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Kompressor | Beitrag vom 28.05.2019

100 Jahre erster Schwulenfilm"Anders als die Anderen" war 1919 ein politischer Skandal

Wieland Speck im Gespräch mit Shanli Anwar

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Filmszene aus "Anders als die Anderen": Ein Mann legt seine Hand um den Kopf eines anderen. ( film & kunst GmbH/ Richard Oswald Film)
Der Film "Anders als die Anderen" erschien vor 100 Jahren. Eine DVD des Films ist bei Edition Filmmuseum erschienen. ( film & kunst GmbH/ Richard Oswald Film)

Regisseur Richard Oswald verursachte vor 100 Jahren mit "Anders als die Anderen" einen kleinen Skandal. Dass darin die Abschaffung des "Schwulenparagrafen" 175 gefordert wurde, sei ein Affront gegen das ehemalige Kaiserreich gewesen, sagte Wieland Speck.

Mit der Tragödie "Anders als die Anderen" gelang Regisseur Richard Oswald vor 100 Jahren, im Mai 1919, eine Premiere: Der weltweit erste Schwulenfilm lief in den Kinos an. Die Geschichte über den Violinisten Paul Körner und seinen Studenten, in den er sich verliebt, endet mit dem Selbstmord der Hauptfigur. "Es war zu dem Zeitpunkt das erste Mal in der Gesellschaft, dass über Homosexualität gesprochen wurde", sagte Wieland Speck, ehemals Panorama-Leiter der Berlinale und Mitbegründer des Teddy Awards, im Deutschlandfunk Kultur. 

Der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld - "der Vater der Schwulenbewegung" - war ein Autor des Films und tritt darin auf. Er forderte im Film die Abschaffung des Paragrafen 175, der Homosexualität unter Strafe stellte. "Das war natürlich ein politischer Affront gegen das alte Deutschland, also gegen das Kaiser-Deutschland", sagte Speck. Denn der Paragraf 175 sei ein preußischer gewesen, der bei anderen deutschen Ländern bei der Gründung des Reiches 1871 nicht überall auf Verständnis gestoßen sei.

Heute hat der Film teilweise ukrainische Untertitel

Der Film wurde 1920 verboten, danach zerstückelt. "Die Fragmente des Films flogen quer durch die Welt", erzählte Speck. Vor wenigen Jahren seien Stücke in Buenos Aires gefunden worden, davor in der Ukraine. "Deshalb ist der Film, wenn man ihn heute sieht, nicht ganz vollständig und hat beispielsweise Teile mit ukrainischen Untertiteln drin." 

(ske)

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