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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 14.08.2015

40 Jahre "Rocky Horror Picture Show"Im Schloss der Transvestiten

Von Simonetta Dibbern

Der Schauspieler Tim Curry als Frank N. Furter. (imago)
"The Rocky Horror Picture Show" - Die Story ist eine wilde Parodie auf Horrorfilme, B-Movies und Burlesque-Shows. (imago)

Was da am 14. August 1975 in die Kinos kam, kann heute zurecht als Kultfilm bezeichnet werden. Die "Rocky Horror Picture Show" begeisterte mit ihrer mehr als skurrilen Story zu Beginn vor allem Studenten. In der breiten Masse startete der Streifen erstmal als Flop.

Brad und Janet, frisch verlobt, sind in ein Gewitter geraten und suchen Zuflucht in einem verfallenen Schloss. Es ist der bucklige Diener, der ihnen öffnet. Und sie hereinbittet, nein: geradezu hineinzieht in die schrille Welt seines Hausherrn Frank N. Furter.

Laszive Tänze, obszöne Blicke, groteske Verkleidungen: der Planet Transsexual ist ein Transvestitenparadies. Und der Time Warp, der Zeitsprung, mit dem der Abend für Janet und Brad beginnt, ist das Initiationsritual zu einer Party, die alle Register zieht: Horror und Lust, Verführung, Verrücktheit, Vergnügen und Tod – mit perfekten Fummeln und Frisuren. Und so gerade noch an der Grenze des guten Geschmacks. Das biedere Pärchen kommt aus dem lustvollen Entsetzen gar nicht mehr heraus.

Der Drehbuchautor und Komponist Richard O'Brien gibt Riff-Raff, den seltsamen Diener. Die irische Schauspielerin Patricia Smith die erotische Magenta, seine rotgelockte Gegenspielerin. Und die Rolle des Frank N. Furter, sexlüsterner Wissenschaftler und der androgyne Hohepriester der Show, übernimmt Tim Curry.

"Ich fand das Buch sehr geistreich und lustig. Es war das effizienteste Drehbuch, das ich seit langem gelesen hatte. Und ich wusste: Das war was Besonderes. Trotzdem habe ich erst gezögert. "Diese Figur wirst du nie wieder los", dachte ich mir. Aber es war wirklich gut – da hab' ich das Risiko gerne in Kauf genommen."

"Der Film war ein totaler Flop"

Die Story des Musicals ist eine wild-wirre Parodie auf Horrorfilme, B-Movies und Burlesque-Shows. Geschrieben von dem neuseeländischen Schauspieler Richard O'Brien, nachdem er bei dem Musical "Jesus Christ Superstar" in London rausgeflogen war. Zusammen mit ein paar Kollegen brachte er seine Rocky Horror Show auf die Bühne - und es begann eine märchenhafte Erfolgsgeschichte: die 63 Sitzplätze im kleinen Royal Court Theatre in Chelsea waren jeden Abend ausverkauft. Bald zog die Truppe um in ein größeres Londoner Theater. Danach weiter in die USA: der Erfolg im legendären Roxy Theatre in Los Angeles bereitete schließlich den Weg nach Hollywood. Einige grandiose amerikanische Künstler wie Susan Sarandon und Meat Loaf sollten, zusammen mit dem Londoner Ensemble, die Kinokassen klingeln lassen. Am 14. August 1975 war Premiere in London, danach erst der Kinostart in den USA. Doch die Rechnung, erzählt Patricia Smith, die von Anfang an dabei war: ging erst mal nicht auf.

"Der Film war ein totaler Flop. Und bei 20th Century Fox konnten sie nichts damit anfangen. Bis ein brillanter Kopf auf die Idee kam, ihn an allen großen amerikanischen Universitäten auf dem Campus zu zeigen – und zwar um Mitternacht. Das war perfekt. Da kam dann schon ein sehr seltsames Völkchen zusammen."

Kleine Kinos. Ungewöhnliche Anfangszeiten, eine Story zwischen Glamour und Trash - vor allem in New York wurde die Rocky Horror Picture Show als sogenannter Midnight Movie zum Kult. Die Londoner Schauspieler konnten es kaum glauben.

"Es war unglaublich! Der Film animierte das Publikum, mitzuspielen und an bestimmten Stellen zu reagieren. Sie schickten uns eine Kassette mit den Zwischenrufen und erzählten, die Leute sind so aufgemacht wie ihr!"

Feste Rituale beim Kinopublikum

Die Rocky Horror Picture Show begann ein Eigenleben zu führen, der Film wurde zum Event, das überall auf der Welt denselben Spielregeln folgte: das Kinopublikum warf Reis bei der Hochzeitsszene, spritzte mit Wasserpistolen beim Gewitter und hat sich für die Sprechpausen ein eigenes Drehbuch geschrieben: mit Kommentaren und ironischen Zwischenrufen. Als der Film zwei Jahre später auch in den deutschen Kinos anlief - unsynchronisiert übrigens –, wurden die Rituale der anglophonen Fangemeinde gleich mit übernommen.

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