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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.11.2017

28 Jahre Mauer, 28 Jahre MauerfallGlück, Freiheit, Gier und Hoffnungslosigkeit

Peter Wawerzinek im Gespräch mit Dieter Kassel

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Menschen strömen vom Westteil Berlins zum Übergang Potsdamer Platz. Nach der Maueröffnung durch die DDR wurde drei Tage später, am 12.11.1989, am Potsdamer Platz ein neuer Grenzübergang eingerichtet. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Mauerfall: Einer der bewegendsten Momente in der deutschen Geschichte (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Heute vor 28 Jahren fiel die Mauer - und 28 Jahre davor wurde sie gebaut. Wir haben den Schriftsteller Peter Wawerzinek um einen persönlichen Rückblick gebeten. Sein persönliches Fazit: "Es ist schon alles ganz gut geworden."

28 Jahre nach dem Mauerfall hat jeder Bundesbürger seine eigenen Erinnerungen an das Ereignis. Trotz Freiheitsgewinn und mehr Wohlstand gibt es in den neuen Bundesländern auch viele enttäuschte Hoffnungen. Der Schriftsteller Peter Wawerzinek wollte diesen nachspüren und nebenbei als Stadtschreiber von Dresden der Metropole ihr gutes Image zurückgeben - doch das ist schwieriger als gedacht. Wawerzinek hat den entsprechenden Text momentan auf Halde liegen.

"I have a dream von Dresden"

Im Deutschlandfunk Kultur sagte Wawerzinek, er habe noch keinen richtigen Ansatz gefunden, um über Dresden und seine Zeit dort zu schreiben. Er werde wohl an der Realität vorbeischreiben, das sei aber nicht schlimm, so der Autor: "I have a dream von Dresden - in diese Richtung wird der Text gehen." Es werde vor allem um diejenigen gehen, die traurig darüber seien, dass ihre Stadt in Verruf geraten sei.

Der Schriftsteller Peter Wawerzinek zu Gast im Deutschlandradio Kultur.  (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)Der Schriftsteller Peter Wawerzinek: Der Dresden-Text liegt auf Halde (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

In der Stadt werde sich über eine "lange Zeit" vermutlich nicht groß etwas verändern, sagte Wawerzinek. Hoffnungslosigkeit und Unzufriedenheit sieht er dort nach wie vor, auch wenn er nach eigenen Angaben nicht wirklich sagen kann, wo die in einer wirtschaftlich starken, schönen Stadt wie Dresden eigentlich herkommen.

Hoffnungslosigkeit kommt von Gier

Als möglicher Grund für fremdenfeindliche und autoritäre Mentalitätsbestände fällt Wawerzinek nur ein böses Gefühl ein: Hoffnungslosigkeit komme immer von einer "gewissen Gier", sagte der Schriftsteller: "Alles ganz schnell und gleich zu haben und wenn das nicht passiert, dann wird man eben aggressiv hoffnungslos."

Wawerzinek selbst hat zum großen Teil sehr gute Erinnerungen an Mauerfall und Nachwendezeit. Er habe sofort Einladungen zu Lesungen in den Westen bekommen: "Für mich ging das richtig gut los und ich hatte damals schon gedacht, so kann das bleiben." Sein persönliches Fazit: "Es ist schon alles ganz gut geworden." (ahe)

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