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Fazit | Beitrag vom 01.08.2019

175 Jahre Berliner ZooGeschichte und Zukunft der Tierpark-Architektur

Natascha Meuser im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Zwei große Elefanten aus Stein auf deren Rücken Säulen thronen, die mit einem geschwungen Dach miteinander verbunden sind. Das ist das Elefantentor im Berliner Zoo. (imago images / Schöning)
Elefantentor des Berliner Zoos: Exotismus war adäquat für das 19. Jahrhundert, sagt Natascha Meuser. (imago images / Schöning)

Der Berliner Zoo ist 175 alt – und damit der älteste Deutschlands. Wie die Gestaltung der Tierparks sich seitdem verändert hat, erklärt die Architektin Natascha Meuser. Für die Zukunft wünscht sie sich eine ökologischere Ausrichtung.

Wenn man sich dem Haupteingang des Berliner Zoos nähert, sieht man zwei steinerne Elefanten: Die tragen zwei großen Säulen und diese wiederum ein Pagoden-Dach. Groß und gewaltig ist dieses Elefantentor, das in den Berliner Zoo führt.

Dieses Tor signalisiere einen besonderen Ort in der Stadt, erklärt Natascha Meuser, Architektin und Professorin an der Hochschule Anhalt: "Allein durch die Größe der Skulpturen und durch das Motiv des Tieres weiß jeder: Hier ist ein Zoo."

Architektur erzählt Geschichten

Gebäude, die an buddhistische Bauwerke und Tempel aus fernen Ländern erinnern, findet man in Zoos häufig. "Das ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt: Warum man sich ausgerechnet im Zoo immer so stilistischen, schon fast Disneyhaften-Motiven, bedient", so Meuser, "das ist ja auch das Kernproblem des Zoos. Dass man immer mit diesen Motiven spielt seit jeher. Also Mitte des 19. Jahrhunderts waren es die exotischen Motive und jetzt sucht man sich irgendwas adäquates, womit man eine Geschichte erzählen kann."

Die Architektur des Zoos müsse sich verändern. Man brauche nicht mehr große Geschichten über die Architektur erzählen, da die Menschen heutzutage durch Reisen, Fernsehen und Internet wüssten, wie es in andern Ländern aussehe: "Was wir jetzt brauchen, ist ein ganz anderes Zeichen im Zoo: Wir beschäftigen uns mit der Umwelt, mit einem neuen Bewusstsein für das Tier. Und ich glaube, das muss der Zoo auch architektonisch zukünftig besser kommunizieren", so Meuser.

Weg vom Eventcharakter

In den 1970er Jahren habe es schon mal eine moderne Tendenz gegeben, erklärt Meuser. Großbauten seien aus Zoos verschwunden, die Architektur habe der Natur Raum gelassen. Allerdings sei gerade in den vergangen zehn Jahren die Inszenierung des Zoos und dessen Markenkraft in der Stadt wieder sehr wichtig geworden.

"Ich glaube, dass der Zoo viel weniger Event braucht und viel leiser sein darf", so Meuser. Es würde wieder eine größere Besinnung auf die Ökologie stattfinden und das müsse sich auch in der Architektur wiederspiegeln.

(nho)

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