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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.11.2009

Worte der Wende: Einheit oder Einigkeit

Von Ulrike Draesner

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Mauerreste in Berlin (AP)
Mauerreste in Berlin (AP)

Fährt man von Berlin über die Autobahn Frankfurt Oder nach Storkow, also mitten hinein ins Brandenburgische, kommt man, hat man die Landstraße einmal erreicht, einige Alleen, Starenkästen und Felder passiert, in einen kleinen Ort namens Rieplos.

Ein Langdorf, die eine Straße herab, vieles renoviert, vieles DDR-farben verputzt. Dann macht die Straße zwischen flachen Wohnhäusern und alten Ställen eine Biegung nach rechts, als müsste sie um fünf Meter versetzt werden, und eben in der sich so ergebenden Ausbuchtung steht das Gasthaus, auf dessen Auftauchen wir schon warten. Einmal im Jahr fahren wir durch den Ort, meist im Herbst.

Ist es noch da? Sieht es anders aus? Vor allem: heißt es jetzt anders?

Es ist da. Nie haben wir jemanden hineingehen oder draußen sitzen sehen, nie wurde uns im Vorbeifahren deutlich, ob geschlossen oder geöffnet war. Das Gasthaus heißt: "Zur deutschen Einigkeit".

Einigkeit. Statt Einheit. Ob das ein Fehler war, damals, als man das Schild machen ließ? So wie die vielen Genitive mit Apostroph, die nach der Wende im vereinten Deutschland Konjunktur zu haben schienen? Oder war das von Anfang an klug gedacht? Tiefsinnig, auf dem flachen Land: Zur deutschen – Einigkeit.

Jedes Jahr sieht das Schild mich neu an. Manchmal male ich mir aus, was wäre, wenn ein Buchstabe herunterfiele. Etwa das "n". Ein schöner dritter Weg: Dann hätten wir sie schwarz auf weiß: die Deutsche Ei-igkeit.

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