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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.12.2019

100 Jahre PäckchenVon den Päckchenwochen zum Online-Shopping

Margret Baumann im Gespräch mit Shanli Anwar

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Historische Pakete im Eisenbahnmuseum in Brüssel. (imago/viennaslide)
Seit 1920 gibt es das Päckchen - "den kleinen Bruder" des Pakets. (imago/viennaslide)

Viele Millionen Päckchen werden in der Weihnachtszeit in Deutschland verschickt: Manche sind liebevoll zusammengestellt, die meisten nüchterne Warensendungen vom Online-Händler. Der Erfolgszug des Päckchens begann allerdings in Kriegszeiten.

Es war der Startschuss zu einem Erfolgsprodukt: Vor genau 100 Jahren kündigte die Deutsche Reichspost an, dass zusätzlich zum großen Paket, "ab dem 1. Januar 1920 die neue Sendungsart Päckchen zur Beförderung angenommen wird". Bis zu einem Kilogramm schwer durfte es sein, der Preis lag bei 60 Pfennig.

Ganz neu war die Idee der kleinen Sendung nicht: "Zuvor gab es bereits sogenannte Päckchenwochen in der Zeit des Ersten Weltkriegs", erzählt Margret Baumann von der Deutschen Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte: Der Erfolg des Päckchens resultiere aus dieser Zeit.

Stricksocken für Soldaten

Angehörige von Soldaten konnten damals für 20 Pfennig, was ein vergleichsweise geringer Preis war, solche Dinge wie gestrickte Socken, Kleidung und Lebensmittel an die Front schicken. Je nachdem, wo die Soldaten im Feld waren, hätten sie aber auch umgekehrt Päckchen in die Heimat gesendet, sagt Baumann.

Auch damals schon gab es, lange vor der Zeit des Online-Shoppings, ein extrem hohes Postaufkommen: Soldaten und ihre Familien blieben so miteinander in Kontakt. Allerdings nutzten sie dafür nicht in erster Linie die Päckchen, sondern Feldpostbriefe und Feldpostkarten, die kostenlos verschickt werden konnten. 28 Milliarden von ihnen seien insgesamt während des Ersten Weltkriegs verschickt worden. "Das war ein Postaufkommen, wie es heute tatsächlich an Weihnachten ist – und das täglich", so Baumann.

Weihnachtspäckchen für Bedürftige

Heute werden Päckchen deutlich häufiger vom Online-Händler als von Angehörigen verschickt. Den persönlichen Bezug einer solchen Sendung gebe es aber weiterhin, meint Baumann. Zu Geburtstagen, zu besonderen Feiertagen und Anlässen würden weiterhin Päckchen versandt. Außerdem würden bei Weihnachtsaktionen Päckchen für Bedürftige gepackt. Aber das übliche Weihnachtsgeschenk seien inzwischen Gutscheine, so Baumann.

Ein wichtiges Jahr in der Geschichte des Päckchens war 1993. Damals richtete die Deutsche Post Frachtzentren außerhalb und am Rand von großen Städten ein. Zuvor seien Päckchen "versackt" worden und wurden mit der Bahnpost verschickt, erzählt Baumann. "Es war ein Prozess, bei dem, so heißt es, ein Paket durch 20 Hände ging." Die Umstellung auf das neue System sei ein weitsichtiger Schritt gewesen. "Wenn alle Paketpostämter noch in den Innenstädten wären, dann wäre das ein relatives Chaos."   

(jfr)

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