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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.08.2017

387. WartburgkonzertFranzösischer Geist und deutsche Romantik

Aus dem Palas der Wartburg, Eisenach

Porträt des französischen Komponisten Gabriel Faure (1845-1942). (imago stock&people)
Porträt des französischen Komponisten Gabriel Faure (1845-1942). (imago stock&people)

Frankreich und Deutschland, die Nachbarländer zu beiden Seiten des Rheins: das war, kulturell gesehen, eine lange währende Geschichte von gegenseitiger Faszination und polemischer Abgrenzung. In diesem Wartburgkonzert wird sie musikalisch durchgespielt.

Esprit und Gefühlsintensität, elegante Geschliffenheit und grüblerische Vertiefung: natürlich kann das alles mit- und nebeneinander bestehen und sogar wunderbare Synthesen eingehen. Im französisch-deutschen Verhältnis allerdings betonte man lange Zeit eher die Unterschiede – manchmal ehrlich patriotischen Herzens, öfter freilich unter mehr oder minder durchsichtigen politisch-ideologischen Vorzeichen.

Die Kunstwerke selbst allerdings wussten es eigentlich schon immer besser – und dieses Konzert im Palas der Wartburg, einer gerade im Luther-Jahr vielfach national aufgeladenen Stätte, kann das aufs Beste beweisen. Nicht nur wegen seiner internationalen Besetzung mit fünf Künstlern aus ebenso vielen Geburtsländern, die hier als Berlin-Quintett harmonisch miteinander agieren und beweisen, wie durchlässig inzwischen die (Kunst-)Welt geworden ist; sondern auch, weil fast jedes der aufgeführten Stücke zeigt, wie die beiden Kulturräume  gerade in den stark national geprägten Zeiten der Romantik und Frühmoderne durch eine Art kommunizierender Röhren miteinander verbunden waren. Sei es, dass Robert Schumann in seinem Es-Dur-Klavierquartett eine rhythmische Agilität zeigt, die kaum ohne die Entwicklungen in der damaligen "Musik-Welthauptstadt" Paris denkbar ist; oder dass Gabriel Fauré in seinem späten Klarinettentrio, schon tief im 20. Jahrhundert, noch einmal jene herbstlich resignativen Farben beschwört wie dreißig Jahre vorher Johannes Brahms in seinen Klarinettensonaten – ebenfalls letzten, Bilanz ziehenden Werken und unter der gleichen Opuszahl 120…


387. Wartburgkonzert

Palas der Wartburg, Eisenach

Aufzeichnung vom 12.08.2017


Gabriel Fauré

Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello d-Moll op. 120

Maurice Ravel

"Pavane pour une infante défunte", bearbeitet für Violoncello und Klavier

Olivier Messiaen

Thème et variations für Violine und Klavier

Claude Debussy

Première Rhapsodie für Klarinette und Klavier

Johannes Brahms

Sonate für Viola und Klavier Es-Dur op. 120 Nr. 2

Robert Schumann

Klavierquartett Es-Dur op. 47


Berlin Quintett:

Máté Szücs, Viola

Shirley Brill, Klarinette

Marlene Ito, Violine

Andreas Timm, Violoncello

Michèle Gurdal, Klavier

Konzert

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