10 Jahre Ebay-Kleinanzeigen

Die "Tschuligom"-Erfahrung

06:41 Minuten
Auf ebay Kleinanzeigen kann man fast alles kaufen - auch ein Großsegler wurde schon angeboten.
Auf ebay Kleinanzeigen kann man fast alles kaufen - auch ein Großsegler wurde schon angeboten. © dpa / picture alliance / Julian Stratenschulte
Moderation: Axel Rahmlow · 09.09.2019
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Wer im Internet etwas verkaufen will, erlebt manchmal skurrile Situationen. Eine Sammlung solcher Erlebnisse findet sich in dem Buch "Was isch letzte Preis?" Dessen Autor hat eine Erklärung, warum die Kommunikation manchmal so enthemmt ist.
Seit zehn Jahren gibt es in Deutschland das Verkaufsportal "Ebay-Kleinanzeigen". In dieser Zeit wurde auf der Plattform jede Menge Zeug verkauft - und es gab es viele lustige und skurrile Inserate und ebensolche Verhandlungen zwischen Verkäufern und potentiellen Käufern.
Einige davon findet man nun in dem Buch "Was isch letzte Preis? Die lustigsten Kleinanzeigen und Verkaufsdialoge". Hinter der Sammlung steckt Marcel, der öffentlich nicht mit seinem vollen Namen auftreten will. Er präsentiert die gesammelten Kleinode auch auf Facebook und Instagram.

Zwei Welten, die aufeinander prallen

Vor allem durch die Anonymität des Internets würden, anders als bei der persönlichen Kommunikation, Hemmschwellen fallen, ist Marcel überzeugt: "Dadurch entstehen sehr skurrile Situationen. Oft auch, weil bei Ebay-Kleinanzeigen zwei Welten aufeinanderprallen, die im echten Leben so nicht aufeinanderprallen würden. Das ist eine Art von Humor, die immer wieder neu ist."
Das Kleinanzeigenportal sei so zu einer eigenen Welt geworden. Es habe sogar eine ganz eigene Sprache kreiert, ist sich Marcel sicher. Für diese habe er eine eigene, bei den Nutzern beliebte Vokalliste erstellt: mit Begriffen, die bei Verkaufsverhandlungen benutzt werde könnten – etwa "Tschuligom", eine Falschschreibung von Entschuldigung.

Hunderte Zusendungen am Tag

Der Aufwand, um die Anzeigen zu sichten - laut Ebay kämen pro Minute 500 neue hinzu -, sei sehr groß, berichtet Marcel. Innerhalb von eineinhalb Jahren habe er allein auf der Facebook-Seite 1500 Postings veröffentlicht. Jeden Tag erhalte er 300 bis 400 Zusendungen von Dingen, die Leute erlebt oder gesehen haben. "Das ist ein riesiger Verwaltungsaufwand, der sich alleine kaum noch wuppen lässt." Was ihn antreibe, sei die Leidenschaft, Menschen zu unterhalten, so Marcel.
(rzr)
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