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Tonart | Beitrag vom 19.02.2020

40. Brit Awards in LondonDie Bühne als politische Plattform

Natalie Klinger im Gespräch mit Mascha Drost

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Der britische Grime- und Hip-Hop-Künstler Stormzy tritt während der Verleihung der BRIT Awards 2020 und der Live-Show am 18. Februar 2020 in London auf. (AFP/ Adrian Dennis)
Position bezogen: Stormzy und andere Künstler nutzten ihren Auftritt bei den diesjährigen Brit Awards für politische Statements. (AFP/ Adrian Dennis)

Die britische Musikindustrie hat ihre erfolgreichsten Künstler gekürt. Vor den Brit Awards wurde Kritik laut: Nur wenige Frauen wurden nominiert. Die Debatte schlug sich auch in der Veranstaltung nieder. Doch es gibt Hoffnung auf Veränderung.

Bei der Verleihung der 40. Brit Awards am Dienstagabend in London hat sich die Debatte um die geringe Anzahl nominierter Musikerinnen auch in der Veranstaltung niedergeschlagen: Denn 24 von 25 Nominierungen, die sowohl an Männer als auch Frauen hätten gehen können, waren an Männer gegangen, berichtet Natalie Klinger aus London.

Unter den Ausgezeichneten waren auch Frauen, aber entsprechend wenige: So bekam zum Beispiel US-Sängerin Billie Eilish den Preis als beste internationale Künstlerin. Die Newcomerin Mabel wurde als beste britische Künstlerin ausgezeichnet. 

Den Preis als bester internationaler Künstler erhielt der US-Rapper Tyler the Creator. Der schottische Singer-Songwriter Lewis Capaldi wurde als Bester Nachwuchskünstler und für die Single des Jahres ("Someone You Loved") geehrt. Als bester britischer Künstler wurde wie schon 2018 der Rapper Stormzy ausgezeichnet. 

Ironische Kommentare zum Thema Frauen-Anteil

Dass nur so wenig Frauen nominiert waren, ist bereits im Vorfeld vielfach kritisiert worden. Beispielsweise vom britischen Rapduo D-Block Europe, die als beste Band nominiert waren. Sie sagten, die Musikindustrie sei ein Männerspiel, man müsse nur mal schauen, wer an der Spitze der Labels sitze.

Auf der Preisgala selbst thematisierten zahlreiche Beteiligte die Diskussion. Der Moderator, der Komiker Jack Whitehall, tat dies mit einem Witz. Die Umwelt sei dieses Jahr bei vielen Preisverleihungen schon Thema gewesen, im Sinne der Nachhaltigkeit hätten die Brits alle möglichen Ausreden recycelt, warum so wenig Frauen nominiert wurden.

Ebenfalls mit Ironie arbeitete die britische Schauspielerin und Sängerin Paloma Faith, die den Preis für Tyler the Creator verkündete: Sie sagte, sie dürfe eine sehr unterrepräsentierte Gruppe verkündigen: die Männer. Stormzy, der bereits zum zweiten Mal als bester britischer Künstler ausgezeichnet wurde, bedankte sich explizit bei den Frauen in seinem Team.

Veränderung durch #BritsSoWhite

Zur Frage nach den Chancen, dass künftig mehr Frauen nominiert werden, zieht Natalie Klinger den Vergleich zu 2016. Damals waren nur Weiße nominiert, es gab einen Aufschrei, etwa unter dem Twitter-Hashtag #BritsSoWhite. Dieser Aufschrei habe Wirkung gezeigt, meint Klinger. In diesem Jahr haben männliche schwarze Rapper abgeräumt: Stormzy, Dave, Tyler the Creator.

Darüber hinaus hätten sich weitere Musiker politisch geäußert - auch zu Themen jenseits der Diskussion um nominierte Frauen. So hängte etwa der Südlondoner Rapper Dave einen improvisierten Vers an seine Ballade "Black" an, in dem er politische Skandale wie den des abgebrannten Grenfell-Hochhauses anprangerte oder etwa Reparationen für Sklaverei forderte. 

Insgesamt seien die Brit Awards noch immer eine Parade der Musikindustrie - so auch die diesjährige Preisverleihung. Kommerzieller Erfolg stehe im Vordergrund. Doch es gebe auch Hoffnungsschimmer, so Klinger. Denn: "Künstler haben die Bühne wieder als politische Plattform verstanden."

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