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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.11.2009

Worte der Wende: Ostalgie

Von Thomas Brussig

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Hotelzimmer im "Ostel", einem DDR-Hostel im in Berlin. (AP)
Hotelzimmer im "Ostel", einem DDR-Hostel im in Berlin. (AP)

Doch, doch, das ist schon richtig, dass die DDR-Nostalgie ein eigenes Wort bekommt: Ostalgie. Denn während die normale Nostalgie völlig selbstverständlich ist, weil ja jeder weiß, dass es früher besser war, trifft die DDR-Nostalgie auf den Widerstand des offiziösen Geschichtsbildes, der Aufarbeitung, der Enquete-Kommission, der Historiker und Juristen.

Totalitäres Regime oder Zweite Deutsche Diktatur oder SED-Staat. Das ist ja richtig, aber leider machen die nostalgischen Gefühle der Menschen auch um die DDR keinen Bogen – und so haben wir sie, die Ostalgie. Diejenigen, die sie fühlen, spüren die Fragwürdigkeit ihrer Gefühle, und diejenigen, die sie bekämpfen, spüren, wie ohnmächtig sie diesem Phänomen gegenüberstehen.

Hallo, liebe Ossis, wir sollten uns schon erlauben, die DDR in der Erinnerung schön zu finden – aber wir dürfen nicht glauben, dass wir uns ein vernünftiges DDR-Bild aus unseren heutigen Gefühlen bauen können.

Liebe Wessis, wenn ihr uns Ossis erlebt, wie wir mit leuchtenden Augen von damals erzählen: Wir wollen ja nicht die DDR wiederhaben. Wir machen nur etwas, was jeder Mensch gern tut: Wir erinnern uns. Und Erinnern ist bekanntlich nur ein anderes Wort für Vergessen, denn man erinnert sich nur an das Schöne. Glückliche Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis und reiche Erinnerungen.

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