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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.10.2009

Worte der Wende: Sanfte/Friedliche Revolution

Von Thomas Brussig

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Beginn der Gespräche am Runden Tisch in Warschau, 1. Februar 1989. (AP Archiv)
Beginn der Gespräche am Runden Tisch in Warschau, 1. Februar 1989. (AP Archiv)

Die friedliche Revolution vor 20 Jahren befreite nicht nur die Sprache, sie schuf auch neue Begriffe wie den Besserwessi. Die Schriftsteller Thomas Brussig (Ost) und Ulrike Draesner (West) erinnern jeden Tag an eine dieser Neuschöpfungen.

Es ist umstritten, ob es sich 1989 um eine Revolution handelte. Es kursieren auch die Begriffe Putsch, Machtwechsel, Zusammenbruch, Auflösung, und und und. Warum es sich um keine Revolution handeln soll, weiß ich nicht. Schließlich änderten sich die Machtverhältnisse, die Staatsform – und der Druck ging von der Straße aus. Wer weiß, was wir von der Französischen Revolution halten würden oder von der Oktoberrevolution, wenn es damals schon das Fernsehen gegeben hätte und wir nicht dem glauben müßten, was die Gemälde zeigen. Wenn es danach ging – das, was 1989 in der DDR stattfand, würde sich doch mindestens ebenso ergreifend malen lassen.

Revolution oder nicht: Das Gewaltlose war das Revolutionäre. Dass diese Revolution friedlich war, ist ein kleines Wunder. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn unter uns heute welche lebten, die damals bei einem Lynchmob dabei waren oder in eine demonstrierende Menge geschossen hätten. Eine friedliche Revolution war ein Novum, und daß sie tatsächlich friedlich verlief, ist ein Verdienst aller Beteiligten. Ein Verdienst der Protestbewegung, die nicht nur die Gewaltlosigkeit forderte, als sie am Anfang stand, sondern auch dann durchhielt, als sie stärker war – aber auch ein Verdienst der anderen. Daß die Verantwortlichen bei Stasi, Polizei und Armee an einem bestimmten Punkt alles über Bord warfen, was sie über den Umgang mit Konterrevolutionären gelernt hatten – das war vielleicht ihr einzigster, gewiß aber ihr größter Verdienst.

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