30. Geburtstag im Kinderfunk
Seit 30 Jahren bestreitet der Kakadu unser Kinderprogramm. © Deutschlandradio - Bettina Straub
Wie der Kakadu zum Radio kam – und warum er blieb

Seit 30 Jahren hat Deutschlandfunk Kultur einen Vogel: Der Kakadu platzte ungefragt in die Kindersendung und gab ihr damit ihren Namen. Heute ist er immer noch da, ist vorlaut und bringt die Kinder zum Lachen – und die Redakteure zur Verzweiflung.
Während wir damals noch nach einem Namen für unsere neue Kinderfunksendung suchten, schuf ein ziemlich außergewöhnliches Tier am 1. Mai 1996 einfach selbst Tatsachen.
Es war ein regnerischer Tag. Ich war der zuständige Redakteur und eigentlich lief alles nach Plan: eine ganz normale Kinderfunksendung über seltene Tiere. Ich saß zuhause am Frühstückstisch und hörte mit – Routine. Doch plötzlich war da nicht mehr das zu hören, was wir vorbereitet hatten. Stattdessen: ein wildes Flattern. Die damals noch üblichen Bandmaschinen stoppten, sprangen wieder an, eierten herum – und gaben schließlich komplett ihren Geist auf.
Im Studio kämpfte Moderator Jürgen König hörbar mit einem Vogel. Kein kleiner Piepmatz, sondern ein großes, ziemlich durchsetzungsstarkes Tier mit scharfem Schnabel und kräftigen Krallen. Innerhalb weniger Minuten zerlegte es gefühlt das halbe Studio – besonders die Bandmaschinen hatten es ihm angetan. Augenzeugen erzählten später sogar, der Vogel sei pfeifend auf den Geräten „Karussell gefahren“.
"Kakaduuu!"
Was dann passierte, war echter Kinderfunk: improvisiert, lebendig, mutig – und mit Hilfe der Zuhörerinnen und Zuhörer. Über die noch funktionierende Telefonanlage schalteten sich Kinder dazu, halfen beim Beruhigen des Tieres und bei der entscheidenden Frage: Was ist das überhaupt für ein Vogel? Die Antwort: ein Kakadu.
Die ersten Verständigungsversuche scheiterten. Doch dann, ganz plötzlich, sprach er. Seine ersten Worte: „Sagt einmal, habt ihr noch Federn parat?“ Damit war die Namensfrage erledigt. Noch am Ende der Sendung krächzte er zum ersten Mal sein legendäres: „Kakaduuuu“.
Und er ist geblieben. Seitdem lebt der Kakadu bei uns im Kinderfunk von Deutschlandradio – und hat es sich ziemlich gemütlich gemacht. Er mischt sich ein, kommentiert, stellt Fragen, bringt Kinder zum Lachen, manchmal auch Redakteurinnen und Redakteure an den Rand der Verzweiflung.
Frech, vorlaut – und manchmal nervig
Ja, er nervt auch. Nicht selten sogar. Laut, frech, ungeduldig – und grundsätzlich der Meinung, dass seine Ideen die besten sind. Aber wir haben uns daran gewöhnt. Mehr noch: wir haben ihn liebgewonnen. Ohne ihn würde etwas fehlen.
Was er heute macht? Eigentlich alles. Er ist Gesprächspartner, Stichwortgeber, gelegentlich Nachrichtenpapagei, manchmal fast so etwas wie ein heimlicher Chefredakteur. Themenvorschläge kommentiert er gern lautstark – und es kommt durchaus vor, dass er etwas „ablehnt“, indem er es einfach überkrächzt. Immer aber ist er neugierig – interessiert sich für alles, was in der Welt passiert.
Und natürlich will er auch versorgt werden. Füttern hilft – zumindest manchmal. Am besten funktionieren Nüsse (wenig überraschend), aber auch Aufmerksamkeit. Viel Aufmerksamkeit. Und LIEBE!
Mit der Zeit bekam er Gesellschaft: Tiger und Spinne Stella kamen dazu. Ob sie sich immer vertragen? Sagen wir so: Es geht meist gut – aber ein bisschen Gezanke gehört offenbar dazu. Ganz ruhig wird es mit diesem Trio jedenfalls nie.
Große Geburtstagsparty im Radio
Deutschlandfunk Kultur feiert Kakadus Geburtstag mit einer Sondersendung am 1.Mai. Von 8 Uhr bis 12 Uhr gehört der Vormittag dann komplett den Kindern und dem Kakadu. Und sogar der RIAS Kammerchor will ein Ständchen bringen.
Seit dem 1. Mai 1996 ist der Kakadu nun fester Bestandteil des Programms. Mit Beiträgen, Features, Interviews, Kindernachrichten, Hörspielen und seit Jahren auch mit Podcasts – viele davon preisgekrönt. Aktuell ist unser Kakadu Kinderpodcast für den Deutschen Podcast Award nominiert!
Frech, vorlaut und sehr neugierig – aber immer mit Herz und Humor. Und ganz ehrlich: Diesen Vogel hätten wir uns so nie ausdenken können.









