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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.07.2018

392. Wartburgkonzert Tänzerisches vom Paganini aus Lemberg

Moderation: Ulrike Jährling

Die Ensemblemitglieder des Wrocław Baroque Orchestra stehen mit ihren Instrumenten dicht beieinander (Wrocław Baroque Orchestra)
Eine musikalische Gemeinschaft aus Leidenschaft: das Barockorchester Wrocław. (Wrocław Baroque Orchestra)

Das Barockorchester Wrocław bringt eine Entdeckung mit nach Eisenach: Musik von Karol Lipiñski. Er war ein Wunderkind, von Paganini erbte er eine wertvolle Geige. In seinen Werken orientierte er sich an seinem Vorbild Wolfgang Amadeus Mozart.

Der polnische Komponist, Violinist und Dirigent Karol Lipiñski war zu Lebzeiten ein hochgeschätzter Mann. Daran lassen die Zeilen aus dem Leipziger Tageblatt von 1835 keinen Zweifel:

"Lipinski ist da. Diese drei Worte reichen für den Musikfreund vollkommen hin, um alle seine Pulse in Bewegung zu setzen. Wir werden uns wohl hüten, irgendein anderes Wort zur Empfehlung des großen Künstlers zu gebrauchen als seinen Namen. Wer diesen nicht kennt, der mag zu der Strafe verdammt sein, den andern Paganini nicht gehört zu haben."

Mit Paganini traf er in Italien zusammen und spielte mit ihm etliche Konzerte. Daraus erwuchs eine musikalische Freundschaft, die darin ihren Beweis fand, dass Paganini verfügte, dass Lipiñski eine seiner wertvollen Geigen erhalten sollte. Welche künstlerische Verbeugung. 

Ein reisender Freund der Schumann-Familie

Der Komponist und Musiker war ein reisender Freund der Schumann-Familie, in Dresden wurde er schließlich heimisch. In seiner Sinfonie B-Dur setzt er auf eine reiche Bläserbesetzung, die ein gewisses "polnisches" Idiom verbreitet - gerade das tänzerische Menuett mit den zahlreichen Oboen-Soli. Das Jugendwerk beweist: Mit den Wiener Klassikern hat sich Lipiñski ausführlich beschäftigt.

Österreich: Mozarts Geburtshaus, Salzburg  (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)In diesem Haus in Salzburg lebte Wolfgang Amadeus Mozart für eine lange Zeit - wenn er nicht gerade auf Reisen war. (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)

Das Reisen war auch Mozarts Alltag. Mit Kutsche und Schiff, als kleines Kind schon, mal in Familie, mal nur mit dem Vater unterwegs.

Italien als Inspirationsquelle

Aus dem Süden kommend, brachte der junge Mozart unvollendete Manuskripte mit, die er zu Hause in Salzburg um 1772 weiter bearbeitete, voller Anregungen der reichen italienischen Musikszene. So entstand sein Divertimento KV 183, auf Reisen begonnen, zu Hause vollendet und als Unterhaltungsstück auf höchstem Niveau gedacht.

Musik des jungen Mozart - überschwänglich und mitreißend

Unterhaltung auf der einen Seite schaffen, Erstaunen des Könners auf der anderen Seite befriedigen. So sollte Mozart komponieren, so lehrte es ihm der eigene Vater. Dies beachtend komponierte er zwei Jahre später die A-Dur-Sinfonie KV 201. Hier arbeitete Mozart mit hübschen Kontrasten: Im Andante spielen die Geigen mit Dämpfern und erhalten damit einen regelrecht silbrigen, sphärischen Klang; im letzten Satz komponierte Mozart ein launiges Finale voller Überraschungsmomente.

Eine Aufzeichnung des Konzertes vom 7. Juli 2018 im Palas der Wartburg, Eisenach

Karol Lipiñski
Sinfonie B-Dur op. 2 Nr. 3 "Sinfonia avec Accompagnement de plusieurs Instruments"

Wolfgang Amadeus Mozart
Divertimento F-Dur KV 138

Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201/186a

Barockorchester Wrocław
Leitung: Jarosław Thiel

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