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Kompressor | Beitrag vom 19.11.2018

10 Jahre Ballhaus NaunynstraßeDer Zustand permanenter Beunruhigung

Tanisha Vicky Germain und Wagner Carvalho im Gespräch mit Shanli Anwar

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Ballhaus Naunynstraße, Kreuzberg (imago/Schöning)
Zehn Jahre postmigrantisches Theater: Das Ballhaus Naunynstraße in Berlin. (imago/Schöning)

Das Ballhaus Naunynstraße in Berlin ist eine Institution des postmigrantischen Theaters: Als es gegründet wurde, erzählte man dort vor allem deutsch-türkische Geschichten. Heute geht es auch um postkoloniale und queere Perspektiven.

Das Ballhaus Naunynstraße feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einem Performance-Festival unter dem Motto "Permanente Beunruhigung": 23 internationale Künstler und Künstlerinnen kommen in Berlin in neuen Konstellationen zusammen, um nach zwei Tagen spontaner gemeinsamer Arbeit eine Performance auf die Bühne zu bringen.

Die gesellschaftliche Vielfalt im Blick

Damit soll zugleich auch das postmigrantische Theater gefeiert werden, wie es das Ballhaus Naunynstraße als Theaterinstitution verkörpert. Wagner Carvalho ist seit 2013 künstlerischer Leiter. Seither hat sich das Theater verändert: Lag der Fokus am Anfang zunächst eher auf deutsch-türkischen Geschichten, hat sich das Spektrum seither stark erweitert.

Tanisha Vicky Germain und Wagner Carvalho sitzen im Sendestudio und lächeln in die Kamera.  (Ballhaus Naunynstraße)Unsere Studiogäste: Tanisha Vicky Germain und Wagner Carvalho. (Ballhaus Naunynstraße)

"Seit 2013 haben wir mehr schwarze Künstler und die Queer-Perspektive bei uns platziert", sagt Carvalho. "Und wir sprechen weniger über Identität, über Herkunft. Das interessiert uns in diesem Kontext nicht. Denn eine vielfältige Gesellschaft, die sich durch Zuwanderung neu definiert, ist Bestandteil des Daseins. Die Stadt wird dadurch reicher."

Die Besonderheit des Ballhauses Naunynstraße sei, diese gesellschaftliche Vielfalt von Anfang an widergespiegelt zu haben. In Berlin leiste dies ansonsten nur noch das Maxim-Gorki-Theater. Abseits dessen passiere leider nicht viel.

"Die Erde bewegt sich"

Die haitianisch-amerikanische Medienaktivistin Tanisha Vicky Germain, die gemeinsam mit anderen Künstlerinnen innerhalb von 48 Stunden eine Performance erarbeiten wird, ist beeindruckt von der Institution Naunynstraße. Zum Titel des Jubiläumsprogramms "Permanente Beunruhigung" sagt sie:

"Es gibt Beunruhigung. Die Erde bewegt sich - nicht nur dadurch, dass sich die Menschen zwischen Kontinenten bewegten - zu Fuß, mit Booten, mit Flugzeugen -, sondern auch in Bezug auf den Post-Kolonialismus." Dieser mache einer Art Afro-Futurismus Platz. Zugleich beobachte sie eine um sich greifende Angst beziehungsweise eine Spiel mit der Angst.

Doch sie selbst habe sich nicht für die Panik, sondern für die Stärke und das Glücklichsein entschieden - und lasse dies auch in ihre Arbeit einfließen. 

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(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 04.06.2012)

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