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Studio 9 | Beitrag vom 10.01.2017

100. Todestag Buffalo BillDer Erfinder des Wildwest-Mythos

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William Cody, alias Buffalo Bill  (imago/ZUMA press)
William Cody, alias Buffalo Bill (imago/ZUMA press)

Ende des 19. Jahrhunderts war William Cody alias "Buffalo Bill” der berühmteste Amerikaner der Welt: lebende Legende, nebenbei guter Reiter und Schütze und Pionier des modernen Showgeschäfts. Mit seiner Wildwestshow inszenierte er einen Mythos des Wilden Westens, den es so schon nicht mehr gab. Vor 100 Jahren starb er.

"Du meine Güte! Er ist es! Heh Joe, komm her, Mary, Lizzy, Buffalo Bill ist hier! Das ist Buffalo Bill! Buffalo Bill!"

William Frederick Cody aus dem ländlichen Iowa, als der Vater starb, musste er ran, und so hatte er mit zwölf seinen ersten Indianer umgelegt und mit vierzehn bereits als Goldgräber, Viehtreiber und Fallensteller gearbeitet.

Er wurde Postreiter und Büffeljäger beim Eisenbahnbau, versorgte die Arbeiter mit Fleisch und schoss 69 Büffel an einem Tag! Fortan hieß der Mann Büffel-Willi: Buffalo Bill.

Und er war natürlich Soldat: im Bürgerkrieg und in den langen Kriegen gegen die Prärieindianer, wo er bei einem Gefecht nicht nur seinen Hut, sondern auch einen Teil seines Skalps verlor; zumindest war dies ein Teil der Geschichte, die der Groschenheftautor Ned Buntline über den illustren Westmann Buffalo Bill verfasste.

Alles maßlos übertrieben, aber Cody fand es lustig – besonders, als diese mythische Geschichte an der Ostküste auf die Bühne kam und Buffalo Bill sich selbst spielen durfte!

Im Winter auf der Bühne, im Sommer Scout

Ein paar Jahre lange pendelte er fortan, im Winter stand er auf der Bühne, im Sommer arbeitete er als Scout für die Armee.

Aber im Mai 1883 gründete er seine eigene Wild-West-Show - für die ganze Familie, mit echten Cowboys und Indianern und einigen Promi-Stars wie der Scharfschützin Annie Oakley, die ihrem Ehemann eine Zigarette aus dem Mundwinkel schoss.

Es gab Jagdszenen mit lebenden Büffeln, Gemetzel mit Indianern, Postkutschenüberfall, jede Menge Lasso-Tricks und Stunts und vor allem General Custers letztes Gefecht am Little Big Horn.

Senator: "Wir brauchen Männer Ihres Schlages, um diese Wilden zu vernichten. Sie müssen mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden!"
Bill Cody: "Es gibt auch Weiße, die man vernichten sollte.
Senator: "Ich verstehe Sie nicht..."

Sitting Bull als Attraktion

Ein Scoop war, dass Cody den Häuptling Sitting Bull in der Show auftreten ließ - diesen Häuptling der Sioux, der nach allgemeiner Auffassung die Hauptschuld trug an dieser erbärmlichen Niederlage der Weißen gegen die Indianer, die gerade mal ein Jahrzehnt zurücklag.

Sitting Bull, der sein Reservat nicht allein verlassen dufte und deshalb gern das Angebot von William Cody annahm, in seiner Wild West Show aufzutreten. Schließlich musste er da nichts anderes tun als ein paar Runden vor dem schockierten Publikum auf und ab zu reiten - von Codys Kostümdesigner farbenfroh mit wüstem Federschmuck ausstaffiert.

Und dafür kriegte er zwanzig Mal so viel Geld wie der Indianerpolizist im Reservat, der ihn kurz nach seinem Gastspiel verhaftete und erschoss!

Aber allein Sitting Bulls Auftritt bewies doch bereits, wie großzügig der weiße Eroberer war, indem er dem sich wehrenden und mordenden Indianer nichts nachtrug. Und dieses Bild des noch traditionslosen Landes auf die Weltbühne zu tragen, wurde zu William Codys Mission: Identitätsbildung durch eine Show! (Bei Donald Trump funktioniert das heute noch.)

Wildwestspektakel mit großer Entourage

Musical "Annie get your gun": "Wer zeigt den wilden Westen wirklich wild? Wer ist der Mann, der uns als Vorbild gilt? Wer ist es, den man sehen muss und sehen will? Wer? Oberst Buffalo Bill!"

100 Weiße und 97 Indianer schiffte Cody dann über den Atlantik, 180 Pferde, 18 Büffel, Elche, Rinder, Esel und zwei Rentiere führten Queen Victoria zu ihrem Thronjubiläum vor, wie es in Amerika so zuging - wobei die Indianer natürlich nur das Beiwerk für die Heldentaten der Weißen waren als Rothäute, die im Sonnenuntergang von ihren Pferden geschossen werden!

"Männer und Frauen, jung und alt, in Städten und Dörfern, verließen ihre Arbeit, um das leuchtende Antlitz des Abenteurers, Pfadfinders und Jägers aus dem fernen Westen zu sehen."

30 Jahre funktionierte das in Amerika und auch in Europa, wobei die Show immer größer wurde, bis das Interesse an dem Wildwest-Spektakel nachließ und zuletzt der Bankrott drohte.

Aber der Mythos, den es in die Welt gesetzt hatte, funktionierte weiter – der von Buffalo Bill und der von Freiheit und Gerechtigkeit mit der Waffe in der Hand. Und als William Cody 1917 starb, gab es Ehrenbezeugungen vom englischen König George, von Kaiser Wilhelm und Präsident Woodrow Wilson – und von den Sioux-Indianern, die fanden, sie hätten einen Freund verloren.

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