbst Filmgeschichte: Wolfgang Petersen und Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, Helke Sander - auch der spätere RAF-Terrorist Holger Meins war Student an der dffb.

Ulrich Gregor, der später mit dem Kino Arsenal und dem Internationalen Forum des jungen Films bei der Berlinale Karriere gemacht hat, war in den Gründungsjahren der dffb Dozent für Filmgeschichte. Er erinnert sich noch an den Ausbruch "68er-Revolution" an der Akademie:

Der Lehrbetrieb an der Akademie sei damals mehr oder minder zusammengebrochen. Es wurden sogenannte Wochenschauen produziert über die Geschehnisse an der Akademie.

Politisierung bis hin zum Absurden

"Dann wurde die Akademie zeitweilig außer Betrieb gesetzt, von den Studenten besetzt. Die Politisierung nahm einen solchen Umfang an und geriet auf Gleise, die mehr oder weniger absurd waren. Und die Protagonisten dieser Ereignisse haben dann später, wenn man sie darauf ansprach, schnell davon abgelenkt und wollten nicht mehr darüber reden. Das war ein Irrweg, leider."

Ulrich Gregors Film-Geschichtsseminar, in dem er die sowjetischen Stummfilmklassiker von Sergej Eisenstein, Wsewolod Pudowkin und Dziga Vertov gezeigt hatte, scheint den politisierten Studenten jedenfalls in nachhaltiger Erinnerung geblieben zu sein; vor allem die Filme Vertovs, die für den politisch engagierten Dokumentarismus und die Nutzung der Filmsprache in einer agitatorischen Manier standen:

"Als die Akademie besetzt wurde, da wurde die Akademie umbenannt in Dziga-Vertov-Akademie. Und es hing ein großes Transparenz aus dem Gebäude, in dem sie untergebracht waren. Dziga-Vertov-Akademie war da zu lesen. Und das war sozusagen mein Erfolg, dass ich diese Filme publik gemacht hatte. Und sich daran Diskussionen knüpften." (lk)

50 Jahre Film- und Fernsehakademie DFFB - Ein Beitrag von Christiane Habermalz

Mehr über die Geschichte der dffb gibt es hier.

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